LEBENDIGER UNTERRICHT

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Dieser Artikel ist in der MSZ 1-1982 erschienen.

Friedenspädagogik
LEBENDIGER UNTERRICHT

Pädagogische Friedenskonzepte treten an mit dem Anspruch, ihr Einsatz für den Frieden sei mehr als "bloße Kriegsverhinderung", Frieden bedeute für sie mehr als die "Abwesenheit von Krieg";,

"Angesichts der heutigen existentiellen Bedrohung muß für die Erziehung zum Frieden ein erweiterter Friedensbegriff die notwendige Grundlage sein. Frieden meint nicht nur einen Zustand, sondern generell ein Prinzip rationaler Konfliktbewältigung in allen Bereichen des Lebens" (Frankfurter Rundschau vom 1.12.81, SPD Kultusministerentwurf zur Friedenserziehung in der Schule)

Friedenspädagogik will also ausdrücklich vom Krieg, seinem Inhalt und Zweck nicht handeln.

Daher faßt sie ihn als eine "Existenzbedrohung" unter anderen, deren Charakteristikum noch allemal eine Folge der mangelnden menschlichen Fähigkeit zum Konfliktlösen sein soll. Verfehlt wäre hier der Hinweis, daß Konfliktlösung wohl kaum der - mangelhaft realisierte - Zweck von irgendjemandem sein kann, weil dies unterstellt, daß es kein Interesse an den sogenannten 'Konflikten' gibt, also auch keinen Grund, warum sie überhaupt als zu lösendes problem existieren sollten; verfehlt, weil sich die Pädagogik mit der Abstraktion Konflikt den Krieg sehr zielstrebig als Beleg für das Thema zurechtgemacht hat, das sie interessiert: Die Unzulänglichkeit des Menschen in puncto "rationale Konfliktbewältigung" ist die Konstruktion, mit der man sich die Erziehungsbedürftigkeit der Menschheit, also den Bedarf an Pädagogen vorführt. Dafür wird die heutige Aufrüstung genauso benutzt, wie die Umweltverschmutzung oder der Drogenkonsum: Je nachdem, was gerade als öffentliches Problem gilt, entdecken Pädagogen, daß es sich hier um einen Konflikt handelt, der in ihre Zuständigkeit fällt, also als eine Frage gelungener oder mißlungener Menschenbildung verhandelt zu werden verdient. Da greifen sie in altbewährter Manier auf ihr pädagogisches Menschenbild zurück: Nach diesem steht der Mensch immer kurz vor dem Abgrund zum Untier, wenn, ja wenn nicht der Pädagog ihn. in die Menschlichkeit zurückrisse, was in der jetzigen konjunkturellen Phase sich dahin konkretisiert, daß Ängste, Aggressionen und verwandte Triebe den heutigen Menschen zu kriegerischen Handlungen verführten, wenn, ja wenn nicht der Pädagog... Politiker kommen in diesem Szenario durchaus auch vor, nämlich als mehr oder weniger gelungene Resultate von Erziehung, also als Ausdruck der mangelhaften Menschennatur, mit der die Pädagogik ewig zu kämpfen hat.

Rollenspiel "Blitzkrieg"

Wie sehr diese luxuriöse Stellung, aus der stattfindenden Aufrüstung eine Gelegenheit zu machen, der Erziehung das Schild friedenssichernd, also Friedenserziehung, umzuhängen, von dem Einverständnis mit den politischen Maßnahmen der Kriegsvorbereitung lebt, läßt sich an den didaktischen Empfehlungen studieren, die zur Zeit den Büchermarkt überschwemmen: Da wird z.B. das Rollenspiel "Blitzkrieg" vorgeschlagen, bei dem die Schüler in der Rolle des Bundeskanzlers, eines Militärexperten etc. angesichts einer vorgestellten Krisensituation über die Notwendigkeit eines bundesrepublikanischen Erstschlags gegen die Sowjetunion entscheiden sollen. Gelingen kann dieses Spiel freilich nur, wenn man an die Stelle der politischen Realität eine "realistische" Konstruktion aus all den Ideologien setzt, mit denen hierzulande das politische Geschäft gerechtfertigt wird.

