KRAWALLANTEN IN DER EIDGENOSSENSCHAFT

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Dieser Artikel ist in der MSZ 6-1980 erschienen.
Systematik: 

Schweiz
KRAWALLANTEN IN DER EIDGENOSSENSCHAFT

Die Schweiz, international bekannt und gerühmt als Insel der Stabilität und Hort liberaler Gutbürgerlichkeit, hat seit dem Frühsommer dieses Jahres auch ihre "politischen Unruhen": Eine sogenannte Jugendrevolte mit Zentrum in Zürich und Ablegern in Basel und Bern, neuerdings auch in der Welschschweiz.

Während das Begehren einer "Jugendbewegung" nach einem "Autonomen Jugendzentrum", das zu zahlreichen Demonstrationen und Straßenschlachten führte, in der Eidgenossenschaft selbst die auch hierzulande bekannte Reaktion auslöste - einerseits öffentliches Rätselraten über "Beweggründe" und Mutmaßungen über eventuelle Versäumnisse beim Umgang mit dem Nachwuchs, andererseits massiver Polizeieinsatz mit Wasserwerfern, Tränengas, Prügel und Hartgummikugeln, erweckten die Zürcher Straßenschlachten bei zwar wenig repräsentativen, aber fachmännischen Beobachtern in der BRD alte Hoffnungen:

"Unsere Aufmerksamkeit für Zürich (Amsterdam, Freiburg, Bremen) braucht kaum begründet zu werden. Im Rahmen der schaurig-schlechten weltpolitischen Konjunkturen und eigener Ratlosigkeit nährt vor allem Zurich die Hoffnung, daß die Einbetonierung des öffentlichen Bewußtseins, die repressive Befriedung der gesellschaftlichen Auseinandersetzung nicht vollziehbar ist." (Asta-Info Frankfurt/Main, Nr. 11/80)

Die Bewegung

Dabei fing alles sehr harmlos an, was auch in der Schweiz nicht heißt, daß Harmlosigkeit in der Zielsetzung politischer Aktion die Staatsgewalt veranlaßt, die Glacehandschuhe anzuziehen, wenn sie die Ordnung gefährdet sieht. Zu einer Demonstration vor der Zürcher Oper wurde mit folgendem Flugblatt aufgerufen:

"Einladung zu einem unvergeßlichen Opernabend. Alljährlich verschlingt die Oper 20.000.000 Franken Subventionen und soll noch zusätzlich für 60.000.000 Franken umgebaut werden. Verschwindend klein hingegen ist die Unterstützung der weniger etablierten Kultur - Unkommerzielle Veranstaltungen mit Rock, Pop, Punk, Theater, Film und etc. - WEHRT euch gegen die UNGERECHTE Verteilung der städtischen Kulturausgaben... DARUM kommt alle am 30. Mai um 18.30 auf die Sechse-Läuten-Wiese beim Bellevue."

Das zunächst durchaus gestattete Anliegen, eine Umverteilung öffentlicher Gelder zugunsten der eigenen kulturellen Vorlieben zu verlangen, nicht einmal verbunden mit der Forderung nach Schließung der Protzoper, ist sicherlich nichts Revolutionäres. Als aber im Zuge einer "halbstündigen gewaltfreien Sperre des Opereingangs" ein paar Abendkleider und Smokings von vorsorglich mitgebrachten Eiern bekleckert wurden, gab die Polizei die Knüppel frei und prügelte der Protestaktion die Qualität eines Widerstandes gegen die Staatsgewalt ein, verschaffte der damit geborenen Bewegung mit der bei solchen Einsätzen üblichen Brutalität ihre ersten Opfer, was zu einer ganzen Reihe von Straßenschlachten führte, die erst recht eskalierten, als das jungen Leuten zwischenzeitig überlassene "Autonome Jugendzentrum Limmatstraße" gewaltsam geräumt wurde. Jugendliche, denen, was auf der Welt geschieht, zunächst herzlich gleichgültig ist, wenn sie ihre Sorte Freizeitgestaltung rockig, poppig mit Film und Theater genießen dürfen, ohne daß ihnen gleich erwachsene Ordnungskräfte auf die Finger steigen, sahen sich durch die Staatsgewalt in diesem Vergnügen beschränkt, welches dadurch zum politischen Programm des "Autonom-Seins" gegen eine "Packeisgesellschaft" wurde und lieferten sich mit einer immer kräftiger zuschlagenden Polizei Scharmützel, so daß diese Konfrontation schließlich immer mehr zum verbindenden Element der Bewegung wurde. Für das Sprachrohr der Schweizer Bourgeoisie war damit der Spaß vorbei und die "Neue Zürcher Zeitung" sortierte den Anlaß des Protests und seine Verlaufsformen in "anarchistische Krawallanten" und "echte Jugendliche" auseinander:

"Tatsächlich aber haben gerade die nach bekannter Stadtguerillamanier inszenierten Einzelaktionen in der Altstadt deutlicher dea je gezeigt, daß da ein Kern von Anarchisten und Extremisten, wohl auch mit gehöriger taktischer Erfahrung, am Werk ist, dem es um 'nackte Gewalt' und systematische Zerstörung der staatlichen Ordnung geht - ein Kern von Krawallanten, den es von jenen Jugendlichen zu isolieren gilt, die echte Anliegen haben, aber sich leicht mitreißen lassen."

Der Banklehrling, der nach Büroschluß, und der Oberschüler, der nach Schulschluß im AJZ vorbeischaut, kann sich bei seiner ungezwungenen Freizeitgestaltung auch noch ein bißchen "anders" vorkommen (was sich schon mal in eine Demo-Teilnahme ummünzen läßt, wenn man ihm seinen Schuppen wegnehmen will). Dabei passiert es dann leicht, daß er z.B. mit einem arbeitslosen Jugendlichen (die es auch im Schweizer Musterländle gibt) aneinandergerät, der aus der Tatsache, daß niemand seine Arbeitskraft benutzen will und er deshalb kein Geld hat, einen Anlaß macht, ebenso großsprecherisch wie reizbar zu sein. Dann artet die Freizeit leicht in eine Schlägerei aus; und der "Freiraum" des AJZ begünstigt dies auf seine Weise sicher nicht weniger als die offiziellen Formen der Verwahrlosung der Jugend. Solche Vorfälle ebenso wie extensiver Alkoholkonsum oder organisierter Haschumschlag bringen dann eine Einrichtung ins Gerede, die man vorher gewähren ließ, gerade um vom öffentlichen Anblick und der damit einliergehenden Belästigung verschont zu bleiben. So können ehrbare Vereinigungen wie die Zürcher Sozialdemokratie einmal auf die Idee kommen, die Schirmherrschaft über das AJZ zu übernehmen, weil man sich damit einige Elemente des "Jugendproblems" vom Halse hält, und auch in der Schweiz gibt es "kritische" Sozialarbeiter noch und noch, die darin ein interessantes Experiment sehen, für das man sich - noch dazu für Geld - engagieren kann. Die gleiche NZZ, die im Zürcher AJZ einen Hort des Anarchismus und der Drogenszene ausmachte, weil es von dort aus zu einer Störung der Ruhe und Ordnung kam, ist durchaus mit einem parallelen Berner Versuch einverstanden, bei dem es die "positiven Kräfte" verstanden haben, "asoziale Elemente" wie "Hänger" und "Alkies" unter Kontrolle zu halten:

"Das unter dem Eindruck der Zürcher Globuskrawalle von 1968 bestehende autonome Jugendzentrum hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten recht gut bewährt."

