LOBO FORDERT LESBARE ETHIK

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Dieser Artikel ist in der MSZ 6-1980 erschienen.
Systematik: 

LOBO FORDERT LESBARE ETHIK

Kaum ist dem Präsidenten von Westdeutschlands größter Universität, Professor Dr. Nikolaus Lobkowicz, in der näheren Verwandtschaft das Malheur passiert, daß sein Schwippschwager, der fesche Erbprinz von Thurn und Taxis, mittlerweile auch nicht mehr der Jüngste, knapp sechs Monate nach der Heirat mit ausgebürgerter schlesischer Prinzessin (ca. 22) Vater geworden ist (auch wir gratulieren!), macht er sich auch schon Gedanken:

"...ob es uns paßt oder nicht,- wir haben dies zur Kenntnis zu nehmen." (Lobkowicz in einem Leserbrief an die "Süddeutsche Zeitung vom 29./30. Nov. 1980, daraus auch die folgenden Zitate).

Woran mag das wohl liegen, fragt er sich jetzt, wenn er auch nicht ohne Familienstolz fürs Erste feststellen kann:

"Die Ernte ist groß."

Dennoch muß bei einem "älteren Katholiken", noch dazu, wenn er sich mit Recht zur "auch katholischen Intelligenz" rechnet, sich das Gewissen zu Wort melden, wenn junge Menschen aus der nächsten Verwandtschaft Opfer des päpstlichen Roulette werden. Das ist ja kein Wunder (richtig!), meint er:

"Wenn es praktisch kein Buch gibt, kein lesbares Buch, das sie über christliche Ethik informiert?"

An wem liegt das wohl? Faß dich doch mal an der eigenen Nase, du Intelligenzler, du katholischer! Wer hockt denn seit Jahren selbstgerecht auf ein paar Vorwörtern und gebundenen Büttenreden herum, anstatt endlich mal wenigstens eine Gliederung für eine kernige Ethik des geschlechtlichen Gottesdienstes der Jugend in die haltlosen Hände zu drücken?

Stattdessen jeden zweiten Samstag in der SZ (nicht mal für Geld) eine literarische Ersatzhandlung, noch dazu in der ausgewetzten Gattung der Ohrenbeichte. Oder wie anders soll man das folgende würdigen?

"Wie soll die Jugend anders denken, wenn wir seit Jahren um brennende Themen wie Katzen um den heißen Brei" (brauchbare Handbücher zur literarischen Rhetorik gibt es durchaus, Lobo!) "herumgeschlichen sind; wo sind die mutigen Analysen, die Auseinandersetzuneen im Geist des Evangeliums, die zeitgerecht überzeugenden Argumente gegen voreheliche Promiskuität, für eheliche Treue, gegen die 'Pille', für das Priesterzölibat, gegen die Soziologisierung des Glaubens, ja das Eindringen von allerlei Ideologien in den kirchlichen Raum? Wie soll denn die Jugend sich mit ihrer Kirche identifizieren, wenn niemand sie mit ebenso mutigen wie sauber begründeten Überzeugungen konfrontiert?"

Dürfen wir Sie so verstehen, Magnifizenz, daß alle vor der Ehe schon immer nur mit einer, daß alle Priester immer nur mit keiner, daß in der Ehe nurmehr mit Schaumstoffen verfahren werden darf? Und das soll Entsoziologisierung des Glaubens sein? Wir haben den Eindruck, daß damit dem Eindringen (nein, nicht was Sie denken!) von Ideologien in den kirchlichen Raum Tür und Tor geöffnet wird. Eine saubere Ethik ist uns das! Das wirft uns doch glatt um 2000 Jahre zurück:

"Wenn einem Mann im Schlaf der Samen entgeht, der soll sein ganzes Fleisch mit Wasser baden und unrein sein bis auf den Abend." III. Mose, 15.16.

In einem rohstoffarmen Land wie dem unseren mag das zwar ethisch sein, es ist aber reine Energieverschwendung!