SPRÜCHE UND WIDERSPRÜCHE

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Dieser Artikel ist in der MSZ 3-1981 erschienen.

SPRÜCHE UND WIDERSPRÜCHE

Ene deutschnationale Front

bislang unbekannter Breite wittern die Rechtsintellektuellen in der neofaschistischen Szene der BRD, die sich in der Zeitschrift "MUT - Das nationaleuropäische Magazin" ein Diskussionsforum geschaffen haben. In Nr. 165/Mai 1981 auf S. 12 ff. konstatieren sie zunächst erfreut, daß der Antikommunismus mittlerweile auch alternativ zu haben ist, denn

"Diese 'alternative' Bewegung strebt bekanntlich einen Wertwandel herbei, die Überwindung eines materialistischen Gesellschaftssystems, den Aufbau einer Menschengemeinschaft, in der das Ethos einer immateriellen Lebensqualität an die Stelle des Haben-Fetischismus tritt."

Mit Genugtuung wird dann festgestellt, daß

"die Negation der überragenden Bedeutung des nationalen Problems"

nicht mehr typisch fur Linke ist:

"Ausgenommen von dieser Kritik sind gewisse Teile der Neuen Linken, die das gesamtdeutsche Erbe der 68er Alternativbewegung (?) pflegen, die 'Dutschkisten'. Jüngster Beweis für einen selbstkritischen Wandlungsprozeß ist das Buch von Peter Brandt und Herbert Ammon 'Die Linke und die nationale Frage...' Partiell zählen dazu emigrierte 'DDR'-Dissidenten, das Sozialistische Büro (SB) und Mitarbeiter des inzwischen eingegangenen Diskussionsforums 'Der Lange Marsch', Berlin."

Bedauerlich für die Völkischen nur, daß ein "nicht unbeträchtlicher Teil der Neuen Linken" da nicht mitzieht:

"Jüngster Beweis: Die II. Sozialistische Konferenz in Marburg... nicht nur, daß die Mitglieder der orthodoxen Marxistischen Gruppen (MG) auf typisch bolschewistische Art den Auszug von über tausend 'alternativen' Konferenzteilnehmern erzwangen. Das Beschämende, politisch Verhängnisvolle bestand darin, daß die MG-Radikalinskis den Veranstaltern um Rudolf Bahro den Vorwurf machten, sie hätten, indem sie in bundesweit geführte Diskussionen über die deutsche Frage eingestiegen wären, dem 'Nationalismus' Tür und Tor geöffnet."

Fur die Konferenrsozialisten also eine günstige Gelegenheit, die durchs Ausscheiden der MG geschmälerte Bandbreite ihres "Diskussionsspektrums" mit ganz frischen Kräften aufzufüllen.

St. Florian von der DKP

"Heili'ger St. Florian / verschon mein Haus / zünd andre an!" (Volksmund)

"'Gegen Rüstung und Atom! Marburg kann nur im Frieden blühen!' Diese Forderung steht am Anfang der kommunistischen Vorstellungen der DKP."

"Wir werden uns mit aller Kraft dafür einsetzen, daß die Atomsprengköpfe aus der Umgebung unserer Stadt verschwinden." (in: DKP-Flugblatt zu den Kommunalwahlen in Marburg, Februar 1981)

Fortbewegung auf dem Wasser

"Dieser Kurs soll im Gegensatz zu herkömmlichen Surfkursen einen Überblick über verschiedene Wassersportarten (Kanu, Kajak, Windsurfen, Segeln) geben und versuchen, die gemeinsamen Strukturen der Wassersportarten kennenzulernen. Dabei werden wir uns mit dem Prinzip der Fortbewegung exemplarlsch beschäftigen."

(aus: Prospekt "AStA Sommer-Reisen", mit denen der AStA Uni-Hamburg Studenten "befähigen" will, "Sport selbständig und kritisch auch unter anspruchsvolleren Geländebedingungen - Wasser, Gebirge - zu betreiben.")