Liberalismus verrückt

Der Liberalismus Schweizer Machart, der die Existenz einer Sphäre der Freiheit des Privatmenschen mit der Subventionierung der Spinnereien von Kulturschaffenden und -genießenden demonstrativ anerkennt (und gerade Zürich hat eine ausgedehnte Kulturszene), ist nach dieser Seite ebenso Nährboden für die "Jugendbewegung", wie er es ist, wenn er denselben Leuten gegenüber unter Einsatz seiner Gewaltmittel klarstellt, daß sie sich sonst nichts herausnehmen dürfen, sondern daß zur Freiheit Recht und Ordnung schon dazugehören. Daß Demokratie und Staatsbürgermoral, die sich freiwillig an die Gebote des Staats hält, das Parieren des Privatmenschen gegenüber den Schranken bewirken, die die öffentliche Gewalt ihm setzt, haben die Anhänger der "Alternativkultur" da, wo sie die Knüppel der Polizei zu spüren bekamen, wahrgenommen - aber nur, um so zu tun, als gebe es keine Gründe dafür, als gebe es die "Packeis-Gesellschaft" nur wegen eines unerklärlichen Triebes der Leute zum Mitmachen, als könne man sie auf der Stelle beseitigen, wenn einen selber der Trieb zum Aussteigen überkommt:

"Nichts ging mehr - bis jetzt am dreissigsten Mai: heiliger Strohsack - wie da die Augen glänzten, und nicht etwa aus Haß, kein Fanatismus - nein, man spürte sich selbst wieder einmal. Es war die Medizin für Herz und Seele, wenn eine Scheibe zerborst... Keiner, auch wir selbst nicht, konnte sich vorstellen, wie es überhaupt so weit kommen konnte, aber es kam, einfach so, wie ein Gewitter aus heiterem Himmel. Die Anderen sind jetzt ein klein wenig aus dem Konzept gebracht, sind unsicher, und WIR, wir sind fröhlich, haben mal endlich einen herrlichen Power und LEBEN wieder. " (Das im "heißen Sommer" entstandene Schweizer Sponti-Blatt "Stilett")

Die Schranken des alltäglichen Funktionierens in der bürgerlichen Gesellschaft ganz einfach ignorieren, so tun, als komme es aufs Individuum an, und in der Augenblicksrevolte den Repräsentanten der Staatsgewalt Pflastersteine als Symbole des "Lebens" entgegensetzen und sich dabei ganz bei sich fühlen: Dieses Rezept für Staatsgegnerschaft muß man sich, aller "spontanen Wut-Ausbrüche" zum Trotz, schon leisten können. Und so dominieren unter den "Krawallanten", die das Motto "Mached usem Staat Gurkesalat!" zu praktizieren versuchten, entgegen den Beteuerungen von der Anteilnahme "der Jugend" doch diejenigen Teile der Jugend, die im "Kultur"-Betrieb der Gesellschaft ihre Perspektive haben. Nur für solche Leute ist es nämlich wirklich anziehend, sich die Vorstellung von einem "Konsumzwang" zu halten und unter folgender Parole sich am Wochenende mit der Polizei anzulegen:

"nur unsere stärke und unser unbeugsamer kämpferwille rettet uns davor, nicht als kulturleichen beerdigt zu werden, unser kult-ur-schrei hallt durch die betoncity bis hin zum opernhaus, dessen frontscheiben ob dem gewaltigen echo immer wieder bersten." (Flugblatt "Die Krawallisten meinen")

Spontaneismus wiedererweckt

Der praktizierte Spontaneismus der Zürcher "Kulturbewegung" prägt auch die Interpretation, die sie ihren Gegnern und sich selber angedeihen läßt: Von Staat und Gesellschaft wissen sie nichts anderes zu sagen, als daß sie "Packeis" und "Beton" seien (und jeder, der auch bloß den Versuch macht, auf die Gründe und Zwecke von Staat und Kapital hinzuweisen, wird sofort als "Oberlehrer" erledigt).

