SPRÜCHE UND WIDERSPRÜCHE

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Dieser Artikel ist in der MSZ 6-1980 erschienen.

SPRÜCHE UND WIDERSPRÜCHE

Zur Klassenlage der Toten

"Man muß nicht versponnen sein, um auch Friedhöfe interessant zu finden."

"Und 1825 wurde es bei den Gräbern der reichen Leute üblich, Apparate einzubauen, mit deren Hilfe sich der 'Scheintote' bemerkbar machen konnte."

"Bezeichnend ist, daß über alle diese Apparate niemals ein 'Scheintoter' sich meldete. Es ging halt den Reichen darum, auch über den Tod hinaus, ihr Klassenprivileg zu betonen. - Ob das heute so völlig anders ist?" (aus: DKP-Wohngebietszeitung "links der Isar", München, November 1980, S. 6 bzw. S. 7)

Großer Bremischer Exorzismus

(Nachfolgend drucken wir entscheidende Passagen aus einem Flugblatt des MSB Spartakus Bremen ab, mit dessen Abfassung die ansonsten eher schlappe Mannschaft wahrscheinlich einen professoralen Schöngeist betraute, weil es den bisherigen Höhepunkt linker Auseinandersetzung mit der MARXISTISCHEN GRUPPE dokumentiert. War die MG in der spartakistischen Polemik bislang "objektiv rechts", so wird diese anscheinend zu blasse Charakterisierung nun mit Sinn und Leben erfüllt. Die MG ist DAS BÖSE schlechthin, ihre Redner DER TEUFEL, die Mitglieder und Sympathisanten sind seine HÖLLISCHEN HEERSCHAREN und ihre Teach-ins SCHWARZE MESSEN. Das Flugblatt erschien am 13. November 1980, noch vor dem Papstbesuch in der BRD.)

"Es gibt im FB 8 einen Hochschullehrer, der sich im Unterschied zu den meisten seiner Kollegen mit der MG, der "murksistischen Gruppe" (Sautermeister), nicht arrangieren möchte nach dem Motto: Laßt mich in Ruhe, dann laß ich euch in Ruhe. Sautermeister zeigte dem autoritären Geheimbund Flagge und gestand öffentlich den Widerwillen, der ihn angesichts der Seminarquälgeister mit den genormten Köpfen befällt. Nun ließ sich Sautermeister darauf ein, an einer schwarzen Messe der MG im Bibliothekssaal argumentierend teilzunehmen. Es ist gewiß ein ehrenwertes Unterfangen, wenn ein Hochschullehrer seine Position verteidigen und seiner Wut gegen professionelle Zyniker Luft machen will, - nur, darf er sich von ebendiesen Priestern des Bösen den Rahmen setzen lassen? Er weiß doch, daß die MG in Wahrheit mit niemandem wirklich diskutieren will, er weiß doch, daß die greisenhaften Pessimisten alles immer schon längst gewußt haben. Im Rausch ihrer autoritären Vereinigung zum kollektiven Genuß von Meisterwerken des Zynismus prickelt ihnen das gemeinsame Besserwissen wie Religion im Kleinhirn, oder wie sonstiges Opium...

Und da der gewöhnliche MGler meist nicht durch Wissen, sondern durch dessen Gegenteil auffällt, bedarf es wöchentlicher Gleichstimmungen im Bibliothekssaal. In der Unio Mystica der hypnotischen Weihestimmung verschwindet der einzelne MGler gänzlich ins Nichts. Wohlig verstummt da das kleine Ich unter der intellektuellen Peitsche des Meisterzynikers, der seine zaubrischen Tiraden prasselnd vorne dartut.

Das meiste, was der Meisterzyniker sagt, ist dumm. Sprache aber und Auftreten dienen dazu, diese Dummheit vor den Zuhorchern als Intelligenz auftanzen zu lassen. - Die Sprache ist suggestiv. Der Redner postuliert eine Kleinigkeit. Obwohl diese Kleinigkeit nicht kleinlich. Daraufhin deduziert der Redner von der Kleinigkeit in schnellen, in gleichförmigem Ton gehaltenen Sätzen, schnelles, stringentes Denken dabei vorspiegelnd. Der Zynismus des Gesagten erschrickt und delektiert den Zuhorcher, er hat keine Zeit, die angeblichen Denkschritte des Meisters zu überprüfen, - es ist so angenehm sich selbst ganz in die Obhut des Führers zu begeben, da ruht das Subjekt und wird flüssig. In den Seminaren hat es genug zu tun, die jungen Studenten sadistisch zu stacheln...

Der ältliche bürgerliche Intellektuelle steht vor dem Nichts. Die Zukunft ist schwarz, das Leben ist kurz, aber nicht die Kunst ist ewig, sondern nur das Übel Gott ist tot, der Teufel waltet als Gott und sein Name ist Staat. Das höchste Erdenglück ist die Erkenntnis, daß es ein solches nicht gibt.

