Die bundesdeutsche Wirtschaftmacht tritt fordernd auf in aller Welt und will ihre Wirtschaftserfolge als unverrückbare Rechtspositionen gesichert haben. Dieses Recht geht von deutschem Boden aus, heißt: die ganz eigenen Verfahrensweisen und politischen Manöver zur Förderung des Kapitals in all seinen Formen werden als allgemeingültige, "vernünftige" Wahrheiten behauptet, die den wirtschaftlichen Verkehr der Nationen zu bestimmen hätten, und alle auswärtigen Anträge, gar Drohungen, die auf Modifikation dringen, treffen auf mehr oder minder umstandslose Ablehnung.
Ein Zirkel von Leuten, der sich "Radikale Linke" nennt, hat den "Entwurf einer politischen Grundlage" veröffentlicht (u.a. in Konkret 11/89; alle Zitate daraus).
Die führenden Parteien Polens und Ungarns haben das Bekenntnis abgelegt, das seit 1918 im Westen als Wahrheit gilt: Sie haben es mit einem nach Menschen- und Staatsrecht untauglichen System versucht. Ihre alte, Sozialismus genannte Art und Weise, Staat zu machen, verdient keine weitere Kritik - sie hat sich unabweislich blamiert: an einer Schuldenakkumulation, die die Zahlungsfähigkeit und ökonomische Handlungsfreiheit der Nation der Zuständigkeit der westlichen Staaten überantwortet hat.
Was nicht geht:
"Die Absicht der polnischen Regierung, ab Anfang Dezember an schätzungsweise vier bis viereinhalb Millionen bedürftige Bürger Lebensmittelkarten auszugeben, ist gescheitert.
Klüger geworden sind die vormaligen Realsozialisten durch ihre Selbstkribk nicht. Sie wissen genausowenig wie vorher, worin eigentlich die Ineffizienz und Unterlegenheit ihres ökonomischen Systems besteht und wie die kapitalistische Reichtumsproduktion funktioniert, die sie sich zum Vorbild nehmen.
Eine gute Nachricht für den Westen hatte der sowjetische Außenminister kürzlich für sein amerikanisches Gegenüber. Die Sowjetunion bringt ihren ehemals hartnäckigen Einspruch gegen die "Strategische Verteidigungsinitiative" (SDI) der USA, welche die Ausdehnung des strategischen Kernwaffenkrieges auf Weltraumwaffen beinhaltet, in Genf nicht mehr auf den Tisch.
Der Sieg des Sozialismus in den osteuropäischen Ländern war ein von den Alliierten einvernehmlich ausgehandeltes Kriegsergebnis, mit dem der UdSSR die Einflußsphäre einer Weltmacht zugestanden wurde. Dieser Verantwortung kam die Sowjetunion nach, indem sie ihr sozialistisches Planungswesen den neuen Bruderländern zur Grundlage ihres ökonomischen Wiederaufbaus anempfahl.
Die Formel von der "Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit" kündete 40 Jahre lang einerseits von dem Recht, die Freiheit, also die Prinzipien kapitalistischer Produktion und Verteilung mitsamt der dazugehörigen Sorte politischer Herrschaft, auch im anderen Deutschland durchzusetzen; und zwar als Tat der westdeutschen Politik. Andererseits verriet sie auch das Bewußtsein, daß dieser deutsche Traum eigentlich nur zu verwirklichen wäre mit Gewalt, über die man - ‘realistisch‘ betrachtet - nicht zur Genüge, auf jeden Fall nicht allein verfügt.
Bevor in Großdeutschland im Nationalrausch des Mauerdurchbruchs alle anderen Themen zugekotzt wurden, hatte es neben den alltäglichen Beschwernissen, die sich die politischen Parteien so verantwortungsfroh stellvertretend für uns aufladen, bei Europa- und Kommunalwahlen ein neues Ärgemis gegeben. Die Republikaner haben mit Stimmengewinnen die politischen Willensbildner aller Couleurs genervt und drohen, bei der für 1990 anstehenden Wahlserie den demokratischen Stammgewählten noch mehr Stimmen abspenstig zu machen.