"In einem Land der Dritten Welt ist es zu einer ernsthaften Konfrontation zwischen den USA und der SU gekommen. Es besteht die Gefahr, daß Rußland durch einen Blitzkrieg Teile der BRD besetzt, um seine Verhandlungsposition zu verbessern. Die verschiedenen Aspekte und Informationen, die bei der Beurteilung der simulierten Krisensituation berücksichtigt werden sollen... ergeben zusammen ein widersprüchliches Bild von der Bedrohlichkeit der Lage. Der Sinn der offenen Spielgestaltung besteht darin, daß der Spieler die vorgegebenen Materialien mit seinen eigenen Handlungsorientierungen kombinieren muß. Der Spielverlauf und das Ergebnis dokumentieren... wie die Teilnehmer mit Konflikten umgehen, wie sie Informationen zur Durchsetzung von Entscheidungen auswählen und handhaben, die ihren subjektiven Sicherheitsvorstellungen entsprechen." (I, S. 115/116)

Daß das hiesige Militär ganz im Gegensatz zur Aggressivität der Russen den moralisch einwandfreien Zweck Verteidigung hat, ist hier ebenso, unterstellt, wie die Tatsache, daß Verteidigung keineswegs Kriegsverhinderung heißt, daß man sich also daran zu gewöhnen hat, daß die BRD durchaus Interessen kennt, die einen Krieg notwendig machen.

Der Schüler wird in diesem Spiel also darauf verpflichtet, sich zum Krieg vom Standpunkt des bundesrepublikanischen Interesses zu stellen, als Teilnehmer des "Nationalen Krisenstabes" hat er seine "Entscheidung" z.B. von der Frage abhängig zu machen "Wie werden Menschen auf die ungeheuren Verluste reagieren, die bei einem Atomkrieg zu erwarten sind?", also die Opfer der eigenen Bevölkerung nur unter dem einen Gesichtspunkt interessant zu finden, ob sie der Kriegsführung nicht hinderlich werden könnten. Als einer, der von solchen militärstrategischen Kalkulationen bestenfalls als deren Material betroffen ist, soll er sich fiktiv auf den Standpunkt nationaler Kriegsführung stellen. Die Leistung dieses Spiels besteht also darin, die unterstellten nationalen Kriegs- und Friedensnotwendigkeiten dem Schüler als Spielmaterial, als Chance für die Bildung seines mangelhaften Charakters und für die Herausarbeitung eines "persönlichen Verantwortungsgefühls" an die Hand zu geben. Die Entscheidung, einen Krieg zu führen oder nicht, soll nun nicht einem nationalen Standpunkt geschuldet sein, sondern soll Ausdruck "subjektiver Sicherheitsvorstellungen" sein, als ob man, wenn man um seine persönliche Sicherheit besorgt ist, je auf die Alternative Krieg käme. Krieg, so lautet hier die Lehre, ist eine zutiefst menschliche Frage, ist er doch Ausdruck einer persönlichen Handlungsstrategie, so daß, wer über Krieg und Frieden richten will, am besten mit der Erforschung des eigenen Gewissens anfängt. Worin besteht also das

Lernziel "Friedensfähigkeit",

das hiermit gelernt werden soll? Es besteht in der Einsicht, daß Krieg eine Frage mangelnder Friedensfähigkeit ist, also die Notwendigkeit von Friedenserziehung beweist. Wie sehr jeder von uns ohne Friedenserziehung ein Sicherheitsrisiko ist, wie sehr es also "Entspannung und Abrüstung auf Basisebene" braucht, sieht man am Kriegsspielzeug genauso wie an der Westernlektüre:

"Auch die Lust am Grauen, an offener und subtiler Gewalttätigkeit verkauft sich immer besser, wird in Western- und Krimiserien... konsumiert. Die Geschäfte mit Kriegsspielzeug gehen täglich von der Hand... Solange die hier tägliche Erziehung zur Lust an der Gewalt nicht erkannt und begrifffen wird, muß jede Friedenserziehung oberflächlich und unwirksam bleiben" (Jahrbuch für Lehrer 6, S. 53/54)

Wenn Kinder beim Krieg-Spielen Gewalt zum Zweck hätten, dann würden sie wohl kaum an einem Spiel Vergnügen finden; aber die pädagogische Deutung macht sich sowieso unabhängig vom Zweck, den das Kind beim Spiel verfolgt, wenn sie es beurteilt. Ganz gleich, worum es dem Kind geht, soll beim Kriegspielen nämlich eigentlich was ganz anderes vorliegen: das Erlernen eines Handlungsprinzips, das das Kind hinfort bestimmt. Hier wird das Spiel gleichgesetzt mit der pädagogischen Wunschvorstellung, als didaktisches Mittel eingesetzt, könne das Kind sich seiner charakterprägenden Wirkung nicht entziehen, um am negativen Extrem "Erziehung zu Lust an der Gewalt", die verheerende Wirkungen des Fehlens von verantwortlicher Erziehung zu demonstrieren. Hierfür tut der Krieg gute Dienste. Wenn man ihn als Konsequenz gelernter Aggressionsneigung und somit als Äußerung von Gewaltlust bestimmt.

Wenn noch der Krieg beweist, daß die Welt an der Verderbtheit der Menschen krankt, dann ist Moralerziehung - so alt wie die Pädagogik selbst - heute Friedenspädagogik.

Und diese Moralerziehung besteht einerseits im Lernziel "Kritischer Staatsbürger", der jede Äußerung seiner Politiker auf Wortwahl, Satzbau, Rhetorik - nur nicht auf ihren Inhalt - zu hinterfragen gelernt hat, andererseits in der verständigen Einsicht, daß ein tatkräftiges Mitmachen als Bürger den anständigen Menschen auszeichnet:

"Als Grundlage einer langfristig wirksamen Friedenserziehung haben deshalb Praktiker und Wissenschaftler soziales Lernen erkannt, das die eigene Interessensvertretung wie die Fähigkeit, in der Gruppe zusammenzuarbeiten, die Schwächeren nicht zu diskriminieren und Vorurteile gegenüber Minderheiten und Außenseitern abzubauen, umfaßt." (11, S. 55)

Das alte Ideal "kritischer" Pädagogen, was ein gelungenes Erziehungsprodukt sei, das mache sich für Gesellschaftsveränderung zugunsten der "Unterprivilegierten" und für mehr Demokratie stark, ist also passe. Gesellschaftsverändernd wirkt heute, wer sich selbst als einzigen Adressat von "Veränderung" im Sinne christlicher Nächstenliebe sieht.

Motivation Neutronenbombe

Ob diese Erziehung gelingt, entscheidet sich laut Pädagogik in der Schule, so daß nun unter dem Titel Friedenspädagogik alles, was über gelungene Schule entscheiden soll vom Schüler-Lehrer-Bezug bis zum "heimlichen Lehrplan" - als für die Herausbildung von Friedensfähigkeit entscheidend neu ersteht.

