WELTWEITER DIENST AN DER WELTHERRSCHAFT

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Dieser Artikel ist in der MSZ 1-1984 erschienen.

Kursanstieg des Dollar
WELTWEITER DIENST AN DER WELTHERRSCHAFT

- Das Land weist in seiner Handels- und erst recht in seiner Zahlungsbilanz seit Jahren riesige und wachsende Defizite auf - für jede andere Nation Grund genug für Währungsverfall, Zahlungskrise, Kreditsperre - der Dollar dagegen steigt.

- Das Land akkumuliert Staatsschulden in noch nie dagewesener Höhe und finanziert damit vollständig unproduktive Rüstungsgüter - für jeden anderen Staat längst der hinreichende Grund für Staatsbankrott, Währungskrise, Verlust der internationalen Zahlungsfähigkeit - der Dollar steigt.

- Das Land leiht sich Geld in der ganzen Welt, zahlt Rekordzinsen, die es durch neue Anleihen in aller Welt begleicht für jede andere Volkswirtschaft der geradeste Weg zum Ruin, zuallererst zum rapiden Verfall des nationalen Geschäftsmittels der Dollar steigt.

- Das Land wird von seiner Regierung in eine Kriegsaktion nach der anderen verwickelt und in einen rüstungsdiplomatischen Quasi-Krieg mit der feindlichen "Supermacht" hineinmanövriert - sonst Anlässe übergenug für eine "Panik" der Geschäftswelt nach der anderen, "Flucht" aus dem gesetzlichen Zahlungsmittel, galoppierende Geldentwertung - der Dollar steigt.

Inzwischen an die 2,80 DM. Freihändig nach dem Dezimalsystem erfundene "Schallmauern" werden serienweise durchbrochen. "Unaufhaltsam" ist des Dollars "Höhenflug"; nur noch hartgesottene Nationalisten europäischen Bekenntnisses prophezeien ihm in hoffnungsvoller Schadenfreude einen jähen Absturz und ein Ende mit Schrecken.

In jeder Hinsicht "ungerecht" geht es eben zu in der schönen Welt von Geschäft und Gewalt: Wer hat, dem wird noch gegeben; und wer die Welt beherrscht, hat auch noch seinen Nutzen davon, sogar von seinen Unkosten. Und wo Unkosten sich lohnen, da ist die Herrschaft stabil. Die harten Zwangsgesetze der weltweit organisierten kapitalistischen Konkurrenz belohnen Erfolg und Reichtum; die Sünde des Mißerfolgs wird so fort bestraft.

- Der Dollar ist dank vergangener amerikanischer Geschäfts- und Kriegserfolge zu dem Geld geworden, in dem die Geschäftswelt sämtlicher Nationen in letzter Instanz ihre Mißerfolge bilanziert, ihren Erfolg bemißt, ihren Reichtum in angemessener, nämlich bedingungslos verwendbarer Form besitzt. Also ist er auch der "Schlüssel" zur Benutzung jeglichen Reichtums dieser Welt; seine Kaufkraft ist unwiderstehlich.

- Aus demselben Grund hat die Staatsgewalt, die den Dollar garantiert und über ihn als ihr gesetzliches Zahlungsmittel verfügt, stets weltweit soviel Kredit, wie sie sich nimmt. Daß die mit Zahlungsversprechen zusammengekaufte Aufrüstung ganz und gar unproduktiv ist, beschränkt diese Kreditwürdigkeit überhaupt nicht. Denn diese Zahlungsversprechen sind durch den Reichtum der gesamten Geschäftswelt gedeckt - der "Kapitalfluß" in die USA hinein ist der praktische Beweis!

- Die Schulden, die das Heimatland des Dollar macht, sind der Stoff, aus dem die Geschäfte der "Weltwirtschaft" gemacht sind. Ihre hemmungslose Vermehrung, vorangetrieben durch hohe Zinsraten, stimmt die Geschäftswelt daher nicht skeptisch, sondern froh. Ihre Skepsis gilt eher den anderen nationalen Währungen, die sie eintauschen, um an der wunderbaren Vermehrung von Dollarschulden der USA teilzuhaben. Der Wert aller anderen Kreditzeichen sinkt - gemessen am Dollar: ein Grund mehr, jedes flüssige Geld im Dollar seine unverwüstlichste Form annehmen zu lassen.

- Und nicht nur die beste Kapitalanlage sind die Dollarschulden der US-Regierung: Die Verwendung dieser Schulden für Ehre und Erfolg in der Konkurrenz der Gewaltapparate garantiert zugleich, daß sie die sicherste Kapitalanlage sind. Dieser geschäftsfördernde Vergleich kann durch seine praktische Erprobung nur gewinnen. Sehr folgerichtig notieren die Wirtschaftsblätter an jedem Mittwoch im "heißen Herbst" 1983: "Politische Spannungen in Nahost (in der Karibik; in Genf...) haben auch am Dienstag für einen festen Dollarkurs an den internationalen Devisenmärkten gesorgt."

Irgendwo müssen sich da logischerweise ökonomische Schäden und Nachteile akkumulieren. Der Reichtum, den die US-Regierung mit ihrer globalen Schuldenpolitik an sich zieht, geht natürlich anderswo ab.

Solange diese Sorte Reichtumsschöpfung durch Schuldenmachen klappt, ist das eben der kleine Unterschied, auf den alles ankommt in der Welt des freiheitlichen Kapitalverkehrs und seiner militärisch sichergestellten Verkehrsordnung...