Das untaugliche polnische Geld mit einem Schlag aus dem Verkehr ziehen, damit ab dann alles im kapitalistischen Lot wäre, ist einerseits eine bestechende Idee:
"Können Polen und Ungarn den Rahmen herrichten, in dem westliche Hilfe Frucht und nicht Frust hervorbringt?...
Der freie Westen besichtigt die Angebote nicht nur als einen enormen Zugewinn an Geschäftssphäre; er würdigt die neue Staatsraison vor allem als die Absage der polnischen und ungarischen Staatsmacher an den Block, zu dem sie gehören. Wenn Bündnispartner der Sowjetunion offiziell erklären, daß ihr nationales Interesse die Beendigung des sozialistischen Wirtschaftens im Inneren gebietet und auch das östliche Wirtschaftsbündnis kaum mehr gebrauchen kann, daß Beteiligung am Weltmarkt in jeder Hinsicht angesagt ist, verschwindet immerhin die materielle Grundlage für Bündnistreue im Ostblock.
In ihrer nationalen Besoffenheit über die Öffnung der Berliner Mauer und der DDR durch die SED zeigt die westdeutsche Öffentlichkeit, daß sie sich als geistiges Kind der Wiedervereinigungspolitik der Bundesrepublik versteht - und zwar so radikal, daß der wirkliche Anschluß längst nicht vollzogen sein muß, um den Schreibtischtätern von "Bild" bis zur "Tagesschau" schon jetzt die vielfältigsten Einheitsschlagzeilen zu liefern: "Deutschland umarmt sich". Was als "Thema der Nachkriegszeit" daherkommt, entspringt reinem nationalen Anspruchsdenken, keiner Wirklichkeit - aber die Sowjetunion zählt da nichts.
Wegen der russischen Perestroika, wegen der nationalen Wende in Ungarn und Polen, schließlich wegen der DDR zelebrieren Linke hierzulande einen ideologischen Kassensturz. Die "Reaktion" hat mit dem Begreifen des realsozialistischen Wandels und mit seinen Wirkungen auf die famosen Kräfteverhältnisse in der Welt nichts zu tun.
Münchner Verwandte schickten mir Ihren Aufruf...
Ich möchte gerne, daß Sie wissen: Mit einem solchen Text werden Sie von keinem ehemaligen DDR-Bürger ernst genommen.
Nach Lexikondefinition besteht ein Staat aus 3 Grundelementen: Staatsmacht, Staatsterritorium und Staatsvolk. Ein Angriff auf die ersten beiden ist allgemein als aggressiver, eigentlich nur kriegerisch durchführbarer Akt bekannt.
Allzuviel Mühe haben sich Österreichs Politiker noch nie mit der Aufrechterhaltung der Heuchelei gegeben, die Neutralität ihres Staatswesens habe etwas mit einem unparteilichen Heraushalten aus dem Ost-West-Gegensatz zu tun. Daß dieser Gegensatz die Grundlage ihrer feinen Nation darstellt und auf welcher Seite sie in ihm zu stehen haben, darüber bestanden unter ihnen noch nie irgendwelche Zweifel.
Jeden Abend kommen sie in der Tagesschau zu Wort, ihnen gilt unsere Hoffnung und - hundertprozentige Unterstützung, Bärbel Bohley und Pfarrer Eppelmann, den Leuten vom Neuen Forum, den Gründern einer SDP und den sonstigen Initiativen. Leuten, die ihr politisches Anliegen folgendermaßen vortragen: "Ich denke, wir müssen jetzt erst einmal darum bemüht sein, diese Realität DDR, die es seit 40 Jahren gibt, zu unserer zu machen."
Reinhold: Es ist eine problematische Frage, ob wir private Autos produzieren oder nicht. Wir sind in die internationale Entwicklung eiingebunden, in der eine Gesellschaft ohne Auto kaum noch vorstellbar ist.