"Neben den Inhalten des Lernens und Lehrens müssen wir auch die Formen bedenken - Schulen z.B. werden im Jargon nach wie vor nicht umsonst als 'pädagogische Front' bezeichnet, wo Schüler auf Lernziele abgeschossen und in Treffer und Nieten sortiert werden." (Aus dem Aufruf: Pädagogen gegen Rüstungswahnsinn)

Lernziele sollen also nicht nur dafür verantwortlich sein, daß sie von vielen Schülern nicht erreicht werden - gerade als würden die Schreib- und Rechennieten, die die Schule verlassen, nicht der Beweis für das glatte Gegenteil sein, daß es offenbar in der Schule auf das Erreichen der Lernziele gar nicht ankommt - sondern dabei soll auch noch, wie der Diktion zu entnehmen ist, die Frage von Krieg oder Frieden entschieden werden. Wenn heute alle pädagogischen Ideale über einen gelungenen Unterricht in der Schule einen neuen, friedensentscheidenden Anstrich haben, dann kommt es auf den Unterrichtsinhalt eben in der einen Hinsicht an: Er wird als Material begutachtet für das Gelingen von "lebendigem" Unterricht. Unter diesem Gesichtspunkt läßt sich der Neutronenbombe ein aparter Vorteil abgewinnen:

"Das Beispiel Neutronenbombe scheint uns sachlich und lernpsychologisch besonders geeignet... Dabei ist uns klar, daß das ausgewählte Material weniger die Qualität einer wissenschaftlichen Sachinformation hat... entscheidend ist, daß es die ihm zugedachte motivierende Funktion erfüllt." (Materialien zum Unterricht 4, S. 141/151)

Als Motivation für einen Unterricht betrachtet, in dem die Schüler mitmachen, hat die Neutronenbombe also einiges für sich und diesem Kriterium wird die "Qualität" der Sachinformation locker untergeordnet. Sollte ein Schüler fälschlicherweise darauf verfallen, die Ausmalung der Zerstörungswirkung dieser Waffe als Agitation gegen diese Bombe, statt als Motivation für den Unterricht zu verstehen, so erfährt er schon am Arbeitsauftrag, spätestens aber bei der "Lernzielkontrolle", daß er den Zweck der Unterrichtsstunde verpaßt hat: Auf einem Arbeitsblatt hat er aus dem vorgegebenen Material -

"Auseinandersetzung zwischen einem Friedensforscher und einem General über die Neutronenwaffe" (ebd., S. 163) -

die aufgeführten Vorteile und Nachteile zu sammeln. Mit dieser Aufforderung, sich methodisch über die vorgetragenen Argumente zu stellen, sie also nicht auf ihre Gültigkeit zu überprüfen, sondern sie als mögliche Positionen gelten und sich gegenseitig relativieren zu lassen, läßt der Lehrer im Unterricht durchführen, daß es auf den Inhalt als Material ankommt, an dem der Schüler sich als engagierter Mitmacher der Stunde zu beweisen hat. Unterstellt ist bei dieser Methode die Aufrüstung als Unterrichtsrenner zu behandeln, an dem der Schüler sich zu bewähren hat, denn schließlich gibt es ja auch noch Noten - das Einverständnis mit den Maßnahmen der Politik. Nur auf der Grundlage leistet man sich, eine Aufrüstungsmaßnahme, über die von oben längst entschieden ist, als etwas zu behandeln, das sachlich so gleichgultig ist, daß es als Material für die Kunst des Wägens von Gegenpositionen gerade taugt.

Als Lieferanten aktueller Unterrichtsthemen hat die Pädagogik auch prompt die Friedensbewegung entdeckt:

"Für keinen schulischen Gegenstandsbereich hängt die Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit unterrichtlicher Vermittlung so sehr von der Einbindung in die aktuelle gesellschaftliche Realität ab, wie für die Friedenserziebung. Diese Realität ist heute gekennzeichnet von einer Vielzahl von Appellen, Resolutionen... Insbesondere der Krefelder Appell eignet sich - im Sinne wirklichkeitsbezogener Demokratie-Erziehung - für reale Unterschriftenaktionen unter Schülern und Lehrern, weil er auf zwei knappe Forderungen beschränkt ist und damit die Unterstützung von Personen ermöglicht, die im übrigen unterschiedliche politische Auffassungen haben." (Begriff Erziehung, Juli/August '81)

