Tonstörung in MSZ Nr. 12/85

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Dieser Artikel ist in der MSZ 1-1986 erschienen.
Systematik: 

Korrespondenz
Tonstörung in MSZ Nr. 12/85

Werte Freunde,

als geneigter Leser Eurer Publikation "MSZ" und Sympathisant Eurer Umtriebe möchte ich Euch auf einen Irrtum hinweisen, der Euch im Übereifer bzw Eifer des gefechts in der MSZ 12/85, S. 40 (Artikel über Radio Moskau) unterlaufen ist. Als Radiotechniker muß ich sagen, daß ihr die Sache nicht verstanden habt, was bei irgendwelchen Lesern den Eindruck peinlicher Stümperhaftigkeit oder absichtlicher Verdrehung von Tatsachen für politische Zwecke hervorrufen könnte oder schlichtweg lächerlich wirken könnte. Und solche Ausrutscher sollten Euer erstklassiges Periodikum nicht entwerten.

Zur Sache:

Radios, v.a. "bessere", werden oft nicht nur zum Empfang von Radiowellen (Hochfrequenz) verwendet, sondern auch als Verstärker für Plattenspieler, Tonband etc. (Niederfrequenz, Tonfrequenz).

Dafür hat so ein Radio je einen "Eingang". Über den einen sollen nur die Radiowellen hereinkommen (A), über den anderen nur die Tonfrequenzen (B). Im Radio werden sie dann je nachdem "verarbeitet". Nun ist der Eingang für den Plattenspieler etc. sehr empfindlich, denn er muß ja die recht schwachen Tonsignale vom Plattenspieler verarbeiten. Es kann nun passieren, daß auch Radiowellen diesen Eingang B "benutzen", wofür er ja nicht vorgesehen ist, sie stören dort also. Man hört dann, wenn man das Radio auf "Plattenspieler" gestellt hat, im "Hintergrund" Rundfunksender, allerdings nur ganz starke. Wahrscheinlich kennt ihr das. Um zu verhindern, daß Radiowellen in den Eingang B, also den falschen, "eindringen", kann man dort einen Kondensator anbringen. Er wirkt wie ein Tor: Er läßt die Tonfrequenzen (Plattenspieler etc.) passieren, nicht jedoch die hier störenden, also unerwünschten, Radiowellen. "Unerwünschter Empfang von Radio Moskau" ist hier also eine rein technische Kategorie und hat nichts mit politischen/ideologischen Gründen zu tun: Das "technische" Eindringen von Radio Moskau durch den falschen sollte verhindert werden, damit der Musikgenuß vom Plattenspieler her nicht getrübt wird. Wenn es an dieser geschichte einen "ideologischen" Moment gibt, dann den, daß den sachlichen und ach so wertneutralen Technikern bei diesen Sendern, die im falschen Eingang stören, immer ausgerechnet Radio Moskau einfällt.

Schönen Gruß und weiter so!

Der zuständige HiFi-Freak in der MSZ-Redaktion ist bereits entsprechend gewürgt worden.