Die Nationale Volksarmee der DDR setzt im Bündnis mit der Sowjetunion dem Imperialismus mit Waffen Schranken. Da ist aber noch lange kein guter Grund, den Wehrdienst zur "schöpferischen Selbstbetätigung" zu verhimmeln und der NVA patriotische Lobeshymnen der folgenden Sorte zu widmen:
Als der vom Sowjetblock abgefallene Tito die Staatsoberhäupter politisch unabhängig gewordener Länder aus dem Kolonialbesitz der imperialistischen Westmächte 1961 nach Belgrad einlud, entstand die Bewegung der Blockfreien als "antiimperialistisches" Bündnis gegen die Hegemonieansprüche und den "Rüstungswettlauf" der "Supermächte". 1989, wieder in Belgrad, haben die Teilnehmer auf jegliche Kritik am Westen "verzichtet".
Daß Staatswesen ausnahmsweise die Gewohnheit von Privatmenschen nachahmen und ihre runden Jahrestage feiern, ist in der gesamten Staatenfamilie guter Brauch. Normalerweise schließen sich noch die größten Kontrahenten des jeweiligen Jubilars den Glückwünschen an seine Adresse an und übermitteln per Telegramm des Staatsoberhaupts oder auf pompösen Empfängen ihre Achtung vor dem anderen Souverän.
So übersetzt man als Betriebsaktivist die SED-Linie vom "Weltniveau" als nationale Aufgabe Nr. 1 in eine "Bedürfnisschraube" der lieben Werktätigen selber.
Am Abgrund, am Rande des Untergangs, reif zum Abtreten von der politischen Bühne wenn man den lautstarken Parolen der westlichen Ideologen glauben darf. Darf man aber nicht; besagte Ideologen setzen sich vielmehr, wenn sie als politische Trommler auftreten, lässig über die mehr wissenschaftlich-seriös daherkommenden Abteilungen ihrer eigenen bürgerlichen Weltanschauung hinweg.
Nichts gegen Boris und Steffi, nichts gegen Tennis, nichts gegen Sportidioten und ihren Fanatismus als Vorbild für die Jugend, nichts gegen Sporterfolge als Ausweis der Qualität der Nation - wem soll denn dann da noch der ausschlaggebende Unterschied zwischen Kapitalismus und Sozialismus einleuchten?
Angesichts der Gründungsakte der DDR als des besseren, des antifaschistischen, des humanistischen Deutschland kann man sich des Eindrucks kaum erwehren, daß die deutschen Sozialisten die von ihnen kommandierte produktive ökonomische Basis wirklich nur als die Basis fürs Erblühen des Überbaus, fürs Wahrmachen alles Guten, Wahren und Schönen angesehen haben; dessen, wovon die besten Traditionen der deutschen Nation künden, was die real existierenden deutschen Staaten ihren Bürgern aber in der Praxis immer vorenthalten haben, mit den schlimmsten Folgen für Nation, Bürger und Staat. Von diesem Versprechen hat Deutschlands bessere Hälfte so viel gehalten, daß man ihr den Rang als
Sie mußten ja kommen. Jetzt sind sie erschienen - als Buch und als Vorabdruck im "Spiegel", der selbstverständlich gebührend.damit kokettiert, daß ausgerechnet ihm gegen gute Bezahlung die Ehre zuteil wurde, das Vermächris des (mehr) Intim (als) Feindes vorzuveröffentlichen.
US-Präsident Bush hat ein Markenzeichen für seine Präsidentschaft gefunden: "Krieg der Rauschgiftmafia". Der "Kampf gegen die Drogenseuche von Millionen von Amerikanern" - unter Präsident Reagan noch ein Betätigungsfeld für die First Lady - ist neuerdings Chefsache im Weißen Haus.
Schließlich ist unserem Land aufgegeben, die Konvertierbarkeit unserer Währung zu erreichen. Dies kann nur gemeinsam mit der BRD und im bestehenden Wirtschaftsbündnis erreicht werden.
