Artikel nach Jahrgang und Nummer

DDR bewilligt Tausende von Ausreiseanträgen. Zu Tausenden sind sie jetzt hier, die von drüben. Wie sehen sie uns, nach einem Leben in der Diktatur, fragt die BILD-Zeitung und widmet den Deutschen/Ost, die jetzt Deutsche/West sein dürfen, eine ganze Serie:

Da erlaubt das Volksgefängnis DDR-Bürgern die vorzeitige Entlassung; jetzt kommen sie hier an, unsere Brüder und Schwestern aus dem Osten, endlich sind sie in der Freiheit - und dann das: "Der Empfang im Notaufnahmelager Gießen war bürokratisch kühl. Keine Blasmusik!"

ELITE - DER FRÜHJAHRSSCHLAGER AUF DEM DEMOKRATISCHEN MEINUNGSMARKT

Ein korpulenter Herr, der in Bonn den Beruf des Außenministers ausübt, rechnet es sich selbst hoch an, das Theater eingeläutet zu haben. Er ist stolz und glücklich über eine Tat, die Mut erfordert, weil sie für den Täter das Risiko in sich birgt, unbeliebt zu werden.

ELITÄR VON A-Z

ANMASSUNG "Die Realitäten richten sich nicht immer nach Prognosen" (Norbert Blüm)
ARBEIT "Ein Vermögen zu erhalten ist schwieriger als eines zu erwerben."

Eine Woche Frankfurter Allgemeine
DAS BLATT, HINTER DEM IMMER EIN KLUGER KOPF STECKT

schrieb die FAZ zur ersten Ausgabe am 1.11.49 und nennt sich seitdem "Zeitung für Deutschland". Ein Blatt, das sich gleich als Quasi-Außenminister der BRD aufs Podest stellt, hat keine antifaschistisch-demokratischen Säuberungsskrupel abbekommen.

Die Gewerkschaft kämpft sich durch
VON DER SOZIALLIBERALEN ZUR CHRISTLICHEN ORDNUNGSMACHT

So etwa planen IG Metall und IG Druck für den Mai, mitten hinein in den Aufschwungfrühling der sozialfriedlichsten Republik, die je auf deutschem Boden...
Das Echo fällt entsprechend aus.

Ein Jahrhundertprogramm wird wahr
TOTALE GLEITZEIT NACH WUNSCH DER UNTERNEHMER

Das Wunschbild dieses Mannes ist längst Wirklichkeit geworden im Arbeitsalltag unserer schönen Republik. Kaum hatte die IG Metall ihre Forderung nach der 35-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich aufs Tapet gebracht, ging bei den Unternehmern die Empörung los: Nicht machbar!

Haig-Memoiren
AL SAUER AUF RON WEGEN ED

Was aufgeklärte Demokraten und Spiegelleser schon immer mal wissen wollten, weil sie es sich schon immer so gedacht haben: Nun weiß man es ("Spiegel" sei Dank!) aus erster Hand:

Heimat
NOCH NIE WAR SIE SO WERTVOLL WIE HEUTE

"Die Heimat" hat politische Konjunktur. Nicht nur in Kommunalwahlkämpfen mögen die Parteien nicht darauf verzichten, "unsere Stadt" und "unser schönes Land" zu bemühen, wenn sie sich als die geeigneten Sachwalter einer Politik herausstellen wollen, die es mit Land und Leuten gar nicht hat.

EIN HERZ FÜR KOMMUNISTEN

Am edelsten ist der Humanismus der demokratischen Politmoral, derzufolge sich beim Hitler-Stalin-Pakt erstens der Abschaum der Menschheit verbündet habe, das zweitens alles Nötige über das System sage, das es heute noch gibt, wenn er sein Herz auch noch für Kommunisten entdeckt. Daß gestandene Antikommunisten sich auf die Tour verstehen, aus den Formen, in denen Genosse Stalin die Linie seiner Partei sauber hielt, die ganze Menschenwidrigkeit des Kommunismus abzuleiten, kennt man ja schon. Kaum mehr auszuhalten aber ist diese Pflege der Dankbarkeit, im garantiert richtigen System dabeizusein, wenn dieselben beinharten Freunde der Menschlichkeit sich in das Los der deutschen Kommunisten einfühlen, die der Diplomatie geopfert wurden. Dann passen nämlich nicht nur alle für Hitler reservierten Titel der Verurteilung auch auf den anderen "Diktator" und tragen so zur Vergewisserung bezüglich dessen bei, was man von dem eh schon wußte: Dann läßt sich auch noch am ach so verwerflichen Umgang des "Totalitarismus" mit Kommunisten zeigen, daß die Verfolgung, die diese in der Demokratie durch den Rechtsstaat genießen, komplett in Ordnung geht, weil kein GULAG oder KZ die Moral der Politik anrüchig macht, die sie gebietet:

Gadafi gegen Großbritannien - USA gegen die Sandinisten
ZWEI UNVERGLEICHBARE FÄLLE VON GEWALT UND MORAL

Der amerikanische Präsident entsendet zu großangelegten Manövern Truppen nach Honduras, Kriegsflotten in die Karibik und vor die
Pazifikküste Nicaraguas. Geübt wird "Invasion" sowie das Abfangen gegnerischer Schiffe - auch gleich am wirklichen feindlichen Objekt.
Gedeckt durch diese Massenansammlung von Militär, rüstet der amerikanische Geheimdienst Söldner und nicaraguanische
Regierungsgegner für einen terroristischen Kleinkrieg gegen Nicaragua aus, arrangiert und koordiniert ihre Einsätze; die Luftüberwachung
im Manövereinsatz hilft dabei.