"Es mag ja sinnlos sein, Steine zu werfen, ABER HÖRT ENDLICH AUF, SINNVOLL ZU SEIN, denn sinnvoll ist ein Wort der Anderen. WIR haben nichts damlt zu tun. Handelt nur noch nach dem Gefühl. Und wenn ihr genügend Haß verspürt, dann schmeißt eben die Scheiben vom Opernhaus, von der NZZ und vom Odeon ein, plündert, brandschatzt, aber diskutiert nicht lange daran herum, ob es jetzt einen Sinn habe oder ob es der 'Bewegung' schade... Deshalb - laßt das unbekannte Tier in euch selber los, laßt es Betonklötze niederreißen." (Stilett)

Dies die reaktionäre Seite des Spontaneismus: Wie jeder brave Untertan glaubt er das Märchen vom Tier im Menschen; die staatstreue Fortsetzung, daß deshalb der Staat sein muß, der die Bestie zähmt, dreht der Sponti aber um und macht daraus das wahrhaft Menschliche. Daß seine Weltanschauung radikal psychologisch ist, beweist er auch damit, daß er nur deshalb keinen Staat als äußere Schranke haben will, weil er sich selber bezähmen will und sich einbildet, er sei zugleich Wolf und Lämmchen; seine "Solidarität" bringt das "Packeis" durch "Emotionalität" zum Schmelzen:

"Wir träumen von einer besseren Gesellschaft. Wir träumen von einer Gesellschaft, die auf zwischenmenschlichen Beziebungen basiert und auf Liebe. Die Macht hat hier nichts zu suchen, die große Macht, die Minderheiten unterdrückt." (Ein "Krawallant" in der HR-3-Sendung "Jugend in Zürich: Die große Verweigerung")

Die Un-Moral des Bürgerschrecks vereinbart sich eben bestens mit der Pfaffenmoral der Nächstenliebe, wenn beides aus einem "autonomen Subjekt" kommt!

Die Reaktionen von Staat und Volk

In den Reihen der "Jugendbewegung" herrscht über die Macht des Staates und seiner Institutionen eine Meinung vor, die das Autorenteam "O-the-Punk and Redshoe" in der Alternativzeitschrift "tell" ( und zwar noch im Oktober, als die "Krawalle" doch schon etwas abgeflaut waren!) wie folgt zusammenfaßt:

"Fangen wir mit der Binsenweisbeit an, dass die politischen Parteien wandelnde soziale Leichname sind, unfähig, dieser maroden Welt den Todesstoss zu versetzen, höchstens dienlich als Go-betweens zwischen revoltierenden Bewegungen und diesem Fehlstaat."

Zu einer "Bewegung", deren Agitation in der "Erfahrung" des Prügel-Beziehens durch die Polizei gipfelt und deren Lebensdauer schon von daher Schranken gezogen sind, gehört ein gerütteltes Maß an Selbstbetrug offenbar dazu - ansonsten braucht man nämlich wirklich keine prophetische Gabe, um angesichts der Wasserwerfer, Tränengasgranaten, Gummigeschosse und Hundestaffeln, die die Polizei gegen die Randalierer zum Einsatz brachte, den Sieger in den gewalttätigen Auseinandersetzungen vorhersagen zu können. Die Polizeigewalt war nämlich die hauptsächlichste Antwort, die der Staat seiner aufsässigen "Jugend" erteilte - und dazu einige hundert Strafverfahren wegen Landfriedensbruch und noch schlimmerer Delikte.

Einen gewissen Anhaltspunkt für ihre optimistische Lagebeurteilung hatten die "tell"-Autoren im Verhalten der Züricher Sozialdemokraten - auch wenn schon eine gehörige Portion Ignoranz dabeisein muß, wenn man deren Verständnis für die "Jugendbewegung" in einen Gegensatz stellt zum Zuschlagen der Polizei.

Daß die politische Kalkulation der Sozialdemokraten in Zürich eine Basis hat, darauf verweist die Tatsache, daß die größte Demonstration mit 8000 Teilnehmern knapp einen Monat nach dem ersten "Krawall" vor dem Opernhaus unter dem Motto stattfand "Keine Polizei, keine Krawalle". Obgleich sie nicht genehmigt worden war, gaben eine ganze Reihe von Bürgern samt mehrerer SP-Politiker damit kund, daß sie die Polizeieinsätze (bei denen auch allerhand Unbeteiligte in Mitleidenschaft gezogen wurden, was die Polizei ganz selbstverständlich einkalkuliert hatte) für eine empörende, weil ganz überflüssige Angelegenheit hielten. Sie erregten sich über das Mißtrauen, das ihre Exekutive Schweizer Bürgern entgegenbrachte (symbolisch hierfür der Pfaffe, der einen Esel (!) mit sich führend, an der Spitze der Demonstranten den Polizeiketten ins Auge sah), wo doch gerade die Schweizer, weil ihr Staat ihnen so viel "direkte Demokratie" erlaubt in Form von Gesetzesinitiativen, Volksabstimmungen und dem Gewehr des Milizionärs daheim im Schrank, ganz mustergültige Staatsbürger mit besonders viel nationaler Verantwortung sind.