Breite Bewegung zum Südpol

"Denn jeder, der nicht die Möglichkeit hat, sich rechtzeitig in die Antarktis abzusetzen, ist von dieser Entwicklung unmittelbar bedroht, bedroht mit seinem Leben. In dieser Breite liegt auch die große Erfolgschance dieser Bewegung..." (aus: "Kommunist" 4/81 der DKP-Hochschulgruppe Marburg, S. 3)

Warum denn gerade im MSB?

"Eigentlich sind wir unseres Lebens recht froh, nur gibt es ein paar Sachen, mit denen wir hier gar nicht einverstanden sind. Also haben wir uns im marxistischen Studentenbund zusammengeschlossen, um gegen all die Dinge zu kämpfen, die uns das Leben so schwer machen."

"Am Sonntag, den 12. April, sind alle recht herzlich bei Elke Großkopf zum gemeinsamen Kochen eingeladen." (Comic und Text in: MSB Spartakus, Erstsemester-Info-Flugblatt vom April 1980)

Die Rolle des Tischs im Klassenkampf

"Für uns ist der Büchertisch nichts als ein Tisch mit unseren Publikationen oben drauf, die jeder Interessierte zu einem angemessenen Preis kaufen kann. Zudem stehen auch immer zwei MGler hinter dem Tisch..."

"Mit Wirkung vom 16.2.1981 hat Unipräsident Kelm alle Büchertische in der Mensa... verboten." "Sollten Frankfurter Studenten von dem hierzulande herrschenden Zeitgeist schon soweit 'geprägt' sein, daß es sie kalt läßt, wenn eine elementare Bedingung linker Politik an der Uni eliminiert wird?" (aus "Frankfurter Hochschulzeituna" der MARXISTISCHEN GRUPPE (MG) vom 7.April 1981, S. 3)

Bildungsökonomie

"Der neue Student ist, schlagwortartig ausgedrückt, Resultat der Einführung der industriellen Produktionsweise an der Uni. Wo lange noch an Qualität orientiertes, sauberes Handwerk vorherrschte, kehrt jetzt die quantitativ orientierte industrielle Gleichgültigkeit der Arbeitskraft gegenüber ihrem Inhalt ein." "Viel früher wird jetzt das Aufschieben und Zurückstellen von Bedürfnissen gelernt: Wo man früher noch Frösche fing und Verschwörungen plante, herrscht heute bereits kapitalistische Zweckrationalität." (aus: "Bunker-Post, In-Fo des FSR WiWi" an der Uni Hambura vom April 1981, S. 4f.)

Neues von der Friedensfront I

"Was wir fordern:... Kürzung der Rüstungsausgaben um sofort 10%!"

"100 DM mehr Wehrsold jetzt!" (Aus: "Wir wollen Frieden." Flugblatt der SDAJ vom April, worin sich auch die bislang schönste antimonopolistische Forderung zum Friedenskampf findet:) "Rüstungskonzerne müssen in Gemeineigentum bei demokratischer Kontrolle überführt werden!"

Neues von der Friedensfront II

"Diese Bafög-Novelle trägt... die unverkennbare Handschrift des Atomraketenministers Apel und der anderen Hochrüstungspolitiker in Bonn."

"Für den 6. Mai sollten wir uns eine knackige Aktion überlegen. Beispielsweise einen 'Bettelmarsch der Studenten' durch die Innenstadt. Dazu werden Kochtöpfe und anderes Geschirr mitgebracht, womit man hervorragend Lärm erzeugen kann." (aus: Flugblatt des MSB Spartakus in Ffm. vom April 1981)

Instant- Besetzung

"45 Minuten lang ein Haus besetzt."

"Die Besetzung war als politischer Akt, weniger als Instandbesetzung zu verstehen, obwohl geplant war, sofort eine Teestube einzurichten... Da das nicht gelang, war die Betroffenheit geringer. Viele waren weniger bereit, ihren Kopf hinzuhalten für diese politischen Forderungen." (aus "Arbeiterkampf" des KB, Nr 201/1981, S. 11)