NEUESTE ERFOLGE AN DER FRIEDENSFRONT

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Dieser Artikel ist in der MSZ 3-1981 erschienen.
Systematik: 

NEUESTE ERFOLGE AN DER FRIEDENSFRONT

Der Krieg, auf den augenblicklich hingerüstet wird, ist noch gar nicht so richtig ausgebrochen - da laufen von der Heimatfront schon erste Sondermeldungen ein, die von schönen Erfolgen künden, für die auch bereits Helden und Opfer zur Feier anstehen: Die zentrale deutsche Stellung, daß Rüsten dem Frieden und damit nur "unserer Sicherheit" dient, also "defensiv" ist, lag zwar nicht direkt unter Beschuß, konnte sich gleichwohl eben deshalb um so glänzender behaupten. Beim Probealarm der Kameraden Friedensforscher war von diesen einmal angenommen worden,

"Die mit mehreren nuklearen Gefechtsköpfen ausgestatteten und treffgenauen Mittelstreckenraketen ließen einen entwaffnenden Erstschlag möglich erscheinen." (Eppler)

Dank solchen Atomschlags - so tautologisch voll überzeugend - "werde ein Atomkrieg wieder führbar". Kaum vorstellbar, wie gefährlich doch die Macht des Atoms für das Pflänzchen Sicherheit ist, wenn man es einmal theoretisch seines atomaren Schutzschildes beraubt! Klar also, daß eine Sicherheitspolitik dieser selbstgewählten Herausforderung gewachsen sein muß: Ohnmächtig darf sie auf keinen Fall sein. Mit dieser konventionellen, aber sehr entschiedenen Antwort konnte der angenommene Angriff auf die Politik entschieden zurückgewiesen und die Wehrübung bis Ende Mai ausgesetzt werden.

Schließlich stand deren Glaubwürdigkeit auf dem Planspiel der voll mobilisierten Erforscher gerade dieser entscheidenden Bedingung des Friedens. Ernste Opfer sind auf dieser Seite gottlob keine zu registrieren, wenn auch Hans Apel klagt, er fühle sich auf seinem Posten nicht mehr wohl. Aber er will wie sein von Sorgen um den Frieden zerfressener Dienstherr Helmut Schmidt die Flinte nicht ins Korn werfen, sondern tapfer ausharren.

Ihre abschreckende Glaubwürdigkeit in Sachen Friedenssicherung steigert das ungemein, weshalb der Rat der Evangelischen Kirchen in Deutschland zu dem ungeteilten Lob kommt:

"Die Bemühungen der gewählten Politiker, den Frieden zu sichern und unser Land vor Schaden zu bewahren, sollten ungeachtet des jeweiligen politischen Standortes ernst genommen werden. Unter ihnen sind Christen, die ihr Gewissen am Evangelium prüfen. Sie haben einen Anspruch darauf, als Glieder der Kirche Jesu Christi geachtet zu werden."

Andererseits stehen auch schon die ehrenvollen Nachrufe auf die noch zu erwartende größere Zahl von Opfern solcher Schaden von unserem Lande abwendenden achtbaren Politik im Namen Jesu Christi:

"Dem demokratischen Staat dürfe die Unterstützung nicht aus Enttäuschung darüber verweigert werden, daß sich nicht in jedem Fall die eigene politische Überzeugung in den Entscheidungen der Mehrheit wiederfindet. Dies sei eine der Ursachen gewesen, die vor 50 Jahren eine Demokratie in Deutschland zum Scheitern gebracht haben."

Da jedenfalls die Demokratie in Deutschland leben muß - und wenn wir sterben müssen -, werden natürlich präventive Schläge der Friedenspolitik nach innen unerläßlich sein, wie der schon totgesagte CSU-Friedensforscher Mechtersheim, der sich im harten Kampf "für eine Verstärkung und sinnvolle Weiterentwicklung der konventionellen Verteidigung" fast zerrieben hätte, jetzt bekundete:

"Ich bin der Auffassung, daß der Pazifismus eine untaugliche Antwort auf die Bedrohung durch den Osten ist und daß im Verteidigungsfall Westeuropa im Zusammenwirken mit den USA geschützt werden muß.... Ich werde dafür Sorge tragen, daß sich aus meiner wissenschaftlichen Tätigkeit einerseits und aus meiner Parteimitgliedschaft andererseits keine Mißverständnisse in der Öffentlichkeit ergeben."