Öffentlichkeit

Deutsche Boykott-Ideologien
ALLES GANZ MATT

Dem aufgeweckten politischen Leser teilen die Zeitungen beunruhigende Nachrichten mit. "Nur noch eine Signalwirkung" sollen die neuesten, von der EG beschlossenen Wirtschaftssanktionen gegen die Sowjetunion und Polen haben.

Polen
FREIHEITLICH GEMUSTERT

Ausländische Staaten werden nicht nach den politologischen Idealen von Freiheit, Gleichheit und Demokratie gemustert, auch nicht nach den praktischen Umgangsformen demokratischer Herrschaft, sondern nach den Ansprüchen an eine für die eigenen Interessen brauchbare stabile Herrschaft. Wenn der Einsatz von Gewalt gegen das Volk das Kriterium wäre, man käme aus dem Verurteilen nicht heraus.

Falkland/Malvinas
ZUR UNZEIT AUF DEN FALSCHEN ZURÜCKGESCHOSSEN

"The next of kin have been informed."

Falkland-Presseschau
KRITISCHE SOLIDARITÄT MIT DEM KRIEG

Es ist nichts Neues, daß in den gemütlichen Wohnstuben des Freien Westens in regelmäßigen Abständen der beleuchtete Globus in Gang gesetzt wird zwecks Lokalisierung des neuen "Konfliktherds". So gesehen hat jeder nationale Idiot seinen Horizont in den letzten Jahren beträchtlich erweitern können. Beim neuesten Gemetzel allerdings beschränkt sich die Bereicherung nicht bloß auf geographische Kenntnisse: Jeder darf mit Herz und Verstand dabei sein und mitmachen beim strategischen Nachdenken übers Schiffeversenken und die Erfolge der Kriegsgegner auf seinem Globus mit bunten Fähnchen markieren: das Spielmaterial liefert eine sach- und detailverliebte Presse.

Fachleute zum Falkland-Krieg
WISSENSCHAFT ODER WAHNSINN?

Die ARD woflte dem "Wahnsinn" im Südatlantik endlich wissenschaftlich auf die Sprünge kommen und veranstaltete ein "Planspiel um den Falklandkonflikt" unter dem Titel "Krisenmanagement oder Krieg?"
Einen Tag lang durften Professoren und Studenten sich in die Rollen der Mächtigen versetzen und so tun, als hätten sie eine aus dem Nichts emporgetauchte "Krise" zu "managen".

Die freie Meinung zu Polen

Daß alle Welt von Polen redet, hat einen einfachen politischen Grund: Die NATO-Staaten haben beschlossen, die polnischen Verhältnisse fürs eigene weltpolitische Interesse zu nutzen, und das macht eine Weltkrise aus. Wo die westlichen Politiker bekanntgeben, daß sie in Polen keine Herrschaft dulden werden, die nicht ihren Segen hat, regieren sie flott in den sowjetischen Machtbereich hinein, stellen ihn unter dem Stichwort ‚Jalta‘ sogar explizit in Frage: Ist die 1945 festgelegte Abgrenzung einer westlichen und einer sowjetischen Einflußsphäre in Europä heute noch zu halten?

Armut in den USA
WAS MAN IN DER BRD DAMIT ALLES ANFANGEN KANN

Die deutschen Meinungsmacher haben ihr Herz fürs Elend entdeckt; und gleich finden sie Leute wie Alice Fisher - "46, geschieden, 4 Kinder, Fürsorgeempfängerin" - oder Karen Jerry - "29jährige Farbige, 4 Kinder, Fürsorgeempfängerin mit Hungerlohn und staatlichen Zuschüssen, zukünftig Wohlfahrtsempfängerin" (Spiegel, Stern) - als Bebilderung für Hunger und Elend ausgerechnet im reichsten Land der Welt.
Damit wollen sie aber nicht einfach gesagt haben, daß es gemein ist, wie drüben Reichtum und Armut so gut zusammengehen.

Karikaturisten
MIT DEM GRIFFEL IN DER HAND...

Einverständnis mit den Taten der Politik(er) war schon immer die Basis bzw. das Ziel von Karikaturen in demokratischen Blättern.

Phillipinen-Presseschau
ASPEKTE EINER TROPENWELT

Die Verheißung, daß der Papst im Februar auf den Philippinen predigen will, bescherte diesen fernen Inseln gegenwärtig mehr journalistisches Interesse, als ihnen normalerweise in 5 Jahren zuteil wird. Die "Süddeutsche Zeitung" illustrierte durch einen eigens nach Manila abkommandierten Hintergrundberichterstatter, eine ASEAN-Wirtschaftsbeilage und ein Fernreiseangebot die Handvoll Urteile, die einem gebildeten Bürger zu so einer Weltgegend anstehen.

Bundespresseschau
FÜR DIE FREIHEIT SCHREIBEN SIE ALLE

Wenn ein ostdeutscher Journalist dem von Westschreibern bedrohlich befragten olympischen Pressechef seiner Besatzungsmacht hilfreich beispringt, indem er sich fünf Tage nach der Eröffnungsfeier immer noch für selbige freut und bedankt, dann geht einem Angehörigen der freien Presse Westdeutschlands das Schimpfwort "Journaille" locker von den Lippen. Allerdings zeiht er damit seinen Kollegen keinesfalls der Schwanzwedelei des Geistes vor der Macht - darauf versteht er sich selbst recht gut.

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