SPRÜCHE UND WIDERSPRÜCHE

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Dieser Artikel ist in der MSZ 2-1982 erschienen.

SPRÜCHE UND WIDERSPRÜCHE

Entlarvt

Die Trotzkistische Liga Deutschlands (!) hat seit einiger Zeit die MG als besonders perfide Variante "der konterrevolutionären Strategie der Sozialdemokratie" auf deutschem Boden ausgemacht. Dabei kommt es unweigerlich zu Blüten der folgenden Art:

"Mit ihrer nationalistischen Position, daß der Kampf nur in den Metropolen geführt werden kann, zieht sie (sc. die MG) sich auf die Psychologie eines sozialdemokrotischen Gewerkschaftsbonzen anno 1890 zurück..."

"So steht die MG trotz allem Kritikastertum fest im Lager der eigenen Bourgeoisie." (aus: "Spartakist", April 1982, S. 3)

Die schönsten Friedensostereier

ausgewählt auf dem zu den Ostermärschen verteilten Schriftgut der Friedensbewegung:

"Dominiert haben bei diesem Ostermarsch" (in Westberlin) "vor allem die Ordner... 'Haut dem Reagan, diesem Geier, seine Raketen um die Ohren' - das sich auf 'Geier' reimende Wort mochten die den Zug anführenden 'Offiziellen' nicht in den Mund nehmen." (aus: "taz " Berlin, 13.4., S. 16)

"In der Nähe von Bielefeld, in Borgolzhausen sind schon heute amerikanische Atomraketen stationiert... Eine Atombombenexplosion über Borgholzhausen würde aber kaum ein Bielefelder überleben... Wir müssen uns beeilen, wenn wir diesen Wahnsinn verhindern wollen... Wir werden das alte Ostermarschlied singen..." (aus: "Friedenszeitung" der Bielefelder Friedensinitiative)

"Wir demonstrieren mit ARBEIT FÜR DEN FRIEDEN. Wir wollen auf dem Gelände des ehemaligen KZ Neuengamme einen Rundgang anlegen, um einen Zugang zu den noch erhaltenen Gebäuden zu schaffen!" (in: Flugblatt des Landesjugendrings Hamburg)

"Deshalb müssen insbesondere wir als zukünftige Berufsschullehrerinnen uns wehren, wenn hier der nächste Atomkrieg nicht stattfinden soll... Handels- und Gewerbelehrerstudenten/innen macht mit, tretet ein für eine friedliche Welt... PAUKER STATT PERSHING!" (in: Flugblatt an der Uni Hamburg)

"Wer den nächsten Krieg verhindern will, muß sich gegen Kriegsvorbereitungen wehren. Unser erster Schritt ist es, auf militärische Anlagen in unserer Nähe aufmerksam zu machen." (in: Fluablatt von DFG/VK, AL u.a. in Westberlin)

Nicht vorenthalten wollen wir unseren Lesern allerdings ein Flugblatt der ÖTV-Jugendgruppe Stadtverwaltung Dortmund. Mit Genugtuung stellen wir fest, daß die weltweite Isolierung der MG noch eine Schwachstelle aufweist. Zitat:

"Wir appellieren nicht an Regierungen oder Politiker, weil die es ja sind, die offensichtlich Interesse an der Rüstung haben, die sich ja auch das Geld dafür besorgen. Wir sammeln auch keine Unterschriften und organisieren keine Demo, weil wir wissen, daß sich die Politiker nicht an solchen Taten stören und das auch gar nicht nötig haben, weil so ein Vorgehen keinen Druck auf sie ausübt. Unsere Forderung kann nur von den Arbeitnehmern durch Ausübung von massivem Druck auf alle für die Rüstung Verantwortlichen durchgesetzt werden."

Leider, liebe ÖTV-Kollegen, wird aus dem "massiuen Druck" nichts werden. Dafür sorgen schon der DGB und die ÖTV.

Friede schöner Götterfunken

"In Hamburg haben sich 50 bis 60 Musikstudenten, Liebhabermusiker und Berufsmusiker zu einem 'Friedensorchester' zusammengefunden, um, wie sie schreiben, auch mit dieser Musik Stellung zu nehmen für den Frieden, gegen die gegenwärtig forcierte Hochrüstung. Dabei werden sie von einem Chor unterstützt. Am Ostermontag wird ein Konzert stattfinden mit Werken von Mozart (Konzert d-moll für Klavier und Orchester KV 466), Beethoven (Egmont-Ouvertüre), Schubert (Sinfonie Nr. 8 h-moll "Unvollendete") und Eisler (Kleine Sinfonie op. 29, Lied über den Frieden)." (aus: "KVZ" des KBW, Nr. 13 vom 2. April 1982, S. 2)

Die "roten blätter"

des MSB Spartakus haben sich ein neues Format gegeben: etwas mehr als DIN A 4. Eine "Leserumfrage" ergab, daß "insgesamt nach mehr Theorie, Kultur und Humor verlangt wird". Nr. 4/1982 willfährt diesem Leserwunsch. Im folgenden drei Zitate als aktuelles Dokument spartakistischer Theorie, für MSB-Kultur und in Sachen Revi-Humor:

"Kurt Hager, Mitglied des Politbüros und Sekretär des ZK der SED, gibt im Schlußwort der V. Hochschulkonferenz der DDR darauf Antwort: 'Wir haben, wenn wir von der Bedeutung der Wissenschaft und Bildung sprechen, nicht nur die Gegenwart im Auge, sondern einen längeren Zeitraum'."

"Also begehrte ich des Nächsten Weib

und sah ihr schwarzes Haar an andern Stellen

Und fühlte meinen Teil verlangend schwellen

und dachte nichts als wie die Lieb uns treib." ("manuskripte", aus einem Gedicht von "Peter Maiwald")

3. "Deutsch für andere. Der ägyptische Staatspräsident Mubarak würde zu deutsch Kuhstall heißen." (aus: "rote blätter" Nr. 4/1982, S. 46, 23 bzw. S. 41)

Der MSZ-Leser wird anhand dieser Stichproben beruhigt feststellen, daß er seine Kenntnisnahme der "roten blätter" auch zukünftig auf die für ihn ausgesuchten Stellen in dieser Rubrik getrost wird beschränken können.