ZUR SEXUALPATHOLOGIE DER BUNDESWEHR

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Dieser Artikel ist in der MSZ 2-1984 erschienen.
Systematik: 

ZUR SEXUALPATHOLOGIE DER BUNDESWEHR

1

"Nach der Faustregel, wonach fünf Prozent der männlichen Bevölkerung als schwul zu gelten haben, dürften rund 25.000 der insgesamt 495.000 Bundeswehrsoldaten homoerotisch veranlagt sein. Sexualwissenschaftler glauben sogar, daß die Zahl in den Streitkräften bei weit über 50.000 liegt - gerade in Kasernen oder in Gefängnissen sind sexuelle Kontakte unter Männern häufiger als im Schnitt der Bevölkerung!" (Der Spiegel). Ein gigantisches Sicherheitsrisiko?

2

Nein, denn in der Regel sind die jungen Männer der demokratischen Wehrmacht erpreßbar nur durch den Staat, der sie in Kasernen einsperrt, und durch ihre Vorgesetzten, die sie ausbilden, zum Töten. Auf engstem Raum mit jungen Geschlechtsgenossen 18 Monate zusammengepfercht in gemeinsamen "Schlafzimmern", das erregt keinen Verdacht, wie die Dienstfahrten des Generals Kießling mit seinem Chauffeur. Nein, das fördert die Kameradschaft.

3

"Süß und ehrenvoll ist es, für das Vaterland zu sterben!" behaupteten schon die alten Römer, und die neue deutsche Republik hat kein einziges Kriegerdenkmal niedergerissen, weil es dieser Maxime frönt. Nekrophilie oder Lust am Sterben? Nein, denn das Vaterland ist ein erlaubtes und aus öffentlichen Mitteln gefördertes "Lustobjekt". Selbst die öffentlich zur Schau gestellte Liebe zu ihm, die nicht erst der MAD aufdecken muß, gefährdet nicht die Sicherheit der Armee. Das Risiko trägt hier allein der Soldat.

4

"Die Braut des Soldaten ist das Gewehr", als Spruch zwar in der "inneren Führung" der demokratischen Bundeswehrmacht nicht mehr gepflegt, aber bereits in der Grundausbildung wird dem Wehrpflichtigen die Pflege seines Schießgeräts ans Herz gedrillt. Fetischismus? Nein, sondern sicheres Indiz für den hohen Ausbildungsstand und die Gefechtsbereitschaft der Truppe.

5

Um diese bei jungen Leuten herzustellen, die von ihren Ausbildern als "Saftsäcke", "Lahmärsche" und "Arschficker" in Empfang genommen werden, gehört das "Auf! Nieder!" des Unteroffiziers ebenso zur Tagesordnung wie der 24-Stunden-Gewaltmarsch. Sadismus ist das nicht, weil die "Quälung des Partners" nicht der "Lustbefriedigung" dient; zumindest wird sie nicht deshalb veranstaltet. Die Qual entspringt einem politischen Auftrag und dient der "Verteidigung der Freiheit". Die Gequälten befriedigen auch nicht ihren Masochismus, sondern gehorchen Befehlen ihrer Vorgesetzten.

6

Für herausragende Leistungen im bewaffneten Kampf fürs Vaterland gibt es Schmuckstücke, die an der Uniformjacke zu tragen sind. Für solche Verzierungen der eigenen Person nehmen die verdienstvollsten Mitglieder der Armee keine Rücksicht auf das eigene Leben, auf das fremde auftragsgemäß sowieso nicht. Nicht Narzißmus treibt einen Mann bis zum Vier-Sterne-General, sondern die Ehre. Er sucht sie auf dem Schlachtfeld und bei der Vorbereitung desselben.

7

Pervers ist das alles nicht, sondern stinknormal auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Einem stellvertretenden NATO-Oberbefehlshaber kann es nicht die Karriere versauen, wenn er das Leben von Millionen aufs Spiel setzt: "Mit sich selber spielen" darf er allerdings nicht. Männer töten ist nicht nur erlaubt, dafür bzw. für die Vorbereitung einer möglichst effektiven Durchführung dieses Geschäfts wird er bezahlt, mit Geld und mit seiner Offiziersehre. Mit Männern vögeln macht ihn untragbar.

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Ein tiefsitzender Wehrgedanke denkt auch bei einem vielleicht schwulen General nur an das eine: Bleibt die Wehrmacht intakt. Verdrängung?