Jugoslawien

MARSCHALL VON GOTTES GNADEN

"Sie sagen: Tito ist tot! / Nein, nein, nein!

Der jugoslawische Gastarbeiter
EINE "HUMANE SOZIALISTISCHE LÖSUNG"

Die Zeit ist längst vorbei, als die Arbeitssuche im kapitalistischen Ausland noch als "unpatriotischer Akt" verurteilt wurde, weil ein anständiger Jugoslawe nicht auf mehr Verdienst für mehr Ausbeutung woanders zu spekulieren hat, solange das sozialistische Vaterland noch auf seine Brauchbarkeit spekuliert. Seit der großen Außenhandelsreform von 1965, in deren Gefolge zahlreiche Betriebe rationalisiert oder geschlossen wurden, weil sie in der Konkurrenz mit den ausländischen Waren nicht mithalten konnten, und seit dem damit verbundenen sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit sieht recht verstandener Patriotismus anders aus.

Blockfreiheit:
"WIR WOLLEN NICHT VON EINER SEITE ABHÄNGEN"

Noch im Tod beweist Tito die Richtigkeit der Politik der Blockfreiheit, weil sich anläßlich seiner Beerdigung die Häuptlinge der Welt getroffen und natürlich auch miteinander geredet haben (als ob die gegenwärtige Weltlage auf mangelnde Gesprächsmöglichkeiten zurückzuführen sei). Und auf dieser Begräbnisfeier zeigte sich auch wieder die große Bedeutung der Blockfreien: Wer sonst kann sich schon rühmen, mit dem gesamten Westen - von geringen Differenzen abgesehen - ein ungetrübtes Verhältnis zu haben, seit 1978 auch zu China wieder Beziehungen zu pflegen und innerhalb der quantitativ anwachsenden Gruppe der Blockfreien eine Führungsposition zu besitzen, die sich mit weltpolitischen Supershows wie der Durchführung der KSZE-Folgekonferenz in Belgrad und dem jetzigen ‚Arbeitsbegräbnis‘ bezahlt macht.

DAS JUGOSLAWISCHE MODELL

Der Tod des alten Partisanen, der als Präsident der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien zwar nicht mehr die Kluft, aber bei jeder Gelegenheit den Geist der Kampfzeit zur Schau stellte, versammelte mitten in der "Weltkrise" einträchtig die Staatsmänner von Ost und West zum Leichenbegängnis. Aus den Elogen, die dem Marschall mit ins Grab gegeben wurden, sprach mehr als die Höflichkeit unter Kollegen der Machtausübung: Während die Oberhäupter der kapitalistischen Welt auch diesmal nicht das Gefühl haben mußten, beim Anlanden in Belgrad den Boden einer anderen, feindlichen Welt zu betreten, betonten die Staatsrats- und Parteivorsitzenden regierender KPs ihren Respekt vor dem jugoslawischen Weg zum Sozialismus.

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