Realer Sozialismus

Die Demokratisierung des ehemaligen Ostblocks
DIE KONTERREVOLUTION FRISST IHRE KINDER

Unter dem Beifall und mit aktiver Beihilfe des Westens haben sich die Staaten des ehemaligen Ostblocks aus dem sozialistischen "Völkergefängnis" befreit. Alle nationalen Aufgaben, für die der sozialistische Staat einstand, und damit alle Lebensverhältnisse, unter denen das Volk früher eingehaust war, gelten nicht mehr.

Schöne neue Weltordnung
ZUR MODE DER STAATSGRÜNDUNGEN UND DEM HERZLICHEN VERSTÄNDNIS, DAS DIE ÖFFENTLICHKEIT DIESEM TREIBEN ENTGEGENBRINGT

Die Macher der Freien Welt dürfen stolz sein auf den Erfolg ihrer 40jährigen Kampagne ‚Freiheit statt Sozialismus‘. Im gesamten ehemaligen Ostblock inklusive Balkan will von Sozialismus kein Schwein mehr etwas wissen, die Freiheit wird tatkräftig genützt.

DER WARSCHAUER PAKT 1945 - 1990 EIN NACHRUF

Mit dem Staatenbündnis des Warschauer Pakts hat die Sowjetunion sich die militärische und politische Basis einer Weltmacht geschaffen. Sie hat der westlichen Kriegsdrohung, die der Abschaffung einer Staatsmacht galt, die sich gegen die imperialistische Weltordnung behauptet hat, eine immerhin so wirksame militärische Drohung entgegengestellt, daß der Krieg, für den ganz Westeuropa aufgerüstet wurde, nicht stattfand.

KOMMUNISMUS TOT?

Die Erleichterung ist groß. Verspürt wird sie fast überall auf der Welt und von den unterschiedlichsten Charakteren.

DIE FRIEDLICHE EROBERUNG DES OSTBLOCKS

Die führenden Parteien Polens und Ungarns haben das Bekenntnis abgelegt, das seit 1918 im Westen als Wahrheit gilt: Sie haben es mit einem nach Menschen- und Staatsrecht untauglichen System versucht. Ihre alte, Sozialismus genannte Art und Weise, Staat zu machen, verdient keine weitere Kritik - sie hat sich unabweislich blamiert: an einer Schuldenakkumulation, die die Zahlungsfähigkeit und ökonomische Handlungsfreiheit der Nation der Zuständigkeit der westlichen Staaten überantwortet hat.

Das sozialistische Lager

"Im Sozialismus erwachen die Nationen zu neuem schöneren Leben, erreichen sie Vollendung... Die nationalen Unterschiede verringern sich immer mehr, bis sich die Nation als Entwicklungsform der bürgerlichen Gesellschalt endgültig überlebt und nur noch die universelle kommunistische Gesellschaft existiert...

DIE POLNISCHE FREIHEITSSTATUE LECH WALESA

Lech Walesa, ehemaliger Anführer eines "heiligen Kampfes für Brot und Freiheit", hat auch vier Jahre nach Verhängung des Kriegsrechts, nach der erfolgreichen Eliminierung seiner Organisation und der konsequenten Indienstnahme ihrer Anhänger durch die Kirche seinen Dienst nicht quittiert. "Vom Sieg der Ideale des August 1980" mehr denn je überzeugt, stellt er die polnische Regierung mindestens einmal die Woche ins moralische Abseits.

KONSTRUKTIVER ANTIIMPERIALISMUS

Die führenden Repräsentanten der kommunistischen und Arbeiterparteien, der Staaten und Regierungen der Mitgliedsländer des RGW sind der Ansicht, daß es notwendig ist, nicht auf die Konfrontation zwischen Staaten unterschiedlicher Gesellschaftsordnung, nicht auf die Errichtung immer neuer Hindernisse in den Beziehungen zwischen ihnen hinzu arbeiten, sondern nach konstruktiven Wegen der Entwicklung friedlicher, stabiler internationaler politischer und ökonomischer Beziehungen unter Berücksichtigung der in der Welt existierenden Realitäten und der Interessen aller Länder zu suchen.

ZUR POLITISCHEN ÖKONOMIE DES REALEN SOZIALISMUS

Der Einfall, einen Sozialismus aufzumachen, ist den Staatsgründern des Ostblocks aufgrund ihrer Kritik am Kapitalismus gekommen. Inwiefern diese Kritik mit der von Marx übereinstimmte und wo nicht, läßt sich durch das Studium beider Abteilungen klären. Wer in bezug auf die Differenzen richtig liegt, auch. Allerdings nicht durch die Ernennung des älteren Kritikers zur unanfechtbaren Berufungsinstanz, sondern durch Prüfung der Argumente.

Die Sowjetunion
SOZIALISMUS ALS WELTMACHT

Solange der Sozialismus brav und bieder daherkommt, solange er in Gestalt einer Vorstellung von einem ebenso gerechten wie harmonischen Miteinander auftritt, läßt ihn die moderne demokratische Welt ein bißchen gelten. Als Ideal von Konkurrenz und Gewalt, mit dem dritten bürgerlichen Grundwert "Solidarität" als Motto, hat er sogar den Rang einer geistigen Tradition erobert, die im bürgerlichen Parteienstreit um die politische Macht genauso zitierfähig ist wie der christliche Glaube. Die Ideen von einer besseren Welt, in der alles abgeschafft ist, was ein moralisches Gemüt so an Härten des Kapitalismus wahrnimmt, gehören zum festen Repertoire bürgerlicher Politik, die in ihrem Programm das Versprechen der Besserung und des Fortschritts nicht missen will.

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