SIND UNSERE KRITISCHEN KÜNSTLER DIE ARSCHKRIECHER DER MACHT?

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Dieser Artikel ist in der MSZ 5-1980 erschienen.

SIND UNSERE KRITISCHEN KÜNSTLER DIE ARSCHKRIECHER DER MACHT?

Mitten im Wablkampf tauchen drei deutsche Schriftsteller, die Creme kritischen Geistes repräsentierend, völlig angemeldet im Reihenbaus des Mannes auf, der Bundeskanzler ist, setzen sich in seinen Garten, lassen sich Arm in Arm mit dem Hausberrn von einer gewissen "Hannelore Schmidt" ablichten und stellen ein Tonbandgerät an, damit ihr "kulturpolitisches Streitgespräch" auch nach außen weithin vernehmlich ist. Dessen Gehalt hört sich, von diversen künstlerischen Ausschweifungen gereinigt, so an (alle Zitate aus "Die Zeit", 22.8.80, S. 29-31):

OSKAR RABBATZFRÜHLlNG: "Da wir nun einmal Schriftsteller sind", zumal Deutsche, die "Frage aufwerfend, wie wir uns ohne Hybris als Nation definieren, gibt uns doch einiges zu denken, was, glaube ich, die Situation hierzulande in einer Weise illuminiert, daß wir uns doch zumindest als Schriftsteller besorgt zeigen können über dieses Land, das Intellektuellen und Künstlern mißtraut", völlig grundlos selbstverständlich, denn "unser Genre stört auf aus Sorge vor der Gefahr eines kulturellen Vakuums, das unsere Nation belastet".

HELMUT SCHMIDT: "Schrecklich viel Selbstmitleid erkenne ich aus all dem, aber es rührt mich nicht sonderlich, denn Ihr drei seid anerkannte Leute", bei denen diese Art des Klappems zum Handwerk gehört. Deshalb vielen Dank für Euer Stichwort von kompetenter Seite. Wie schön sich das jetzt anhört: "Auch der Bundeskanzler denkt eine ganie Menge nach über die Aufrechterhaltung der deutschen Nation."

FRITZ J. LENZBLECH: "Da weichen Sie ein bißchen aus, daran macht sich schon ein bißehen etwas fest. Uns beschäftigt das Problem, ob die so diffus reagierende junge Generation, die so unmotiviert, so unlustig, so wehleidig erscheint, tüchtig zu sein, etwas zu leisten" (ja, auch uns sind die deutschen Aufbautugenden ans Herz gewachsen!) "selbst von Leuten wie Ihnen nicht mehr angenommen werden?" (Er summt: So ein Mann, so ein Mann, macht mich unwahrscheinlich an...")

HELMUT SCHMIDT: "Das stimmt nicht. Die Mehrheit hat gelernt, was Gut ist, und was Böse ist", sie glaubt so sehr an ihren Staat, daß "die Entleerung religiöser Inhalte nur ein gradueller Unterschied ist."

SIGI GRASDATZKY: Aber wäre es "hinsichtlich der erschöpften Motivation" nicht äußerst günstig, gerade für "die reservierte Stellung des Bildungsbürgertums, jetzt noch einmal persönlich zu werden und dem Privatmann Helmut Schmidt, der nebenbei auch Kunstsachverständiger ist", die Antwort in den Mund zu legen, "ob es da zu gewissen Spannungen kommt, daß der Rationalist" (wie wir demokratische Führer zu umschreiben pflegen) "dem Kunstliebhaber widerspricht?"

HELMUT SCHMIDT: "Das ist weder ein Dilemma noch eine Polarisation." Machtausübung über ein Volk ist eine Kunst, wenn Sie es so nennen wollen. "Das ist nicht so leicht."

ALLE: So ein Tag, so wunderschön wie heute...