PINOCHET, CHILENISCHER SOLDAT UND SICHERHEITSMANAGER DES IMPERIALISMUS

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Dieser Artikel ist in der MSZ 2-1985 erschienen.
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PINOCHET, CHILENISCHER SOLDAT UND SICHERHEITSMANAGER DES IMPERIALISMUS

Sein Leben lang war er Soldat. Seit 1973 ist er als Präsident der Republik Politiker, ohne aufgehört zu haben, als Oberkommandierender der Armee Soldat zu sein.

Sein Vorgänger im Präsidentenamt ernannte ihn in einer seiner letzten Amtshandlungen zum Chef der Armee, nachdem sein Vorgänger auf diesem Posten, General Prats, zurückgetreten war. Pinochet ermordete - erwiesenermaßen nicht eigenhändig - beide. Den einen auf dem Weg zur Eroberung der Macht, den anderen im Zuge ihrer Konsolidierung.

Er ist kein Feind der Demokratie. Pinochet verehrt die richtigen Demokratien, vor allem die amerikanische, denn er wollte sein Chile enger an sie binden. Was er sehr gründlich verachtet, ist die chilenische Demokratie. Chilenische Politiker gelten für ihn, im Gegensatz zu einem Reagan bder einer Mrs. Thatcher, als korrupte, willenlose Subjekte, und die Parteienkonkurrenz im Lande als eine Krankheit, bei der die Formen der Demokratie gegen ihren ökonomischen Inhalt gekehrt werden, der politische Gehorsam in Ungehorsam und der Respekt vor dem Privateigentum in Respektlosigkeit verwandelt wird. Auf diese Weise wurde in Chile jahrelang gegen die nationalen Interessen der größten Demokratie der Welt verstoßen, bis Pinochet eben an die Macht, an die Spitze der Armee kam. Er nahm an höchster Stelle die Sicherheitsinteressen der USA in Chile wahr und leistete so auf seine Art mit der Errichtung einer Diktatur einen Dienst gegenüber dem Westen, einen Dienst also für die Demokratie schlechthin.

Es ist auch nicht wahr, daß er meint, es sei für die Staatsführung immer das Einfachste und Sicherste, zu töten - so etwas überläßt er von Fall zu Fall seinem Sicherheitsdienst -, sondern er meint, die permanente Notwehrlage der Nation erkannt zu haben: "Der Marxismus ist mehr als eine perverse Lehre an sich, er ist ein permanenter Überfall", der das Töten immerzu erforderlich macht.

Demokratische Legitimationsakte liebt er so sehr, daß er sich als einziger Kandidat zur Wahl stellte, die Armee als Wahlhelfer einsetzte und gewann. Auch die neue Verfassung ließ er vor das Volk bringen. Und das Volk sagte Ja!

Als er zum Präsidenten gewählt wurde, besann er sich schlau auf seine Hausmacht und blieb Oberkommandierender der Armee. Ewig will er nicht an der Macht bleiben, teilen will er sie aber auch nicht. Was ihm angesichts der wachsenden Unzufriedenheit seiner Untertanen in immer klareren Konturen vorschwebt, ist, einen neuen 11. September zu veranstalten, einen, der seine Machtübernahme weit in den Schatten stellen wird, eine Apotheose der Gewalt, die seiner Größe als Staatsmann gerecht wird.

Vor kurzem sagte er im Fernsehen zu seinen Gegnern: "Macht euch keine Illusionen! Wenn ihr mich tötet, werden andere an meine Stelle kommen und die gleiche Politik fortsetzen." Richtig! Sich selber als die Charaktermaske einer imperialistischen Notwendigkeit zu sehen, steht ihm hervorragend. An ihm klebt die Maske des Henkers, des größten Henkers des chilenischen Volkes, und ebenso wie seine demokratischen Lenker ist auch er austauschbar.