POWER MIT BLACK

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Dieser Artikel ist in der MSZ 4-1988 erschienen.
Systematik: 

POWER MIT BLACK

"Die ganzen Civil-Rights-Typen wollten letztlich nur eins: irgendeinen gottverdammten Nigger als Präsidenstschaftskandiatten der demokratischen Partei." (Malcolm X, The Autobiography)

Reverend Jesse Jackson ist der Kandidat mit der besten Presse, von dem alle Konkurrenten mit feierlicher Stimme verkünden: "Es ist gut, daß Jesse kandidiert." Dabei versetzt er seine Kundschaft aus Schwarzen und fortschrittlichen weißen Linksintellektuellen in Verzückung mit Forderungen wie einer einseitigen Verschrottung von MX- und Trident-II-Raketen, der Ablehnung jeder Hilfe für die Contras in Nicaragua und dem Verlangen nach einer massiven Anhebung der Steuersätze für Spitzenverdiener zugunsten eines "60-Mrd. Dollar-Programms" für Arbeitslose und Wohlfahrtsempfänger. Mit ihm haben alle potentiellen schwarzen Wähler und das Protestpotential aus Kriegsdienst-, AKW- und Tierversuchsgegnern eine "realistische" politische Perspektive gefunden: Sie können sich positiv und konstruktiv für die personelle Ausgestaltung des "tickets" der Demokratischen Partei im November einsetzen. Dabei weiß jeder, inklusive Mr. Jackson, daß dieser Kandidat sich dadurch auszeichnet, daß er garantiert nicht Präsidentschaftskandidat werden wird: Jackson ist nämlich schwarz, also Angehöriger einer "minority".

Die wird seit dem "civil-rights-amendment" der Johnson-Administration in den USA gesetzlich geschützt vor rechtlicher "Diskriminierung". Seitdem darf keinem Neger mehr das Wahlrecht verweigert werden, und er darf mit jedem Bus fahren, wenn er eine gültige Fahrkarte hat. In den letzten 20 Jahren sind die arbeitslosen, hungrigen, ausgemusterten Neger in den Ghettos der Millionenstädte zwar nicht weniger, sondern entschieden mehr geworden, aber ihr Elend verwaltet jetzt z.B. in Los Angeles, Chicago und Atlanta ein echt schwarzer Bürgermeister. Seitdem gab es keine "riots" mehr bis auf eine kleine Hausbesetzung in Philadelphia die der schwarze Bürgermeister so brutal zusammenschießen ließ, daß seine weißen Stadtverordneten einen Untersuchungsausschuß zugunsten der malträtierten "soul brothers" durchsetzten. Jackson verkörpert das Ideal der Rassenintegration, d.h. der Überführung aller sozialen " Sprengsätze", die die amerikanische Benutzung des Rassenunterschieds zur optimalen Ausbeutung und Verwaltung schwarzen Menschenmaterials mit sich bringt, in politische Mitbestimmungsmodelle. Ohne diesen "Nigger" keine Mehrheit auf der demokratischen "convention", kalkulieren die "liberalen" Rassisten und freuen sich, daß sie mit dem Champion der "rainbow coalition" für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten jede Menge Negerstimmen im November kriegen können, die nie zum Wählen gehen würden, wenn sie nicht von "Brother Jesse" bei den Vorwahlen gekeilt worden wären. Deshalb kriegt Jackson kein böses Wort zu hören, wenn er Parolen in die Welt setzt, mit denen jeder weiße Bewerber als "Extremist" und "Commie" unten durch wäre. Die scharfen Sprüche sind lediglich Verzierung seines eigentlichen Programms, und das heißt schwarz. Den Schwarzen verspricht es nichts, außer ein Stück Machtbeteiligung für einen eger.

Weil sie darauf abfahren, ist Jesse Jackson zur Zeit bei den Amerikanern der populärste Nigger seit Uncle Tom.