Gründe zum Auswandern hat zu so mancher Zeit schon mancher gehabt und in die Tat umgesetzt, mag er nun als politisch Verfolgter oder als einer daherkommen, der einfach nur besser leben will. Aus der Not geboren, sind sie allemal trist genug, und der Mensch muß schauen, wo er bleibt.
Sie sind jetzt in der Freiheit und sind darüber begeistert. Ist es Ihnen schon gelungen, mit Ihrer Freiheit irgend etwas anderes zu tun als das, was Sie drüben mit Ihrer Unfreiheit getan haben? Sehen Sie hier eine Perspektive? Oder nur die, daß Sie jetzt alles tun müssen, um sich in der freien Welt zurechtzufinden und zu bewähren?
Am edelsten ist der Humanismus der demokratischen Politmoral, derzufolge sich beim Hitler-Stalin-Pakt erstens der Abschaum der Menschheit verbündet habe, das zweitens alles Nötige über das System sage, das es heute noch gibt, wenn er sein Herz auch noch für Kommunisten entdeckt. Daß gestandene Antikommunisten sich auf die Tour verstehen, aus den Formen, in denen Genosse Stalin die Linie seiner Partei sauber hielt, die ganze Menschenwidrigkeit des Kommunismus abzuleiten, kennt man ja schon.
Wenn sich einprägsame Daten der faschistischen deutschen Vergangenheit jähren, sind stets amtliche Worte der Besinnung angebracht. Die Kunst des Distanzierens des Rechtsnachfolgers des III.
An ein und demselben Tag in ein und derselben liberalen Zeitung: Vorne, in dicken Schlagzeilen, eine Riesenempörung über das brutale Durchgreifen der chinesischen Staatsführung gegen die protestierenden Studenten. Hinten, im Wirtschaftsteil, folgende sachkundige Ermahnung:
Daß der Computer eine ziemlich atemberaubende Karriere als Geschäftsmittel gemacht hat und noch immer macht, ist eine Sache. Daß er gleichermaßen Karriere macht als Ideologieproduzent oder richtiger: Berufungsinstanz einer Ideologie, ist eine andere Sache, die eben wenig zu tun hat mit seinen technischen Qualitäten, aber sehr viel mit der Sorte falschen Nachdenkens und Urteilens, die der Gesellschaft, der er dient, nicht minder notwendig ist als der Gebrauch natur- und ingenieurwissenschaftlicher Einsichten.
auf die Unruhen in China hat Anlaß zur Kritik wegen der "Halbherzigkeit und Inkonsequenz" der Regierung gegeben. Nach der blutigen Niederschlagung der Proteste haben aufgebrachte Demokraten und manche Journalisten den entschiedenen Einsatz derjenigen vermißt, die von einem "sinnlosen Akt brutaler Gewalt" (Kohl) oder einem "Rückfall in die menschenverachtende Zeit des Totalitarismus" (die Bundesregierung) gesprochen haben.
Die NATO hat anläßlich der Beschlußfassung über die Kurzstreckenraketen eine alte Lüge aus dem Verkehr gezogen:
"Die substrategischen Streitkräfte (atomare Kurzstreckensysteme) sind nicht dazu bestimmt, konventionelle Ungleichgewichte auszugleichen."
