35h-Woche

Tarifpolitik '87: Flexibel wie immer
ENTSCHIEDEN FÜR DIE FREI VERFÜGBARE ARBEITSKRAFT

Jetzt strahlt sie, wieder, die 35-Stunden-Sonne der IG Metall. Jetzt heißt es wieder:

Nach der Tarifrunde
EINE FLEXIBLE GEWERKSCHAFT

Die Unternehmer äußern sich nach erfolgtem Tarifabschluß über dessen Inhalt - niedrige Lohnkosten auf längere Sicht und Arbeitszeit nach Unternehmermaß - ausgesprochen zufrieden, was sie natürlich nicht daran hindert, der Gewerkschaft vorzuwerfen, der vorangegangene Streik habe "der Wirtschaft", also ihnen, unnötigerweise geschadet.
Das nehmen sich deutsche Gewerkschaften tatsächlich als Vorwurf zu Herzen und haben nichts Eiligeres zu tun, als sich öffentlich zu rechtfertigen.

NEUE FREIHEITEN FÜR UNTERNEHMER - VOM DGB ERKÄMPFT

Das Ergebnis der diesjährigen Tarifrunde, des längsten und härtesten Arbeitskampfs seit Bestehen der Republik, ist durch zwei Stichworte hinreichend gekennzeichnet: Flexibilisierung der Arbeitszeit und Lohnpause. Damit wurden die fortschrittlichsten Unternehmerwünsche erfüllt.

"Vermittlung und "besondere Schlichtung" im Arbeitskampf bei der Druck- und Metallindustrie
EIN ERBÄRMLICHES ENDE

Nachdem sie sich in der Sache nicht geeinigt haben, haben Unternehmerverband und Gewerkschaft sich auf einen "Vermittler" - Biedenkopf für die Drucker - bzw. "Schlichter" - Leber für die Metaller - geeinigt.

ZWEIMAL RECHT AUF ARBEIT

Die Unternehmer weiten den Arbeitskampf offensiv aus. Sie haben die Gitter vor ihren Fabriken heruntergelassen.

DER ARBEITSKAMPF DER STREIKUNWILLIGEN

Das einzig anerkannte Streikziel: Mitgliederbetrug

"Wir brauchen jetzt eine starke, unabhängige Persönlichkeit, die einen Weg aufzeigt, den beide Tarifparteien ohne
Gesichtsverlust gehen können. Jede muß die Möglichkeit haben, am Ende vor ihren Mitgliedern als Sieger dazustehen." (H. W.,
die publikumsnahe Verkörperung dessen, was in der BRD als gesunder Menschenverstand gilt, in dem Reklameblättchen
‚Wochenspiegel' vom 21. Mai.)

Ein Jahrhundertprogramm wird wahr
TOTALE GLEITZEIT NACH WUNSCH DER UNTERNEHMER

Das Wunschbild dieses Mannes ist längst Wirklichkeit geworden im Arbeitsalltag unserer schönen Republik. Kaum hatte die IG Metall ihre Forderung nach der 35-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich aufs Tapet gebracht, ging bei den Unternehmern die Empörung los: Nicht machbar!

Die Tarifrunde in der "heißen Phase"
DIE GEWERKSCHAFT KÄMPFT UM IHRE GLAUBWÜRDIGKEIT

Die Tarifrunde tritt nun in ihre "heiße Phase". So heißt es zumindest - doch die in den Zeitungen vermeldeten Aktionen erwecken eher den Eindruck, daß es da lauwarm bis stark unterkühlt zugeht.

Tarifrunde 84
DER JAHRHUNDERTSCHWINDEL DES DGB

ist einer der härtesten Angriffe auf die unternehmerische Kalkulation mit Lohn und Leistung. Zu Recht beschweren sich Kapitalistenverbände, daß mit einer solchen Forderung nicht nur eine völlig aus dem Rahmen der letzten Lohnsenkungsreden fallende Lohnerhöhung gefordert wird - 14% mehr Kosten pro Stunde rechnen sie für die "35 -Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich" aus -; auch die Unternehmerfreiheit wird bestritten, bei feststehendem Lohn über Leistung und Arbeitszeit zu bestimmen.

4 x IG Metall gegen Überstunden
GLEICHE ARBEIT UND ARMUT FÜR ALLE

Angenommen, es wäre so, daß der Lohn reicht, um von ihm flott und ordentlich leben zu können - was wäre da wohl die Antwort auf betriebliche "Angebote" an Überstunden und Mehrarbeit? Ungefähr: "Vielen Dank, kein Bedarf!"

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