Eines muß man sämtlichen Mitspielern lassen: Sie haben es verstanden, aus einem matten, spannungsarmen Stück mit bekanntem Ausgang eine skandalumwitterte Aufführung zu machen, unter lebhafter Beteiligung des Publikums.
Eigentlich ging es ja nur um die Rollenbesetzung für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten.
Für den hiesigen Zeitungsleser ein bockiger Menschenschlag am Golf von Biskaya mit einem Hang zur Gewalt als Volkscharakter. Als es noch gegen Franco ging, gab es Verständnis für die bewaffneten Aktionen von ETA, es sei denn, ein deutscher Konsul wurde entführt. Jetzt aber treffen die Kugeln der Etarra Polizisten des demokratischen Spanien, Mitglied von NATO und EG, das zudem den Basken Autonomie gewährt hat. Also Fanatiker im Solde Libyens, des Weltkommunismus oder "ganz gewöhnliche" Verbrecher - so lauten die im spanischen Staat und auch hierzulande gängigen Urteile. Terroristen gehören von den Staatsorganen unter dem Beifall und der Mithilfe der Bevölkerung entsprechend behandelt. Hier aber gibt es eine Besonderheit: In den baskischen Provinzen Spaniens kann ETA auf die aktive Sympathie von 200.000 Wählern der Abertzale-Koalition Herri Batasuna zählen, und für die anderen baskischen Parteien sind die Etarra irregeleitetePatrioten. Immer enn die Guardia Civil oder ihre Hilfstruppen von den GAL (= Antiterroristische Befreingsgruppen) ein "mutmaßliches" Mitglied der ETA zu Tode bringen, wird es vom Stadt- bzw. Gemeinderat seines Heimatorts mit den Stimmen allerbaskischen Parteien zum Ehrenbürger posthum ernannt. Der baskische Seperat - Nationalismus lebt in der spanischen Demokratie fort.
Der Streit zwischen den Theologen der Befreiung und ihrer Zentrale ist einer unter Brüdern. Einig sind sie sich in ihrem missionarischen Eifer, der Welt fehle nichts so sehr wie der rechte Glaube.
Dieser Dialog fand statt, bevor Sonderbotschafter Walters zu Konsultationen nach Europa reiste und die Alliierten wenigstens psychologisch vorbereitete." (Frankfurter Allgemeine 17.4.)
Präsident Reagan hat seine Nicaragua-Politik überdacht. Der mit amerikanischer Hilfe geführte Krieg der Contras gegen die Regierung in Managua erscheint ihm bisher zu wirkungslos gewesen zu sein.
Kaum fällt der Ölpreis, hat es jeder immer schon gewußt: Gegen "die Marktkräfte" war dieser Preis nicht zu halten. Mit ziemlich unverhohlener Begeisterung wird von den OPEC-Konferenzen berichtet, wo die Scheichs sich mal wieder nicht einigen können und einigermaßen fassungslos vor dem Preisverfall ihres staatslebenswichtigen Exportgutes sitzen.
Das SDI-Projekt der US-Regierung wird in der der demokratischen Öffentlichkeit, der bundesdeutschen vor allem, mit Vorliebe als Forschungsprogramm mit einem dicken "bloß" davor hingestellt. Man müsse mitmachen - heißt es von Regierungsseite - oder besser etwas Eigenes von gleicher Art anstellen - tönt es von der SPD -, um rein wirtschaftlich auf Dauer konkurrenzfähig zu sein.
Ein Gespenst geht um in Deutschland-West, und alle guten Deutschen fahnden nach ihm. Es heißt Antisemitismus, und wie bei allen Geistergeschichten scheiden sich die Zeitgenossen in zwei rivalisierende Lager.
Nach fast 40 Jahren faschistischer Diktatur gab ein König der spanischen (Klassen-)Gesellschaft die politischen Freiheiten zurück, die ihr der Franco-Staat vorenthalten hatte. Nicht ein Staat in Bedrängnis, sondem eine souverän agierende Staatsgewalt entschloß sich nach dem Tode des Caudillo, den Völkern Spaniens die Demokratie zu schenken.
Als wir am Flughafen Moskau-Scheremetjewo ankamen, waren wir schon durch Reisepublikationen vor Unannehmlichkeiten bei der Einreise gewarnt. Zunächst konnten wir jedoch außer einem Haufen westeuropäischer Touristen nichts Besonderes ausmachen.