Allein schon die Bilder im Fernsehen hätten Aufschluß darüber geben können, daß unter der Überschrift "Demokratie" von den Studenten etwas gefordert wurde, was mit dem Grundgesetz der BRD und der dazugehörigen Verfassungswirklichkeit nicht sehr viel gemein hat: Unter ihren Demokratie-Transparenten nämlich sangen sie die Internationale, trugen Mao-Bilder, beklagten materielle Not (der Intelligenz) und prangerten Korruption an. Nichts davon paßt in eine westliche Demokratie; nicht nur Mao und die Internationale. Über Armut kann sich das Volk in einer kapitalistischen Demokratie gar nicht beklagen; nicht weil es sie nicht gäbe, sondern weil die Demokratie nicht Volksversorgung verspricht, sondern Chancen. Wer Chancen nicht nutzen kann und arm bleibt, ist selbst schuld; wird Armut aber wirklich nicht mehr akzeptiert, dann ist das im Westen die Systemfrage, die von den Behörden entsprechend beantwortet wird. Über die private Bereicherung von politischen Amtsträgern kann man sich im Reich der persönlichen Freiheit schon gleich nicht aufregen: Die Zahl der gar nicht verschwiegenen Aufsichtsratssitze unterstreicht das Gewicht des Volksvertreters und weckt keine Zweifel an seiner Pflichterfüllung. Wird von Amtsträgern beim Bereichern gegen Gesetze verstoßen, so versorgt das allenfalls die Parteienkonkurrenz mit Stoff - Volksaufstände werden daraus nie und nimmer.
Solche Erklärungen, die als dokumentarische Weihe der Beziehungen von Staaten feierlich unterzeichnet werden, enthalten in der Regel allerlei Allgemeinplätze, die guten Beziehungen und den ernsten Willen zu ihrer Verbesserung betreffend. Besuchen sich Feinde, dann triefen diese Machwerke der Diplomatie nur so von Frieden und Fiedenswillen.
So um die Pfingstzeit herum vor 40 Jahren ist einer schwer ausrottbaren Legende dieser Republik zufolge ein Geist über eine Versammlung deutscher Politiker gekommen und hat sie das Grundgesetz der Bundesrepublik formulieren lassen. Dank ihrer "aller Staatlichkeit vorausliegenden Idee der Menschenrechte" sollen die sog.
Es ist zur Zeit Mode, an den russischen Generalsekretär Anträge zu stellen, die er gefälligst zu bedienen hätte. Und zwar rein aus dem Grund, daß er uns so furchtbar sympathisch ist und wir ihm das mitteilen.
Jörg Haider, der schicke und "populistische" österreichische FPÖ-Chef, hat sein Markenzeichen, den "langen blitzblauen Schal" (Spiegel), erst mal abgelegt und ist in die angesehene Rolle des Landeshauptmanns von Kärnten geschlüpft. Angetreten, in Österreichs Politik "die Karten neu zu mischen" und die "Altparteien" das Fürchten zu lehren, hat das politische Wunderkind aus dem Nachbarland einen neuen Erfolg vorzuzeigen: Durch "ungustiöse Packelei" (österreichisch für: geschmackloser Zusammenschluß) mit der ÖVP, was er bislang heftigst kritisierte, darf er nun an der Spitze eines Bundeslandes echte Politik machen und nicht immer nur kritisieren und laute Töne anschlagen - womit er seine Karriere begründet hat.
Demokraten können Schönhuber nicht kritisieren, aber sie wissen sich zu helfen. Zum Beispiel dadurch, daß sie ihn mit all der Perfidie beschimpfen, die einem bürgerlichen Kopf so zu Gebote steht.
Mit freudiger Anteilnahme haben westliche Politiker und die hiesige Öffentlichkeit eine politische Premiere im Ostblock mitgefeiert. Zum ersten Mal fanden in der Sozialistischen Volksrepublik Polen "freie Wahlen" statt, bei denen sich die regierende kommunistische Partei einer Opposition stellte, die für die "Rettung Polens" auf den Papst und westliche Kapitalhilfe baut.
Gerade rechtzeitig zum 200sten Jubelfest der Französischen Revolution ist auch Rudolf Augstein mit einer Spiegel-Serie eingestiegen. So lange ist das schon her, meint er, daß wir uns heute schwer fragen müssen, ob das alles noch für uns "bemerkenswert" ist.
"Deng setzte Zhao als Generalverwalter der Partei ein, und seine Absicht ging auf, Chinas Partei hatte nichts nötiger als einen nüchternen Manager, um aus der verfahrenen Situation nach Hu Yaobangs Abgang wieder herauszukommen...