Die MG besitzt keine Utopie. Sie ist sich selbst die einzige Utopie, die sie hat. Deshalb entwickelt sie nicht den geringsten "Vorschein des Zukünftigen" (Bloch), nicht einmal betet sie die Spontaneität an, sie ist ohne Hoffnung, paranoid-hoffnungslos."

Neues China

"Auf der kürzlichen 3. Taeung des V. Nationalen Volkskongresses hieß es, im Zuge der Modernisierung werde die Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität zunehmend dringlicher."

"Handelsminister Wang Lei dinierte oft im Fengzeyuan-Restaurant, wo er sich extravagante Speisen vorsetzen ließ, aber nur die Preise für normales Essen bezahlte. Chen Aiwu, ein nationaler Arbeitsheld, ärgerte sich unbändig darüber. Er beschloß, etwas dagegen zu unternehmen."

"Minister Wang Lei gestand seinen Fehler in einem Selbstkritikbrief an die Disziplinarkommission beim Z.K. Er schrieb zugleich an das Fengzeyuan-Restaurant, daß er die Kritik des Genossen Chen Aiwu akzeptiere und alles nachbezahlen werde."

"Zugleich wurden Vorschriften erlassen, die derartipe Praktiken in Zukunft verhindern sollen." (aus: "Beijing Rundschau", Nr. 44/1980), S. 6 bzw. S. 5)

Solidarität

"Wenn diese Kollegen glauben, Strauß oder die Kriegsgefahr mit der Stimmabgabe verhindern zu können, so sagen wir: wir teilen diesen Glauben nicht, aber wir lassen euch nicht im Stich: wir sind auch gegen Strauß und stimmen mit euch für die Sozialdemokraten." (aus: "Informationsbriefe der Gruppe Arbeiterpolitik" Nr. 7/1980, S. 4)

Volksmassen im Wald

"Per Alarmliste werden 3000 Menschen nachts um 2 Uhr in den Wald mobilisiert. Sie bilden dichte Ketten, über einen Kilometer lang, warten aber vergeblich auf die Polizei."

"Hier zeigt sich, worauf sich die Bewegung der Schüler, die Gewerkschaften wie die Volksmassen überhaupt im Kampf... gefaßt machen müssen. Ihre Forderungen sollen im Gestrüpp des bürgerlichen Staatsapparats gefangen und abgwürgt werden." (aus: "Kommunistische Volkszeitung" des KBW, Nr. 45/1980), S. 1 bzw. S. 10)

Gewerkschaftlich-orientierter Skikurs

"Als zentrale Aufgabe unserer Skikurse betrachten wir die Initiierung von vielseitigen, sportbezogenen Lernprozessen, die für eine zweckmäßige Geländebewältigung und sichere Beherrschung der Ski erforderlich sind. In einem weitgehend selbstbestimmten Unterrichtsrahmen sollen die Teilnehmer befähigt werden, den Skisport selbstständig und kritisch auch unter anspruchsvollen Geländebedingungen zu betreiben. Dabei soll auch das Phänomen des Sports bzw. des Skilaufs in seiner Abhängigkeit zu unseren gesellschaftlichen Gegebenheiten und unserer sozialen Umwelt erhellt und seine Möglichkeiten und Grenzen aufgezeigt werden. Neben dem Ablauf möglichst vieler erfolgreicher Lernprozesse müssen unsere Kurse deshalb auch als ständiges Diskussionsforum der eigenen und fremden Bedürfnisse und ihrer Ursachen sowie sportspezifischer und aktueller gesellschaftlicher Probleme betrachtet werden. Die 'geselligen Abende' werden in diesem Rahmen natürlich nicht zu kurz kommen." (aus: Asta Ski-Info 1, Hamburg Nov. '80, mit Billigangeboten für Skireisen in die Alpen)

Über den Widerspruch in der Praxis

"Die Entwicklung unserer Wahlergebnisse kann man nicht als Gradmesser der politischen Reife der Volksmassen nehmen. Diese hätte sonst im großen und ganzen seit 1976 ständig abgenommen."

"Wenn ein Prozeß mehrere Widersprüche enthält, muß einer von ihnen der Hauptwiderspruch sein, der die führende und entscheidende Rolle spielt, während die übrigen nur eine sekundäre, untergeordnete Stellung einnehmen. Infolgedessen muß man sich beim Studium eines komplizierten Prozesses, der zwei oder noch mehr Widersprüche enthält, die größte Mühe geben, den Hauptwiderspruch herauszufinden. Sobald dieser festgestellt ist, kann man alle Probleme leicht lösen." (aus: "Kommunismus und Klassenkampf" des KBW, Nr. 9/1980, S. 15 bzw. S. 49)