MANFRED WÖRNER VON DER BUNDESWEHR WILL JUNGE MÄNNER FÜR DIE TRUPPE

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Dieser Artikel ist in der MSZ 1-1985 erschienen.
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MANFRED WÖRNER VON DER BUNDESWEHR WILL JUNGE MÄNNER FÜR DIE TRUPPE

Wörner bietet 1500 Berufsoffizieren vorzeitige Pensionierung an. Abfindung und monatlich 70 Prozent der letzten Bezüge sind vorgesehen.

"Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf zur vorzeitigen Pensionierung uon 1500 Berufsoffizieren beschlossen. Die einmalige Sonderaktion soll nach den Worten von Verteidigungsminister Manfred Wörner die Gefährdung der Einsatzbereitschaft beseitigen, die von der drohenden Überalterung des Offizierskorps ausgehe. Wegen der besonderen Gegebenheiten bei den Streitkräften könne sich niemand im öffentlichen Dienst und in der Wirtschaft auf das Modell berufen, das keine Vorruhestandsregelung, soziale Wohltat oder Bevorzugung einer bestimmten Gruppe darstelle." (Süddeutsche Zeitung, 12.12.)

Jetzt fehlt dem Bonner Verteidigungsministerium junges Blut, während die "alten" Hauptleute und Majore die Motivation des Nachwuchses zersetzen. Wo schon wieder für den Ernstfall nicht bloß geübt wird, sondern sich das Heer vor seinen aktuellen Anforderungen bewähren muß, schreckt die Vorstellung von den alten Knackern, die womöglich nicht mehr auf den Panzer kommen.

"Wegen der Besonderheiten in der Bundeswehr, wie Außendienst bei Wind und Wetter, Wochenenddienste, Ausbildung junger Untergebener sowie dem Kampfauftrag im Krieg" (Wörner),

sollten die üb er 40jährigen ausmustern. Zugleich ist dies die Begründung des Ministers, warum kein Arbeiter der Produktionsschlacht auf einen ähnlich flotten Vorlebensabend Anspruch anmelden dürfe: Mit Kampfauftrag m Krieg muß man schon versehen gewesen sein, damit man vom Staat derart nobel und rücksichtsvoll aufs Altenteil fortgelockt wird. Immerhin DM 3700.- im Monat für einen Oberstleutnant, zusätzlich zwischen 12 und 40 Mille Abfindung und die Möglichkeit, ohne jeden Abzug einen neuen Job zu ergreifen. "Ein Husarenstück", meint deshalb der Steuerzahlerbund. In Wahrheit ist es ein Staatsstück exklusiv für Husaren. Und für dessen Erfolg spricht eine öffentliche Meinung, die noch die personelle Bestückung einer Kriegsmannschaft unter dem Gesichtspunkt der Gefechtsbereitschaft als Frage von sozialer, Steuer- und Wehrgerechtigkeit diskutiert.