Was haben eigentlich manche Leute in der CDU/CSU gegen unseren Bundespräsidenten? Lange hatte es als unstreitig gegolten, man könnte diesen seltenen Arbeitsplatz gar nicht besser besetzen als mit diesem Herrn.
Präsident Bush hat jüngst programmatisch verkündet, wie er seine Macht zu gebrauchen gedenkt für die "Vision einer besseren, friedlicheren Welt". Die ganze Welt im Geiste umkrempeln, darunter tut es kein amerikanischer Präsident, wenn er von Frieden redet und bekannt macht, unter welchen Bedingungen er sich ein Auskommen mit der Sowjetunion allein vorstellen kann.
So wird schon ein wenig getan, von Politikern und Meinungsmachern diesseits und jenseits des Atlantik. Aufregung ist auf der Tagesordnung und jede Übertreibung erlaubt.
Bonn erwartet den Staatsbesuch des Jahres. Die Feier gilt nicht dem neugewählten Präsidenten der Weltmacht, der wir die Freiheit und unsere Rolle als zweitstärkste NATO-Macht verdanken; auch nicht dem französischen "Männerfreund" Kohls, mit dem wir gemeinsam Europa erbauen und der auf "Routinebesuchen" im lieblichen Oggersheim abgespeist wird.
Westdeutsche Linke, organisiert und unorganisiert, richten ihr Augenmerk auf die Vorgänge in der Sowjetunion und fragen: Was bedeuten Glasnost und Perestroika für uns als Linke? Fördert Gorbatschow unsere Glaubwürdigkeit?
37 illustre Geister aus dem In- und Ausland hat Rudolf Augstein eingeladen, anläßlich Führers Geburtstag ihre Auffassungen über die "Bedeutung" des Geburtstagskindes aufzuschreiben.
Die alten Warnungen, Mahnungen und Lehren, "das Schreckliche" betreffend, kommen zwar vor, durch die Bank geht es aber sehr abgeklärt zu.
(Früher) mißbilligtet Ihr noch die Verarmung der Arbeitenden in Ostblockländern zum Zwecke der leichteren Schuldentilgung. Neuerdings findet Ihr das im Falle Rumäniens ("Das rumänische Systematisierungsprogramm: Modernisierung - ein neuzeitliches Verbrechen", MSZ Nr.
An kritischen Zeitgenossen mangelt es wahrlich nicht. Durch Rundfunk und Fernsehen, durch den "Spiegel" und die "Bild"-Zeitung, durch die freie Wissenschaft und die konkurrierenden Parteien aufgeklärte Erdenbürger machen es sich geradezu zur Pflicht: kritisch zu sein.
Im Dezember 1988 beschlossen Staatsmänner aus Kuba, Angola, den USA und der Republik Südafrika (RSA), Namibia auf der Grundlage der UNO-Resolution 435 in die Unabhängigkeit zu entlassen. Anschließend wurde mit der Aufstellung einer UNTAG-Truppe und der Vorbereitung der Wahlen zu einer verfassungsgebenden Versammlung begonnen.
Die Strafgefangenen der RAF wollen mit einem Hungerstreik ihre Zusammenlegung in ein oder zwei Gefängnissen erwirken. Diese ohnmächtige "Erpressungs"-Aktion wird von den zuständigen Justizbehörden gleich wie ein erneuter terroristischer Anschlag bewertet: Schon wieder hätten diese Staatsfeinde sich verschworen, um die Obrigkeit zu erpressen, also das allerheiligste Gewaltmonopol des Staates zu brechen.
Ein "Schandfleck" lastet seit dem republikanischen Wahlsieg auf der Nation, ein "Schock" hat alle demokratischen Parteien ergriffen. Die Bekämpfung der "Rechtsradikalen" ist seit Berlin Thema Nr.