Der Inhalt des Appells ist nicht der Grund, warum die Schüler ihn unterzeichnen sollen, deshalb werden für diese "reale Unterschriftenaktion" auch nicht die Ziele dieser Plattform angeführt, sondern die Ziele interessieren unter dem Gesichtspunkt, inwieweit sie eine schulische Benutzung des Appells erlauben: 1.) sind es bloß zwei, 2.) sind es welche, die sich mit den unterschiedlichsten politischen Standpunkten vereinbaren lassen. Man will also ausdrücklich nicht für die Forderung Partei ergriffen haben, die Regierung möge die Pershing II nicht stationieren, daher hebt man hervor, daß man damit Personen unterstützt haben will, statt der Forderung, womit man, weil Personen unterschiedlicher politischer Standpunkte, gar nichts Bestimmtes unterstützt habe und gerade darin soll die Eignung des Appells als Unterrichtsmaterial liegen.

Friedenspädagogen denken also gar nicht daran, politische Zielsetzungen der Friedensbewegung zu teilen und befördern zu wollen, ihnen ist die Friedensbewegung, was noch jedem Deutschlehrer die Welt der Politik schon immer war: Ein aktuelles Thema zur Belebung des Unterrichts, zumal sich aus der Aktualität so schön ein moralischer Appell an den Schüler machen läßt, für dieses Thema habe man sich aber nun wirklich zu interessieren. So nimmt es auch nicht Wunder, daß Pädagogen die Leistung von Friedensaktionen wie einer Ausstellung zum Thema Militär in folgendem sehen:

"Weit wichtiger als das durch die Ausstellung geweckte bzw. verstärkte Bedürfnis nach friedenspolitischen Informationen.., ist der Wunsch, über konkrete, selbst begehbare Wege in der Friedenspolitik unterrichtet zu werden. Das heißt, das Friedensproblem wird ungern an Berufspolitiker delegiert. Man will nicht wissen, wie man die 'hohe Politik' zu einer effektiveren drängen kann, sondern es besteht ein starkes Bedürfnis, selbst etwas für den Frieden tun zu können. Ratlosigkeit was man tun könnte, wie man etwas tun könnte.." (Arbeitsgemeinschaft Friedenspädagogik, S. 97)

Friedensbewegung Pädagogik

Als Gütesiegel für den Lernprozeß, der hier stattgefunden haben soll, gilt, daß die Ausstellungsteilnehmer der Inhalt und Zweck der Politik in Sachen Krieg und Frieden wenig interessiert, daß sie statt auf die Politik Einfluß nehmen zu wollen, die sie zu allen Freiheiten der Außenpolitik delegiert haben, ihr Bedürfnis nach (Friedens-)Pädagogen zum besten geben. Ausgerechnet Leute, die die pädagogische Sichtweise, Frieden falle ganz in die Zuständigkeit der eigenen Charakterstärke und ernötige daher die pädagogische Anleitung zur Friedensfähigkeit, längst übernommen haben, werden hier als Beleg zitiert, wie sehr es der Menschheit an friedenspädagogischer Anleitung fehlt. Und weil das das einzige Interesse einer Pädagogik ist, die sich heute Friedenspädagogik nennt: Anläßlich von Krieg und Frieden die Erziehungsbedürftigkeit und damit die Wichtigkeit dieser Zunft zu demonstrieren, gipfelt dieses Parasitentum am Krieg in folgender Friedensaktivität:

"Ein Beispiel für Friedenserziehung von Hausfrauen und Müttern... sind Elterninitiativen, die sich an der Planung und Gestaltung der Schulgebäude und -räume... zu beteiligen versuchen. Hausfrauen und erwerbstätige Mütter zusammen mit Lehrerinnen und Erzieherinnen, die in Gewerkschaften organisiert sind, haben sich für kleinere Klassen und für mehr Planstellen für Lehrer und Erzieher eingesetzt..." (II, S. 58)

Je mehr Krieg also, desto wichtiger ist es, daß es mehr Pauker gibt!

