SPRÜCHE UND WIDERSPRÜCHE

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Dieser Artikel ist in der MSZ 2-1980 erschienen.

SPRÜCHE UND WIDERSPRÜCHE

Gesetz rehabilitiert

(Zu welchen Exzessen der Gesetzlosigkeit es unter der Henschaft einer Viererbande kommen kann, enthüllt die "Beijing Rundschau" anläßlich der Wiederindienstnahme des "in der Kulturrevolution zu Unrecht kritisierten" Ökonomen Sun Yefang:)

"Durch langjährige Forschung in Theorie und Praxis gelangt er zu neuen Erkenntnissen über die sozialistische politische Ökonomie... und sagte: 'Es gibt tausend Gesetze, aber das Wichtigste ist das Wertgesetz.'"

"Während der Standpunkt Sun Yefangs über den sozialistischen Gewinn kritisiert wurde, arbeiteten viele Betriebe mit Verlust, denn sie wagten nicht, Profit zu machen." a.a.O., Nr. 13 vom 1. April, S. 25 bzw. S. 26)

Den Schleier gelüftet!

"Ein Genosse der internationalen Spartacist Tendenz bemerkte treffend: '... meine Familie kommt aus Afghanistan. Während des Zweiten Weltkriegs wollten meine Familie und ihre Verwandten und Bekannten nur eine einzige Sache: eine sowjetische Invasion! Und warum? Weil die Frauen im sowjetischen Zentralasien keinen Schleier tragen.'" (in: "Kommunistische Korrespondenz" der Trotzkistischen Liga Deutschlands, Extrablatt vom 14. Februar, S. 4)

Erfolgsbilanz des DGB

"Alles in allem gesehen bleiben die Forderungen der Frauen von 1910 auch die Forderungen der Frauen von 1980." (aus: "Der Gewerkschafter", Nr. 3/1980)

Neue Enthüllungen der "roten blätter"

(Nach der Aufdeckung von Schnüffelpraktiken an westdeutschen Hochschulen durch einen MSB-Schnüffler im Spartakus-Organ nun in der Aprilnummer der "roten blätter" ein weiteres Dokument ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt: das Referat des Vorsitzenden U. Knickrehm vor der "3. Bundesvorstandstagung des MSB Spartakus vom 15./16.3.1980 in Bonn. Wir zitieren:)

"Der neugewählte Bundesvorsitzende" (des RCDS) "nannte als 'Möglichkeiten etwa den Verzicht auf Privilegien wie die Subventionierung des Mensa-Essens.' Damit unterstützt der RCDS unverhüllt die Aufrüstungspolitik der NATO."

"Schärfere Kampfformen nicht ausschließen! Studentenfestival - Protest gegen die Hochschulformierung."

"Wir nehmen unsere Gesprächspartner ernst. Weil es nicht um Überredung, sondern um Überzeugung geht, schließt das ein, daß wir auch zuhören können. Wo wir noch nicht darüber nachgedacht haben, was das vor Ort heißt, offensiver und breiter an die Mitgliederwerbung heranzugehen, müssen wir das jetzt... tun. Dort müssen Mitgliederwerbe-Wettbewerbs-Schlußspurt-Pläne (MWWSP) verabschiedet werden."

"Wenn wir so weitermachen, haben wir allen Gruad zum Optimismus!" (in: "rote blätter", April 1980, Beilage I - III)

Negt entdeckt neuen Krisentyp

"...einen Krisentyp, den ich als Erosionskrise bezeichnen würde. Der alte Krisentyp ließ die Subjekte in gewisser Weise mehr oder weniger unberührt, besser, ihre innere Zusammensetzung, während der neue Krisentyp in die Poren der gesellschaftlichen Institutionen und in die Zellenorganisation der Subjekte eindringt." (in: "links" des SB, April 1980, S. 21)

DKP meldet Planerfüllung

"Der Osterhase kommt eine Stunde früher."

"Rechtzeitig zu Ostern erblüht: Magnolien." (in: "UZ - Zeitung der DKP" vom 3. April, S. 3 bzw. S. 1)

Meldungen von der antiimperialistischen Front

"Die Krankenschwestern in den drei Krankenhäusem Tongas haben nach einem zweiwöchigen Streik ihre Forderung nach Versetzung einer Oberschwester durchgesetzt."

"Die Umsiedlune der Amharen dient der nationalen Unterdrückung des Oromo-Volkes."

"Volksbefreiungsarmee von Tigray kontrolliert drei Viertel des Landes."

"Das Volk der Oromos hat sich nie mit seiner Unterwerfung abgefunden."

"Das Volk der Sowosamma ringt um seine Befreiung." (aus: KVZ des KBW vom 16. April, S. 10 u. 16, bzw. LP Fredl Fesl)

Komplimente

(Der österreichischen "Gruppe Revolutionäre Marxisten" verdanken wir einen Verriß der MARXISTISCHEN GRUIPPE WIEN, den wir mit freundlicher Genehmigung der Austro-Trotzkisten auch zu Werbezwecken für MG-Teach-ins in der BRD und in Westberlin verwenden möchten. Wir zitieren die schmeichelhaftesten Stellen aus "Rote Hochschulblätter", April 1980, S. 3:)

"Ob Konrad Lorenz oder Sigmund Freud oder Karl Popper oder Elmar Altvater, egal ob idealistischer oder materialistacher Wissenschaftler, steht er nicht auf die MG..., so findet er auch keine Gnade vor deren Augen: Die Analyse startet mit einem Gag - die skurrilsten Zitate, ohne Zusammenhang, versteht sich, bereiten den Zuhörer/Leser gekonnt vor -, das wird nicht nur vernichtend, das wird auch noch lustig."