Es geht offenbar ums Prinzip. - Da wird im bayerischen Memmingen ein Gerichtsverfahren gegen einen Frauenarzt durchgezogen, der sich bei der Abtreibung nicht an die dafür geltenden Paragraphen des Strafgesetzbuches gehalten haben soll, und der Staat macht daraus einen politischen Prozeß erster Güte.
Das ist die kritische Parole, in der sich von rechts bis links alle einig werden. Kein Wunder: Antikritik ist nämlich der Ausgangspunkt dieses Imperativs.
Wenigstens soweit man davon absieht, daß der moderne Staat manchen Nationen seine Feindschaft anträgt und über deren Bevölkerung ein Feindbild in Umlauf setzt. In diesen Fällen ist Ausländerfeindschaft Staatsauftrag, sonst nicht.
Was wäre, wenn er einen Wunsch frei hätte, verriet der ehemalige rote und nunmehr grüne Dany dem Publikum via Spiegel:
"Es ist einer meiner Lieblingstagträume, Außenminister von Oskar Lafontaine zu werden.
Die Bundeswehr besitzt Raketen, mit denen amerikanische Atomsprengköpfe über 100 Kilometer weit verschossen werden können; ca. 90 "Lance"-Systeme mit jeweils 10 Flugkörpern.
"Europa" ist prima - das ist nationaler Konsens in der Bundesrepublik. Denn die Machthaber freuen sich öffentlich und ohne Einschränkung auf einen "Binnenmarkt mit 320 Millionen Verbrauchern", also eine Wirtschaftsmacht, die alle anderen Wirtschaftsmächte übertrifft.
Etwas von bleibendem Wert wollten sie schaffen, die "Väter" (neuerdings auch "Mütter") dieses Werks. Schon sein Titel ist Programm: "Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutscnland", das kündigt eine Schrift in der Reihe klassischer Staatsutopien an, und doch mehr.
Seit Wochen und endgültig seit seinem "Erdrutschsieg" wird dieser Mann als politisches Talent gehandelt, zu dem sich die Russen nur beglückwünschen können. Fragt sich nur, was er ihnen zu bieten hat.
Die Bundesregierung hat beschlossen, die funktionierende Zusammenarbeit zwischen Militär und Industrie zu einem Komplex auszubauen. Unter dem Titel "Neuordnung der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie" hat die Bundesregierung deshalb aus dem Automobilkonzern Daimler-Benz und dem Rüstungs- und Luftfahrtkonzem MBB in den letzten Monaten ein nationales Rüstungs-High-Tech-Monopol zusammengebastelt.
Konrad Lorenz ist nicht mehr, Seiner Nachwelt hinterläßt er die etwas umfangreich ausgefallene verwissenschaftlichte Fassung von ein paar moralischen Sentenzen, die zum weltanschaulichen Instrumentarium des gebildeten Staatsbürgers gehören. Wer von der Schlechtigkeit "des Menschen", seiner Neigung zur Hybris und Umweltzerstörung, dem Müßiggang als dem Anfang aller Laster und dem Glauben an die Allmacht der Vernunft als die Erbsünde, die in die Katastrophe führt, und überhaupt von einer Menschheit weiß, die sich immerzu gegen ihre höhere Bestimmung vergeht; wer daran die Forderung knüpft, eine höhere Gerechtigkeit müsse die Menschheit mit ihrer Unvernunft auf das richtige Maß zurechtstutzen und sie wieder Bescheidenheit vor Gott und der Natur lehren: der hat - ohne Lorenz‘ Werk gelesen haben zu müssen - die Lehre diese "großen Österreichers", "Einsteins der Tierseele" und "Menschheitswarners" so intus, als ob er ein nobelpreisverdächtiges Forschungsschwimmen mit einer Graugans absolviert hätte.
Nach achtjähriger Amtszeit der Reagan-Administration ist die Armut der Massen mehr denn je ein Zustand der Normalität der USA. Jede Statistik gibt Auskunft darüber, daß der Umfang der amtlich definierten Armutsbevölkerung ständig wächst, daß sich die Armutskarrieren beschleunigen und befestigen, daß Teenager, Schwarze und Chicanos gleichermaßen zum Elendspotential gehören, daß ein Job alles andere als ein Schutz vor dem Elend ist.
