TOD EINER PRINZESSIN

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Dieser Artikel ist in der MSZ 3-1980 erschienen.
Systematik: 

TOD EINER PRINZESSIN

Schwere internationale Krise! Die westliche Ölversorgung steht vor dem Zusammenbruch: Scheichs wollen den Ölhahn zudrehen. Gegen arabischen Einspruch führen westliche Staaten den Tod einer arabischen Prinzessin im Fernsehen auf.

Das saudi-arabische Königshaus, ansonsten fortschrittlichen Gepflogenheiten nicht abhold - nicht umsonst halten sich an die 100 Prinzessinnen und Prinzen im nebligen England auf - hatte die Affäre einer arabischen Prinzessin mit dem Vetter eines saudischen Diplomaten von der orthodoxen Seite genommen und den Beweis angetreten, daß einer Frau im Orient noch lange nicht alles erlaubt ist, insbesondere wenn sie die Ungeschicklichkeit besitzt, mit ihrem niedergestellten Liebhaber in die Heimat zurückzukehren, und hatte beide in Dschidda öffentlich hingerichtet. Die Einschätzung, daß die Enthauptung des standesunwürdigen Mackers und die Erschießung der Prinzessin mehr für heimisches Publikum gedacht war und die Aufführung im westlichen Fernsehen als Affront ausgelegt werden kann, ist ja nicht ganz falsch. Aber liebe Prinzen, wo kämen denn die Amis hin, wenn sie gegen jeden kritischen Western im Ausland intervenieren würden. Ihr müßt doch auch die Fernsehfritzen verstehen, die ihrem Publikum etwas bieten wollen, und das will eben wissen, wie Ihr das so macht daheim. Die Machtausübung ist heutzutage ohne ein gewisses neugieriges Interesse nicht mehr zu bekommen. Insofern seid Ihr noch etwas rückständig und es geschieht Euch ganz recht, wenn ein amerikanisches Gericht ein Verbot der Ausstrahlung des Films unterbindet, weil im Westen gibt es Pressefreiheit. Mit den deutschen obersten Programmgestaltern scheint Ihr Euch allerdings zu verstehen. Die fanden den Film langweilig, wahrscheinlich, weil Ihr ihnen zwei Huris übersandt habt.