Nationalismus

Schöne neue Weltordnung
ZUR MODE DER STAATSGRÜNDUNGEN UND DEM HERZLICHEN VERSTÄNDNIS, DAS DIE ÖFFENTLICHKEIT DIESEM TREIBEN ENTGEGENBRINGT

Die Macher der Freien Welt dürfen stolz sein auf den Erfolg ihrer 40jährigen Kampagne ‚Freiheit statt Sozialismus‘. Im gesamten ehemaligen Ostblock inklusive Balkan will von Sozialismus kein Schwein mehr etwas wissen, die Freiheit wird tatkräftig genützt.

SELBSTBESTIMMUNGSRECHT

Die Anschauung, all die wechselvollen Geschicke, die Nationen bei der mehr oder weniger erfolgreichen Durchsetzung ihrer Anliegen so erfahren, seien im Grunde von ihren Völkern in Auftrag gegeben und auf den Weg gebracht worden, ist ungefähr genauso alt wie das staatliche Herrschertum, welches nicht mehr von Gottes, sondern von Volkes Gnaden kommen soll. Gegenwärtig lebt der Mythos von den Völkern, die in Gestalt von Nationen ihren "geschichtlichen Gang " gehen sollen, in der Interpretation auf, wonach der Umsturz der Machtverhältnisse im ehemaligen Ostblock seinen Grund in den diesbezüglichen Drangsalen der dortigen Völkerschaften hätte: Die hätten sich auf eine neue Kursbestimmung geeinigt und alles Nötige in die Wege geleitet, damit ihre Staaten diese auch vollziehen.

Sowjetunion
EIN PAAR BEMERKUNGEN ZUM NATIONALITÄTENSTREIT IM KAUKASUS

Laut Feindbild von vorgestern hätte es das eigentlich gar nicht geben dürfen, daß sich Sowjetbürger wegen nationaler Unterschiede die Köpfe einschlagen. Man hat doch jahrelang versichert bekommen, daß der Totalitarismus diese zutiefst menschlichen Gefühle ausrottet.

ZEITGEIST

Seine Gedanken einfach dem "Zeitgeist" zuschlagen, mag so leicht niemand. Wer läßt sich schon gerne nachsagen, unkritisch einer "weitverbreiteten Stimmungslage" zu erliegen oder gar bloß "modisches" Gedankengut zu vertreten?

Der ganz normale Nationalismus
VON DEN UNERSCHÖPFLICHEN CHANCEN, SICH ALS GUTER DEUTSCHER AUFZUFÜHREN

Das Selbstbewußtsein, Deutscher und als Deutscher einiges wert zu sein, ist schwer in Mode. Vom gestiegenen Ansehen deutscher Politiker bei den restlichen hohen Herren dieser Welt; von liebsamen und vor allem unliebsamen Ausländern; vom Respekt, den das andere Deutschland der Bundesrepublik einfach schuldig ist; von deutscher Art bei der Bewältigung sämtlicher Restrisiken des politischen Lebens; von deutschem Siegeswillen auf den Center Courts der freien Welt; von Lust und Leid des deutschen Fußballwesens, an dem die Welt immer nicht genesen kann: davon bekommt man täglich überreichlich Kunde.

Erste, zweite und/oder dritte Strophe?
DAS DEUTSCHLANDLIED IST UNTEILBAR!

Unsere nationale Hymne ist wieder schwer ins Gerede gekommen. Nicht, weil sie unseren Politikern oder dem Volk nicht mehr gefiele.

Inländer und Ausländer
DER KLEINE MÖRDERISCHE UNTERSCHIED

Genaugenommen sind von den ca. 5.060.000.000 Erdenbewohnern nicht weniger als 5 Milliarden - Ausländer.

Nationale Gedenkstätte für die Toten der Kriege und der Gewaltherrschaft
DU BIST NICHT UMSONST GEFALLEN

Die Bundesregierung will eine "nationale Gedenkstätte für die Toten der Kriege und der Gewaltherrschaft" in Bonn errichten, um in Deutschland "politische Kultur" zu pflegen:
"Sie erreicht dort ihren Höhepunkt und schönsten Ausdruck, wo sie in der Pflicht und Verantwortung vor den Toten Frieden und Freiheit zwischen Menschen und Völkern stiftet."

Schwarz-rot-goldene Subjektivität
"LIEBEN SIE DEUTSCHLAND?"

Diese Frage ließen sich Persönlichkeiten der bundesdeutschen Elite aus Politik, Wissenschaft und Kultur vor kurzem vorlegen. Die Antworten wurden gesammelt und herausgegeben in einem Buch, das in seinem Untertitel das Programm der Fragestellung verrät: Es geht um "Gefühle zur Lage der Nation" (Piper, 1985), als darum, ein persönliches Verhältnis zur nationalen Gewalt einzunehmen.

DIE NATION UND IHRE "SACHE"

"Gesellschaft" ist nicht mehr modern. Dieser Titel fürs Gegeneinander- und Zusammenwirken der Klassen, für Herrschalt und Konkurrenz, Arbeit und Armut riecht zu sehr nach "kritischer Theorie", betont zu einseitig das Ideal zweckrationalen Funktionierens, kalkuliert mit dem berechnenden Verhältnis einzelner Interessengruppen zum gemeinsamen "großen Ganzen".

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