3.Welt

Das "Welt-Hunger-Problem"
GUTE GRÜNDE FÜR HUNGER

Wenn in irgendeiner Ecke des Globus ein paar, ein paar Tausend oder auch einmal ein paar Nullen mehr verhungern, so ist das eine Sache. Eine andere ist es, wenn die Kunde davon über Satellit und in Farbe überall dorthin dringt, wo ein Fernseher oder ein Zeitungskiosk steht.

VON DER ENTWICKLUNGS- ZUR HUNGERHILFE

Daß "Hungerkatastrophen in der 3. Welt" periodisch in die Schlagzeilen rucken, ist einem abgebrühten Mitteleuropäer so geläufig, daß er keinesfalls am Sinn der freiheitlichen Weltwirtschaftsordnung irre wird, in der so etwas an der Tagesordnung ist: Es wird sich schon regeln, und für 5 Mark ist man auch schon einmal dabei.

Entwicklungspolitik
ZWEITER BERICHT ÜBER DEN SÜDEN

Die "Nord-Süd-Kommission" hat ihren zweiten Bericht vorgelegt und darin die neuesten Entwicklungen bei der Behandlung des südlichen Staatenmaterials durch den imperialistischen "Norden" eingearbeitet. Die Leistung dieser jüngsten Leichenschau besteht darin, den alten Entwicklungsidealismus dem alleraktuellsten NATO-Realismus zu akkommodieren.

Rüstungsexporte trotz "Unterwentwicklung?"
GEWALT MIT GESCHÄFT

Das beliebte Gezeter über die Heuchelei südländischer Herrschaften in Sachen Waffenimport hat ebenso wie der anklagende Hinweis auf die individuelle Verrücktheit oder das "Prestigedenken" der betreffenden "Machteliten" einen kleinen Haken: Es wird dabei vornehm darüber hinweggesehen, warum Drittweltherrschaften in schöner Regelmäßigkeit ein Bedürfnis nach Gewaltmitteln entwickeln, was die Staaten unserer Ersten Welt mit diesem Bedürfnis zu tun haben und warum sie es für flotte Geschäfte benützen. Kein Wunder bei Journalisten, die eine Nachrüstung nach der andern und ein Sparprogramm am Volk nach dem andern als die angemessene Politik besprechen - für die eigenen, die richtigen Staaten.

"Hilfe" für die "Dritte Welt"
LINIENTREUE FÜR NÄCHSTENLIEBE

Ausgerechnet die katholischen und evangelischen Hilfswerke "Misereor" und "Brot für die Welt" sowie eine überall in Schulen verwendete Kinderfibel zur "Dritten Welt" sind unter ideologischen Generalverdacht bei der neuen christdemokratischen Führung gefallen.
Die verbreitete Manier, ein eigentliches entwicklungspolitisches Anliegen der Nation hochleben zu lassen, das von der Politik immer nur mehr schlecht als recht oder gar nicht verfolgt würde, diese verständnisvolle Kritik ist dem neuen Minister Warnke (CSU) und seinen Freunden ein Dorn im Auge.

Nationalismus in der "Dritten Welt"
DIE NATION - PROJEKT UND IDEAL EINER SOUVERÄNITÄT VON FREMDEN GNADEN

Wenn die Bundesrepublik Deutschland Olympische Spiele ausrichtet, dann gibt es zwar manches Gemecker über die dafür verpulverten Milliarden - aber nichts davon ist wirklich ernst: außer jeden Zweifel steht für jedermann, daß sich für einen Staat wie die BRD so etwas durchaus gehört. Macht dagegen Indien einige Millionen Rupien für die Veranstaltung Asiatischer Spiele locker, so fühlt sich jeder Beobachter zu nachdrücklichen Mahnungen und Hinweisen berechtigt, wo das viele Geld weit nötiger gewesen wäre; und kaum ein Berichterstatter schenkt sich die sarkastische Aufklärung, daß Sport in Indien als verpönte körperliche Arbeit gilt und deshalb eigentlich überhaupt nicht populär ist - wie sinnlos vergeudet also die schönen Milliardenbeträge!

"Wende" in der Entwicklungspolitik
RADIKALISIERTE ANSPRÜCHE DES BRD-IMPERIALISMUS

"Sicherung echter Blockfreiheit", "die Dritte Welt aus dem Ost-West-Konflikt heraushalten" - so lauteten die Titel für die Entwicklungspolitik der SPD/FDP-Regierung. Heute tönt es aus dem zuständigen Ministerium, daß "die Bonner Entwicklungshilfe künftig stärker an den Interessen der NATO und, besonders in Mittel- und Südamerika, an denen der USA auszurichten" sei.

Entwicklungspolitik
KOLONIALISMUS HEUTE

Die Zahlungsunfähigkeit auch der sogenannten "reichen Entwicklungsländer", die in den diversen Umschuldungsverhandlungen dieses Jahres festgestellt worden ist, hat die Ideologie von der "wechselseitigen Abhängigkeit von Norden und Süden scheinbar bestätigt - allerdings auf andere Weise, als die Nord-Süd-Kommission mit ihrem Gerede vom "wechselseitigen Nutzen" glauben machen wollte.
Die von den Banken der im perialistischen Staaten in die dritte Welt gegebenen Kredite erweisen sich als uneinbringlich; die Bankrotterklärung der betreffenden Staaten ist aber wegen ihrer ruinösen Auswirkung auf den internationalen Kredit und damit auf den Nationalkredit aller imperialistischen Staaten nicht hinnehmbar.

Neues von den Rohstoffmärkten
WAS SICH MIT DEM WELTMARKT ALLES (NICHT) ANSTELLEN LÄSST

Die Quelle des "Reichtums" und damit Grundlage der Kreditwürdigkeit der als eigene Kategorie der Wirtschaftsstatistik geführten "Entwicklungsländer mit Rohstoffquellen" sind die Anteile, die sie aus dem Verkauf der bei ihnen geförderten Rohstoffe erhalten. Ob diese Anteile auf den im Förderland ausgewiesenen Gewinn des abtransportierenden Rohstoffkonzerns berechnet werden oder auf den am Weltmarkt realisierten Preis, weil die betreffenden Länder formell Gewinnung und Export des Zeugs "nationalisiert" haben, spielt dabei für die Höhe dieses Anteils im Resultat eine untergeordnete Rolle.

Entwicklungshilfe
"NEUER REALISMUS"

Kaum stellt der Westen klar, daß er die "3. Welt" noch für anderes als fürs Geschäft benutzen will, Entwicklungshilfe nurmehr als Militärhilfe sinnvoll ist, übt die hiesige Presse Selbstkritik ihrer bisherigen Kommentierung, der Entwicklungspolitik und bekennt sich dazu, endlich zu einem Realismus gefunden zu haben, der der "3.

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