KRIEG IM LIBANON

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Dieser Artikel ist in der MSZ 1-1984 erschienen.
Systematik: 

KRIEG IM LIBANON

Nein, es ist kein undurchschaubar-dschungelmäßig religiös-nationalistisch-irrationaler Bürgerkrieg, in den die US-Streitkräfte im Libanon sich tolpatschig einmischen.

Nein, der Libanonkrieg ist kein zu grob gewähltes Instrument, um Freundschaft zwischen Israel und Syrien zu stiften. Nein, die US-Truppen sind nicht ins östliche Mittelmeer und nach Beirut geschickt worden, um möglichst bald "ohne Gesichtsverlust" wieder abzuziehen.

Nein, die USA tun dem Krieg, den sie im Libanon führen, nicht Unrecht, wenn sie ihn zu einer Front in ihrem Kampf gegen Einfluß und Macht der Sowjetunion ausgestalten.

Nein, auch das ist nicht wahr, daß die US-Regierung unschlüssig und schlecht beraten zwischen militärischen "Drohgebärden" und konzeptionslosen Beschwichtigungen schwankt.

Der aktuelle Streitpunkt aller "innerlibanesischen" Parteien ist durch den amerikanischen Entschluß gestiftet, eine verläßliche innerlibanesische Front gegen Syrien aufzubauen. Die amerikanischen Militäraktionen wollen der syrischen Macht den Rückzug aufzwingen; dafür dient ihnen Israel als stets einsatzbereite Bastion. Für diese "Lösung" stellt die US-Armee sich ins Land und überfliegt es mit Flugzeuggeschwadern, um dann "zurückzuschießen". Der strategische Hauptzweck dieses Krieges liegt in der Schädigung der sowjetischen Macht, die Syriens Politik unterstützt, um auf ein Stück syrischer Bündnistreue rechnen zu können. Unberechenbar zu werden in der strategischen Hauptfrage, wie weit sie es mit diesen praktischen Tests auf die sowjetische Nachgiebigkeit treiben wollen: darauf zielen die USA mit ihrer Kriegspolitik der begrenzten Vorstöße. 'Solange noch Syrer im Libanon und Sowjets in Syrien sind, gibt es keinen Frieden in Nahost' - diesen "Befund" stellen die demokratischen Friedenstruppen im Libanon her. Das ist der Erfolg ihrer Mission.