PAPST SCHAFFT ARBEITSPLÄTZE

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Dieser Artikel ist in der MSZ 5-1980 erschienen.

Kirche
PAPST SCHAFFT ARBEITSPLÄTZE

Der bald stattfindende Besuch des Papstes in der Bundesrepublik ist auf Kritik gestoßen. Die Theologin Uta Ranke-Heinemann hat nachgerechnet, was der Besuch seiner Heiligkeit kostet, und die Veranstaltung als "Frömmigkeitsspektakel" beschimpft, das "mit dem Leben vieler Verhungernder bezahlt werde."

"Das Recht der Armen in aller Welt ist höher zu bewerten als die fromme Schaulust der Satten."

Das bischöfliche Ordinariat in München, gerade dabei, mit Bund, Ländern und dem Verteidigungsministerium das 20-Millionen-Projekt zu organisieren und für den "pastoralen Staatsbesuch" Gelder locker zu machen, wies, obwohl nicht von dieser Welt, den Vorwurf der Theologin in bester Politikermanier zurück. Es sei "vorallem auch an die geistliche Vorbereitung gedacht worden", die ja bekanntlich nichts kostet. Und - man beachte die politische Bildung dieser geweihten und geölten Vertreter des Allerhöchsten -

"mit der Finanzierung der bei den organisatorischen Vorbereitungen der Papstreise anfallenden Arbeitsleistungen werde eine Fülle von Arbeitsplätzen mitfinanziert und damit würden auch soziale Leistungen erbracht." (Süddeutsche Zeitung vom 1.10.1980)

Man mag bei weltlichen Politikern manchmal Zweifel haben, ob ihre Beteuerungen, wo sie überall und wieviel Arbeitsplätze schaffen wirklich stimmen. Die Mutter Kirche ist, hat sie auch in ihrer langen Geschichte manches krummes Ding gedreht, in dieser Hinsicht über jeden Zweifel erhaben. Der einfache Gläubige oder auch der moderne Kirchenmuffel macht sich ja gar keine Vorstellung davon, was das Christentum seit seinem Ursprung in Sachen Schaffung von Arbeitsplätzen alles geleistet hat.

Arbeitsplatzgenesis...

Ja, der christliche Glaube hat überhaupt erst diesen segensreichen Ort, Arbeitsplatz, erfunden. Was wäre denn gewesen, wenn nicht der paradiesische Zustand durch den Sündenfall ein plötzliches Ende gefunden hätte? Kein Arbeitsplatz weit und breit. So aber konnten die ersten Menschen von Glück reden, als ihnen der Herrgott, sauer darüber, daß seine Geschöpfe wie er "Gutes und Böses erkannt" hatten, anpries: "Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot verzehren!" Damit war die Sache so gut wie gelaufen. Ab da betrieben der Herrgott und seine Agenten das Geschäft der Vermehrung von Arbeitsplätzen, und zwar konsequent. Der Ackerbauer Kain erschlug seinen Bruder, den Viehzüchter Abel, und löste so die Arbeitsknappheit der sich überaus fruchtbar mehrenden Familie Adam/Eva. Die Sintflut war keineswegs die oft falsch verstandene Sündflut, sondern der einzige und von oben angeordnete Ausweg aus dem Überangebot von Arbeitskräften. Deshalb mußten notwendig die über 800 Jahre alten Methusaleme folgen, um mit ihrer langjährigen Zeugungstätigkeit dem Arbeitskräftemangel zu begegnen. Die Turmbauer zu Babel, die über ihre Verhältnisse lebten, bekamen ihren Dämpfer und verstanden die Welt nicht mehr. Dabei war mit dieser Maßnahme nur der Beruf des Übersetzers entstanden. Jakob, der Stammvater Israels, drückte die erste Lohnvereinbarung durch - "Setze den Lohn, den ich zu geben habe, fest, ich will ihn dir geben!" (bei gewissem Druck vom obersten Chef, versteht sich) - und löste das Problem seines geburtenstarken Jahrganges - 12 Kinder - mit der Verschickung der ersten Gastarbeiter: Alle Söhne fanden geraume Zeit in Ägypten Arbeit, bis sie sich mit dem dortigen Herrschaftssystem überwarfen und auszogen, um im gelobten Land Arbeit zu finden.