Korrespondenz
"VON KRITIK KEINE SPUR"

Als Politologiestudentin und Linke (undogmatisch und unorganisiert!) habe ich mir euren ellenlangen "Gegenstandpunkt" in der MSZ-Aprilausgabe unter dem stolzen Titel "Systemvergleich: Freiheit statt Diktatur" zu Gemüte geführt.

Deutsche Wirtschaftsausstellung in Japan
"MADE IN GERMANY" BESUCHT DIE "GELBE GEFAHR"

Unter dem Titel "Made in Germany - gestern - heute - morgen" findet in Tokio vom 24.4. bis zum 6.5.

VOM GANZ GEWÖHNLICHEN MILITARISMUS

Neulich wurde die Öffentlichkeit, ob interessiert oder nicht, mit den neuesten Informationen über das Frühjahrsmanöver der NATO versorgt. Weit oben im Nordatlantik übte die Marine der Mitgliedsländer Zusammenarbeit und Sicherung der transatlantischen Nachschubwege ("Teamwork ‚84").

DIE VERRÜCKTEN LOGISCHEN GLIEDER EINER MENSCHENKETTE

Wie der Name schon sagt, besteht eine Menschenkette aus ganz viel Menschen. Jung und alt, Bauer und Student, Arbeiter und Christ, Handwerker und Künstler, Grüne und Pop-Sänger, SPD-ler und evangelische Pastoren - wurscht welchen Stands und Interesses -, alle Menschen, die sich in sie einreihen, bilden ihre Bestandteile.

Der Ostermarsch 84
DIE GEMEINDE MACHT WEITER

Am Ende waren beide Seiten zufrieden: Ostermärsche mit Zubehör (Menschenketten, Blockadeversuche, Feste und Feierstunden) fanden statt. Die Teilnehmerzahl war im Vorjahrsvergleich geschrumpft, und die Veranstaltungen liefen so ab, daß sie in den Lokalteilen der Presse harmonisch neben den Reportagen vom österlichen Ausflugsverkehr ihren Platz fanden.

FREIE EIER AUS DER OSTERPRESSE

Für unsere zugereisten Brüder und Schwestem aus der DDR ein lebendiges Lehrstück in wahrer Demokratie:
1.

Dr. Watzlawick meets "Brigitte"
"LEBENSBERATUNG"

Neben den zahllosen Ratgebern für alle Lebenslagen, den Gebrauchsanweisungen für ein sinnerfülltes Dasein, die sich bereits auf dem Markt befinden, nun auch noch eine "Anleitung zum Unglücklichsein": Bereits diese ironische Umkehrung verrät, daß eine Kritik des praktizierten Glücksideals hier keineswegs zu erwarten steht.
Aufklärung wird statt dessen darüber versprochen, warum es mit der allseits verehrten Lebensfreude, immerzu nichts wird:

Konventionelle Aufrüstung
2 THESEN, FÜR VERTEIDIGUNGSZWECKE UNBRAUCHBAR

Es ist noch nicht lange her, da wurde "nach"-gerüstet mit der offiziellen Begründung, nur so sei das Gleichgewicht wieder herzustellen und der Friede sicherer zu machen. Inzwischen stehen immer mehr von den Raketendingern in Europa herum, die versprochene Sicherheit - schon damals eine für den demokratischen Hausgebrauch bestimmte Lüge - hat sich allerdings für die Initiatoren der Aufrüstung mitnichten eingestellt.

Reagans "Krieg der Sterne"
VORWÄRTSVERTEIDIGUNG VOM WELTRAUM AUS

Die USA haben vor, auch noch den Weltraum um die Erdkugel herum mit Waffen vollzupflastem. Präsident Reagan hat es neulich angekündigt, im vorigen Monat ist die "nukleare Planungsgruppe" der NATO in den neuen Aufrüstungsschritt eingeweiht worden.

Bonner Charaktere: F. J. Strauß
EIN DEMOKRATISCHER PARADEPOLITIKER

Haargenau dieselben volkstümlichen Tugenden einer bundesrepublikanischen Führungspersönlichkeit haben so anerkannte Männer wie Karl Carstens und Helmut Schmidt für sich ins Feld geführt. Woran liegt es dann, daß Strauß so umstritten war und ist?

Student 84
WODURCH SICH DIE ZUKÜNFTIGE ELITE AUSZEICHNET

Nicht die Studenten haben sich geändert, sondern die Zeiten, in denen und für die sie unverdrossen die Jahre zwischen Schule und Job an den Hochschulen runterreissen. Angepaßt, wie ihnen heute schon wieder zum Vorwurf gemacht wird, waren sie immer schon - immerhin ist Anpassungsfähigkeit das halbe Staatsexamen.

US-Wahlen
EIN GRUNDKURS IN DEMOKRATIE

"What you see is what you get!" (Walter "Fritz" Mondale)

DER GANZ NORMALE WAHNSINN

Ende einer Busfahrt

"Israelische Soldaten stürmen entführten Linien-Bus.