"Mit Witz und einer gesunden Portion Überheblichkeit zeigen uns die Genossen der MG, was ein Marxist ist: der weiß auf alles eine Antwort."

"Das ist in der Tat erstaunlich, daß jemand, der sich als Kommunist bezeichnet, kritisiert, zerlegt, polemisiert - und Ende!"

"Und das machen die Genossen der MG beständig: Sie verweigern jede Aussage über Perspektive zur Gesellschaftsveränderung, beschränken sich darauf, bestehende Analysen zu kritisieren oder Ist-Zustände zu erklären."

"Die Genossen imponieren - sie wissen alles lassen keine Widersprüche zu."

(Angesichts dieser im wesentlichen korrekten Analyse erstaunt nur, warum die GRM sich überhaupt noch folgendes Problem macht:)

"Abgesehen von den immer wieder vorkommenden, spontanen Abgängen, sind die Teach-ins der MG Wien recht gut besucht, was angesichts der schwindenden Besucherzahlen in Veranstaltungen anderer linker Gruppen etwas verwundert."

Ja woher kommt denn das?

"Im Main sind jetzt auch krebserregende Stoffe wie benzol festgestellt worden. Das bestätigte ein Sprecher des hessischen Umweltministeriums in Wiesbaden. Wasserproben aus dem Fluß unterhalb der Farbwerke Hoechst hätten dies ergeben. Den 'möglichen Einleitern' dieser Stoffe seien bereits Auflagen gemacht worden, diese Substanzen 'zu reduzieren':" (Süddeutsche Zeitung vom 19./20. April)

Unaufhaltsame Fortschritte in der Abrüstung

Neuer Vorschlag des Bundeskanzlers zur Abrüstung:

"Ost und West sollen vorerst auf die Stationierung zusätzlicher Mittelstreckenraketen verzichten."

Zimmermann (CDU):

"...Verzichtungsvorschlag des Kanzlers... es entstehe der Eindruck, daß Moskau gegenüber der Bundesrepublik jetzt mit Zuckerbrot und Peitsche operiere..."

"Von führender Seite in der Regierungskoalition wurde am Donnerstag betont, der Vorschlag... weiche von der Position der NATO nicht ab. Da derzeit allein die Sowjetunion Woche für Woche neue Raketen des Typs SS 20 in ihrem Gebiet stationiere, sei zunächst auch nur die sowjetische Führung mit diesem Vorschlag des Kanzlers angesprochen...

Mittlerweile hat Schmidt auch intern klargemacht, daß er mit seiner Formulierung, der Stationierungsstop solle für eine Reihe von Jahren vereinbart werden, präzise jene drei Jahre gemeint habe, die der Westen brauche, um seine neu produzierten Waffen in Westeuropa zu dislozieren."

"Die jüngsten sowjetischen Abrüstungsvorschläge enthalten nach Bonner Einschätzung keine neuen Elemente und werden daher als sowjetisches Propagandamanöver gewertet." (Süddeutsche Zeitung vom 16., 17. und 18. April)

Tod eines Psychologen

ERICH FROMM, deutsch-amerikanischer Psychoanalytiker, ist nicht mehr. Was geht uns nun eigentlich ab? Sicherlich mehr und anderes als der "leidenschaftliche Denker", als den ihn uns nun eilfertige Nekrologe in Hypostasierung seines leidenschaftlichen Denkens vorstellig machen wollen. Fromm war mehr. Er wäre nicht Fromm gewesen, hätte er nicht davor gewarnt:

"Man könnte dies durch die Wendung 'ich bin ein Körper' statt 'ich habe einen Körper' ausdrücken"... "Die Natur liefert jedoch ein noch eindeutigeres Symbol für den Unterschied zwischen Haben und Sein. Die Erektion des Penis ist vollkommen funktional. Der Mann hat nicht eine Erektion wie einen Besitz... der Penis ist im Zustand der Erektion... Wird diese Erregung aus irgendeinem Grund gestört, hat er nichts".

E. Fromm ist nicht mehr...

Tod eines Strukturalisten

ROLAND BARTHES, strukturalistischer Erfinder der "Mythen des Alltags", ist einem alltäglichen Gebrauchsgegenstand zum Opfer gefallen. Der Fußgänger aus Überzeugung, in dessen Augen sich Millionen Autofahrer mit der Benutzung ihres fahrbaren Untersatzes "ein durch und durch magisches Objekt aneignen", wurde am 25. Februar 1980 von einem Automobil überfahren. Böse Zungen interpretierten die Kollision als Ausdruck von Roland Barthes verdrängtem Wunsch, sich mit dem Gott Automobil zu vereinigen. Doch Le Monde erkannte die wahre philosophische Bedeutung des Unfalltodes: "Früher war das Pferd die Waffe des Schicksals, heute ist es das Antomobil." (näheres in MSZ Nr. 34)

Menschen, die Geschichte(n) machen

"Matthias Walden und die Krokodile

'Ich bestieg den Ölberg in Jerusalem und betete in der Grabeskirche', erzählt Matthias Walden (52) in seinem neuen Buch 'Die Fütterung der Krokodile.' Er ist schon seit 34 Jahren Journalist, und bereiste die ganze Welt.

In Rhodesien erlebte er die Fütterung von Krokodilen: mit einer langen Eisenstange wurden ihnen Fleischstücke zugeschoben: 'Für mich Symbolik der heutigen weltpolitischen Lage', sagt Walden. Das Buch erscheint im Langen-Müller-Verlag, Preis: 24 Mark."