Es würde zu weit führen, alle Stationen, an denen Gott Jahwe seinem Volk neue Arbeitsplätze schaffte, nachzuvollziehen. Es sind unzählige: erinnert sei nur an den Durchzug durch das Rote Meer, der ja auch erst einmal organisiert sein will; an die vielen Mannahpflücker für das riesige Volk; die Soldatenjobs bei der Landnahme, bei der sich Trompetenbläser auszeichneten; den Tempelbau, den Wiederaufbau nach der Zerstörung; die Verbannung nach Babylon, so daß unzählige Posten neu besetzt werden konnten; die Schaffung der ersten geistigen Berufe - Propheten, die mit ihren versponnenen, von oben eingegebenen Verheißungen, zu ihrem Einkommen kamen...

Schließlich die entscheidende Leistung des Zimmermannes Joseph, der ohne seine Hobelbank zu verlassen, einen Mann in die Welt setzte, von dem letztlich Millionen neuer Arbeitsplätze ausgingen. Mit knapp dreißig erfand er den Berufsstand der Jünger und holte herumlungernde Nichtstuer von der Straße oder schulte Fischer zu Seelenhirten um. Sein, Tod brachte unter Mithilfe des Heiligen Geistes 12 Aposteln ihren Job, seine Himmelfahrt schenkte dem Fischer Petrus den sozialen Aufstieg zu Gottes Stellvertreter auf Erden, der ein Beruf mit Zukunft werden sollte.

...in der Nachfolge Christi

Unzählige Theologen nährten sich in den folgenden 2000 Jahren von dem Problem, ob das Grab wirklich leer gewesen sei, und sorgen noch heute in vielen und großen Institutionen dafür, daß Steuergelder nicht verschwendet werden. Im Römischen Reich erhöhten die selbstlosen Märtyrer die Chancen der Sklaven, verkauft zu werden. Als sich die Kirche dann auch der weltlichen Herrschaft angenommen hatte, wurde das christliche Arbeitsbeschaffungsprogramm in noch größerem Stil fortgesetzt. Unbewaffnete Missionare brachten den faul auf der Bärenhaut herumliegenden Germanen bei, daß das Beten viel ertragreicher ist, wenn man dabei arbeitet: "Ora et labora!" Bewaffnete Missionare räumten im Namen Gottes ganze Indianervölker weg, um an das Gold heranzukommen, diesem Unterpfand für notwendige Investitionen zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Die Kreuzzüge setzten für einen heiligen Zweck Hunderttausende in Brot und Blut. Bischöfe erfanden die Nebenbeschäftigung, waren zugleich Fürsten. Selbst der Job des Papstes verschaffte zeitweilig durch Schismen mehreren geweihten Herren ihr Auskommen und sonst nackt dastehenden süßen Mädchen angenehme Beschäftigung. Das Zölibat animierte viele Frauen dazu, selbstständig etwas zu unternehmen. Die Inquisition brauchte ihre Angestellten. und reduzierte das Überangebot an Hexen für die knapp bemessenen Haushaltsarbeitsplätze.

Eine neue Dimension brachte Luther in die ganze Angelegenheit. Er machte eine Konkurrenzorganisation auf, und Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft, was wiederum... na, Ihr wißt schon! Ab jetzt traten überall gleich zwei Amtsträger auf. Die spätere freiwillige Abgabe des Kirchenbesitzes an den Staat, mit Ausnahme der Banco di Santo Spirito, der Schweizer Garde und der großen Spaghetti-Plantagen bei Pisa, - die Kirchen wollten sich wieder mehr Höherem zuwenden - konnte dieser in die Wirtschaft pumpen, welche ja den ganzen Tag nichts anderes unternimmt, als Arbeitsplätze zu schaffen. Nicht zu vergessen die kirchlichen Segnungen von Waffen und Soldaten, die der nachfolgenden Generation Millionen Plätze frei machten. Und die kirchliche Entwicklungshilfe, mit der die christliche Mission die entscheidende Grundlage aller Arbeitsbeschaffungsprogrnmme bildet, indem sie den Negern - natürlich in den Formen ihrer kulturellen Besonderheit - erst einmal klar macht, was überhaupt ein Arbeitsplatz ist; da es dort keine gibt.

Heute sind es im Besonderen die weiten Reisen und Staatsbesuche des Papstes, die die Arbeitslosenzahlen herunterschnellen lassen. Da die Fähnchen und Oblaten wegen der Heiligkeit des Anlasses in Handarbeit hergestellt werden, ist das kein Wunder. Hat nicht die bloße Ankündigung des Papstbesuches in Deutschland dafür gesorgt, daß die Arbeitslosenquote im September auf 3,5% sank?

Uta Ranke-Heinemann hätte das wissen müssen. Eine moderne Theologin muß doch Kenntnisse über kirchliche Wirtschafts- und Sozialpolitik haben und wissen, woher ihr Arbeitsplatz kommt.