Nachhilfeunterricht der Bundeswehr

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Dieser Artikel ist in der MSZ 6-1987 erschienen.
Systematik: 

Nachhilfeunterricht der Bundeswehr

Zwischen der Bundeswehr und dem argentinischen Militär, dem hierzulande schon einmal undemokratische Obristenmentalität und schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen nachgesagt wurden, bestehen traditionell "brüderliche Bande" (alle Zitate aus der "Süddeutschen Zeitung" vom 13.5.). Schließlich ist die BRD einer der Hauptausrüster dieser südamerikanischen Armee, hat gemeinsame Waffenprojekte mit Argentinien und stellt Ausbildungspersonal. Da es sich um eine Hilfstruppe der NATO handelt, fühlt sich die BRD auch für die geistige Aufrüstung der argentinischen Armee verantwortlich. Für diese Erziehungsarbeit zur "Integration der (argentinischen) Armee in die Demokratie" haben die Konrad-Adenauer-Stiftung der CDU und die Friedrich-Naumann-Stiftung der FDP einige Gelder übrig, um Bundeswehrgeneräle und -inspekteure auf Agitationsreise nach Übersee zu schicken.

Die "informieren" dann, "ohne zu belehren", ihre argentinischen Waffenbrüder darüber, daß die angesagte und von der BRD erwünschte "geistige Reform" der Truppe augenblicklich Alfonsin heißt, und preisen ihnen das "deutsche Modell" vom "Bürger in Uniform" an. Dabei können freilich, bei aller innigen Waffenbrüderschaft, Mißverständnisse nicht ausbleiben.

"Es war das Thema, das schon etliche deutsche Offiziere den Argentiniern nahezubringen versucht hatten: die Bundeswehr in der Demokratie und in der NATO, ihre Offiziersausbildung mit 'Innerer Führung', 'Staatsbürger in Uniform' etc. Die meisten Fragen... zielten aber überraschend auf etwas ganz anderes: Wie hält es die Bundeswehr mit der Terrorismusbekämpfung?"

Was daran überraschend sein soll, ist ziemlich unbegreiflich. Schließlich läuft auch im bundesdeutscchen Kasernenalltag kein "Staatsbürger in Uniform" herum und beeinträchtigt den Kampfauftrag der Bundeswehr; das ist vielmehr der gute Titel, mit dem eine gute Nation auf ihre Armee abfärbt. Daß Terrorismusbekämpfung für die Bundeswehr kein Thema ist, liegt an etwas ganz anderem: an gewissen Feinheiten der polizeilich-militärischen Arbeitsteilung hierzulande. Einer Arbeitsteilung übrigens, die nicht bloß argentinischen Waffenträgern überhaupt nicht einleuchtet. Die sehen ihren nationalen Auftrag jedenfalls nicht erst in Notstandszeiten darin, auf den Gehorsam i m Land aufzupassen. Und das sollte bundesdeutsche Kommißköpfe "überraschen"?

Ein Mißverständnis konnte allerdings ausgeräumt werden. Die Begeisterung des Bundeswehr-Ideologen Graf Baudissin für eine demokratisch funktionale Armee hatten die Südamerikaner als "Demokratie in der Armee", als "aufgeweichte Befehlskette" in den falschen Hals bekommen. Da durften sie sich von kompetenterer Stelle belehren lassen: "Befehlen sei auch in Deutschland zu gehorchen, aber nicht blind."