Ronald Reagan hat sich bei seinem Amtsantritt 1980 einer Mission verschrieben. Mit dem ortsüblichen Getöse hat er beschlossen, Amerikas Verfall aufzuhalten.
Das hat gerade noch gefehlt. Während man sich bis vor kurzem unter Anleitung von "Stern" und "Spiegel" das rumänische Landleben als zutiefst "rückständig" zurechtlegen durfte und dem speziellen Größenwahnsinn eines industrialisierungswütigen Diktators namens Ceausescu anlasten sollte, ist seit dem sogenannten "Dorfzerstörungsprogramm" des Conducators alles anders: Mitten im Un-Staat entdecken die Hetzer vom Dienst eine erhaltenswerte Idylle nach der anderen, wie es sie in ganz Europa nicht (mehr) gibt und die "deshalb" unbedingt vor bösen großen Bulldozern gerettet werden müssen.
Bis vor kurzem war "Sputnik" jenes schockierende Fluggerät, mit dem die Russen damals "unseren Freunden", den Amerikanern, im Weltraum zuvorgekommen sind. Jetzt wissen wir neuerdings außerdem, daß es eine russische Zeitschrift ist, die auch in deutscher Sprache erscheint.
Der Student ‚89, auch wenn er sich etwas theatralisch und übertrieben äußert - und, heimlich oder unheimlich, mit dem Vergleich zur alten Studentenherrlichkeit operiert -, macht sicherlich so manche schlechte Erfahrung. Wohnungsprobleme, Geldmangel, Gerangel um Plätze - besonders lustig ist das Studikerleben unter den bildungspolitischen Auflagen der Wende-Regierung nicht.
Seit Jahren stört die sowjetische Regierung die heile Welt der NATO-Aufrüstung mit Abrüstungsvorschlägen. Sie hat ernstgemacht mit der - eigentlich als Zurückweisung der "Utopie einer atomwaffenfreien Welt" gemeinten - Mahnung des Westens, die Abrüstung im großen müsse erst einmal klein und konkret anfangen, und das Mittelstreckenraketengeschäft durchgesetzt.
Alle bürgerliche Befassung mit der Sowjetunion gelangt vom Maßstab der Demokratie und des Kapitalismus zu dem Urteil: defizitär. Vom Standpunkt des Grundgesetzes aus ist die Sowjetmacht ein einziger Rechtsbruch, und für die Apologeten der Marktwirtschaft die Sowjetökonomie eine grandiose Mißwirtschaft.
Das jüngste Beispiel für die in der Geschichtswissenschaft seit Urzeiten vertretenen gegensätzlichen Sichtweisen, die Geschichte sei eher durch Ideen oder eher durch Macht bewegt, liefern die beiden Schwarten von Sebastian Haffner und Ernst Nolte. Zwei seriöse Geschichtswissenschaftler widmen sich demselben Zeitraum und erzählen jeweils eine völlig andere Geschichte.
Keine Frage: Der PLO ist ein Knüller gelungen. Mit der Proklamation eines souveränen Staates der Palästinenser hat sie die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich gezogen, die diplomatische Anerkennung von bisher 70 Staaten bewirkt und die Palästinafrage wieder auf die Tagesordnung geietzt, nachdem sie praktisch schon gelöst schien.
Bescheiden waren sie gerade nicht, die Anliegen, mit denen Ronald Reagan vor acht Jahren das Präsidentenamt antrat. Amerikas Stärke wolle er wiederherstellen; das "Fenster der Verwundbarkeit" schließen, das er und seine Berater gegenüber den Russen ausgemacht haben wollten; und das gar nicht verheimlichte Oberziel hieß: Schluß mit der ewigen Notwendigkeit, sich mit den Russen herumschlagen zu müssen - das "Reich des Bösen" war endlich zu vernichten.