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Heinrich Böll +
DIE VERSTORBENE EHRE DER BRD

Selten ist die Leiche eines Künstlers so schön wie die von Böll: erfolgreich und dezidiert kritisch war er - mit einem Wort ein Bild deutscher Redlichkeit, und als solches auch dem Ausland - auch und vor allem dem östlichen - gegenüber so gut vorzeigbar. Und zu alledem - was ihn nun auch bei den Rechten angenehm macht - ist er jetzt auch noch tot.

Die Moralwächter der Nation
GOTTES FÜNFTE KOLONNE

Was wäre der Protest in diesem Lande ohne die moralische Schirmherrschaft prominenter Oberchristen wie Gollwitzer, Albertz, Sölle und Konsorten? Ihr auf jeder besseren Unterschriften- oder Rednerliste zu findender Name wiegt fast mehr als das jeweils vertretene Anliegen, denn er bürgt für die "Glaubwürdigkeit" derer, die es teilen.

INTERNATIONALE SPRENGSTOFFPREISE '84

Alle Jahre wieder preist sich der Imperialismus dafür, welch‘ bombige Kultur er hat, und dekoriert seine verdienstvollsten Idioten durch seine skandinavischen Nobel-Komitees in bekannt ausgewogener Manier. Als erstes erhielt

Heinrich Böll, Bild, Bonn, Boenisch
ENTLARVT UND AN DEN PRANGER GESTELLT DURCH DEN IDEELLEN GESAMTSPRACHWART DER DEUTSCHEN NATION

Heinrich Böll hat einen Skandal ausgemacht, der keiner geworden ist: Der ehemalige "Bild"-Chefredakteur Boenisch als Regierungssprecher. Kein Skandal wäre es für Böll gewesen, wenn Boenisch und "Bild" weiter gemeinsam gehetzt hätten; der Skandal ist auch nicht die Regierungspolitik, die Boenisch jetzt vertritt, auch nicht, wie er das macht, sondern ausschließlich, daß e r es tut.

DEUTSCHLAND, DEINE DICHTER!

Deutsche Dichter konnten nicht mehr anders. Sie mußten es hinausschreien, daß nach der Raketenstationierung die Republik im Argen liegt.

Dichter in "geteilter" Nation
EINIGKEIT IM GEIST DURCH FREIHEIT

Das von Stalin dem Historischen Materialismus zugeschriebene Gesetz von der relativen Trägheit des Überbaus gegenüber seiner Basis haben Westdeutschlands Schriftsteller relativiert, indem sie schon Stunden nach der Stunde Null von 1945 anfingen, exklusiv für die erst vier Jahre später aus der Taufe gehobene Bundesrepublik Deutschland zu schreiben. In ihren Werken spiegelten sich auch später getreulich alle politischen Konjunkturen westdeutscher Demokratie ebenso wie die Phasen der Gegnerschaft zum "unfreien Teil" der "geteilten" Nation.

Schriftsteller für den Frieden
DEUTSCHE DICHTER IN DER VERANTWORTUNG

Im April "begegneten" sich in Westberlin 2 Tage lang Literaten aus beiden deutschen Staaten und "diskutierten über den Frieden". Unangefochten von den praktischen Beiträgen der Herren Staatsmänner, die als Chefs der NATO einen Weltfrieden ohne, und das heißt gegen die östlichen Souveränitäten durchzusetzen im Begriffe sind, beriefen sich die Damen und Herrn Dichter auf ihre ganz spezielle "Verantwortlichkeit" in Sachen Friede auf Erden als geistige Repräsentanten der Nation.

Jochen Jung (Hrsg.): Deutschland, Deutschland
ÜBER ALLES IN DER DICHTER WELT

Immer wenn deutschen Untertanen besondere Gefühle für ihre Herrschaft abverlangt werden, weil besondere Opfer anstehen, fühlen sich die Tag- und Nachtwächter der Nation, die Schriftsteller, aufgerufen, ihre Zuständigkeit für solche Gefühle besonders herauszustreichen und so zu tun, als hätten sie, seit Heinrich Heine aus Besorgnis um deutsche Zustände "um den Schlaf gebracht" wurde, kein Auge mehr zugetan.
Der Umstand, daß kein Mensch auf der Welt vom ersten Schrei bis zum letzten Atemzug von Herrschaft ungeschoren bleibt, sowie der Zufall, bei der Geburt ausgerechnet das Licht Deutschlands erblickt zu haben, nötigt in Zeiten nationaler Mobilmachung gegen den Osten 47 Schriftstellern aus der BRD und der DDR lustige Treuebekenntnisse zur Gesamtnation ab.

Franz Alt, Günter Grass und Johano Strasser in Nicaragua
DAS BESSERE DEUTSCHLAND ZU BESUCH

Mit unfehlbarer Sicherheit in der Wahl seiner Gäste hat der Minister für Kultur in Nicaragua - selbst Poet und katholischer Priester ausgerechnet einen kritischen Katholiken, einen SPD-Dichter und einen Alt-Juso aus Deutschland-West zur Besichtigung der Fortschritte der sändinistischen Revolution eingeladen. Und einhellig haben die drei selbsternannten ideellen IWF-Prüfer die Feinfühligkeit seiner Wahl durch ihre Reiseberichte bestätigt: Die sandinistische Revolution - endlich einmal so gesehen, wie sie jeder bessere Deutsche sehen sollte, nämlich als eine Hoffnung nicht nur für die "dritte", sondern zugleich für die gesamte freie Welt.

Dichter betrachten den Regierungswechsel
KAMPF UM DIE GEISTIGE FÜHRUNG

Der Regierungswechsel war noch nicht vollständig abgewickelt, da schwärmte das Feuilleton der "Zeit" schon aus, um den Künstlern, die "1969 die leidenschaftlichen Sympathisanten es politischen Neubeginns" waren, am Ende der "sozialliberalen Ära" folgende aufschlußreiche Fragen vorzulegen:
"Welches Gefühl bewegt Sie in diesem Augenblick?

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