Daran ist soviel richtig, daß für den Glauben an die offiziellen Ideologien und für den staatsbürgerlichen Gehorsam auch und gerade unter dem Ideal der Friedenspolitik die Lehrer wirklich unverzichtbar sind. Dafür hat es aber immer schon genug Lehrer gegeben, und die Klassen waren auch nie zu groß.

I - H. Schierholz; Frieden, Abrüstung, Sicherheit. Didaktisches Sachbuch

II - Jahrbuch für Lehrer

"M1: Die Entwicklung der Zerstörungskraft von Waffen

Tötungsindex (*)

Wurfspieß 18

Schwert 20

Pfeil und Bogen 20

Armbrust 32

Feldschlange, 12-Pfünder, 16. Jahrhundert 43

Hinterlader-Gewehr, Ende 19. Jahrhundert 230

Magazin-Gewehr 1. Weltkrieg 780

Feldgeschütz Typ Gribeauval, 12-Pfund-Granate

18. Jahrhundert 4.000

Maschinengewehr, 1. Weltkrieg 13.000

Maschinengewehr, 2. Weltkrieg 18.000

Feldgeschütz, Explosivgranate 75mm, Ende 19. Jahrhundert 34.000

Tank, 1. Weltkrieg (1 MG, 2 Bomben) 68.000

Flugzeug, 1. Weltkrieg (1 MG, 2 Bomben) 230.000

Feldgeschütz, Explosivgranate 155mm, 1. Weltkrieg 470.000

Haubitze, Granate mit Annäherungszünder, 155mm

2.Weltkrieg 660.000

V-2 Rakete, 2. Weltkrieg 860.000

Panzer 2. Weltkrieg (1 Kanone, 1 MG) 2.200.000

Jabo, 2. Weltkrieg (8 MG, 2 Bomben) 3.000.000

Hiroshima-Bombe 20 Kilotonnen TNT 49.000.000

Kurzstreckenrakete Type Lance mit 0,05Kt Sprengkopf 60.000.000

Kurzstreckenrakete Type Lance mit 1Kt Sprengkopf 170.000.000

Phantom-Jagdbomber mit einer Bombe B-61, 350Kt 6.200.000.000

Mittelstreckenrakete, franz. Modell M-20, 1 Mt 18.000.000.000

Interkontinentalrakete, sowj. Typ SS-18, 25 Mt 210.000.000.000

(*) Der Tötungsindex wurde auf Grund folgender technischer Daten berechnet:

  • Feuergeschwindigkeit: höchste mögliche Sequenz pro Stunde, ohne Beachtung logistischer Probleme (z.B. der Munitionszuführung).
  • Zahl der möglichen Ziele pro Einsatz: als Einzelziel wird ein Mensch angesetzt, der aus Vergleichsgründen als ungeschützt im Terrain angenommen wird.
  • relative Wirkung der Waffe: aus den Annahmen geht hervor, daß durchwegs mit einer Tötungswahrscheinlichkeit von 50 Prozent gerechnet wird.
  • die wirksame Reichweite.
  • die Trefferwahrscheinlichkeit, anhand einer Streuskala.
  • die Zuverlässigkeit der Waffe (z.B. Versager), anhand einer Skala.
  • Mobilität als Wurzel aus der Höchstgeschwindigkeit.

Bei den Kernwaffen wurde lediglich die Druckwirkung, nicht aber Hitzeblitz und radioaktive Strahlung berücksichtigt.

In der Bundesrepublik sind die folgenden in der Tabelle angeführten Nuklearsysteme stationiert: Raketen Lance, Haubitze M109, Jagdbomber F-4 Phantom.

Die Anordnung der einzelnen Waffen ist nicht absolut chronologisch, folgt jedoch in etwa dem Zeitverlauf."

(Quelle: I, S. 61)