VON DER "VERDECKTEN ARBEITSLOSIGKEIT" ZUM OFFENEN ARBEITSDIENST

Info
Dieser Artikel ist in der MSZ 2-1991 erschienen.

VON DER "VERDECKTEN ARBEITSLOSIGKEIT" ZUM OFFENEN ARBEITSDIENST

"Es ist in der Tat hierzulande schwer jemanden zu erklären, warum auf der einen Seite sich die Probleme zu Bergen türmen, warum ganze Landstriche in Umweltagonie dahinsiechen, und auf der anderen Seite Millionen Menschen die Hände in den Schoß legen müssen, anstatt diese Probleme anzupacken..."

Und wie ist das zu erklären? Nicht dadurch, daß im Kapitalismus "Millionen Menschen" daran gehindert werden, sich um ihren Lebensunterhalt zu kümmern, weil nur dannn gearbeitet werden darf, weil man nur dann von Arbeit leben kann, wenn damit ein Geschäft zu machen geht. Es verhält sich vielmehr so, daß die Probleme nicht angepackt werden, weil die Bundesanstalt Arbeitslosen glatt für Nichtstun Geld gibt.

"Wo ist eigentlich Heinrich Franke? Die Bundesanstalt für Arbeit verteilt das Geld an das ständig wachsende Arbeitslosenheer, so wie dies hier schon jahrzehntelang der Bracuh ist... Warum soll eine Gemeinde nicht von jedem Arbeitslosen, den sie rekrutiert, für eine bestimmte Frist jenen Betrag bezahlt bekommen, der andernfalls fürs Nichtstun ausgegeben wird?" (Helmut Maier-Mannhart, SZ, 2.3.)

Dieser Erklärer schwieriger Fragen wird schon meinen, daß die Gemeinde dann auch dem Arbeitslosen ein bißchen Geld gibt, damit er davon leben kann. Fürs Verhungern-Lassen wegen Nichtstun plädiert er jedenfalls nicht direkt. Das hält er aber offensichtlich für das Belangloseste an der ganzen Frage. Dem guten Mann will bei der Besichtigung der Opfer des Kapitalismus einfach nicht einleuchten, daß diese Kreaturen zu überhaupt nichts gut sein sollen. Von daher landet er schnurstracks bei dem Einfall, daß sie für ein paar Almosen die Ex-DDR so herrichten, daß es dereinst auch das Kapital rüberzieht.