Freilich gab es diese Demonstration nur einmal; und je länger die "Krawallanten" sich als solche betätigten, um so eindeutiger beherrschten diejenigen Töne die Debatte, die dem Volksempfinden die unbedingte Parteinahme für Ruhe und Ordnung abgelauscht hatten. Auch in diesen Kreisen beruft man sich auf die Tradition Wilhelm Tells; so forderte die Schweizer Volkspartei die Behörden auf,

"mit aller Entschiedenheit gegen die Delinquenten vorzugehen. Das Klima wurde derart vergiftet, daß ohne eine harte behördliche Hand die Bildung von 'Bürgerwehren' befürchtet werden muß."

Die Inhaber von Läden und Geschäften vor allem in der Bahnhofstraße, die demolierte Schaufensterscheiben beklagten und diverse Gegenstände aus ihrem Eigentum von (offenbar spontan dem Konsumzwang erlegenen) "Plünderern" entwendet sahen, schlossen sich zur "City-Vereinigung" zusammen und erwogen "die rechtlichen Grundlagen des Selbstschutzes". Und am 13.9. konnte die "NZZ" erfreut folgendes vermelden:

"Als Folge der ersten Demonstrationen und Krawalle im Juni haben sich spontan (!) Mittelschüler und Lehrlinge aus Zürich und Umgebung zu einer Aktion 'Pflastersteine sind keine Argumente (!)' zusammengeschlossen, um gegen die gewaltsamen Ausschreitungen zu protestieren."

Daß diese Leute wirklich den "größten Teil der Schweizer Jugend" repräsentieren, ist nicht zu leugnen. Dies führen auch Schweizer Politiker dauernd im Munde, was sie aber nicht hindert, im nächsten Atemzug, ihr Volk zu agitieren mit der "Verletzlichkeit", die der Liberalismus der Schweizer Demokratie angeblich gegenüber "Krawallanten" aufweise. Kein geringerer als Bundespräsident Chevallaz erklärte vor der Winterthurer Offiziersgesellschaft (!):

"Die Subversion einer aktiven und aktivierten Minderheit mit einer von Bürgersöhnen im Westernstil auf die Beine gestellten Organisation bringt eine ordnungsliebende und geordnete Gesellschaft rasch durcheinander, beeindruckt sie und macht sie verletzlich. Und das könnte, liesse man die Dinge gewähren, eines Tages zu einer Schwachstelle in der Verteidigung und damit zum Präludium eines Angriffs von aussen werden." (Tagesanzeiger, 27.9.)

Eine höchst gelungene Verschwörungstheorie! In Wirklichkeit dürfte es sich wohl eher so verhalten, daß der Konservatismus, zu dem sich die große Mehrheit der Schweizer Bürger bei aller Liberalität bekennt, die Übernahme der Staatsdoktrin von der notwendigen "Stabilität" der Schweiz darstellt und diese insofern ihre positive Grundlage "von aussen" hat, als die Schweiz davon lebt, ein Zentrum der internationalen Zirkulation des Kapitals und der internationalen Diplomatie zu sein. Dies mag dann auch ein Grund für die außerordentliche Erregung in der Schweizer Öffentlichkeit über ein paar bockige Jungeidgenossen sein, die selbst die als betont vornehm-zurückhaltend gerühmte "Neue Zürcher Zeitung" dazu ver anlassen, ständig in "Sorge um die Rechtsordnung in dem von Demonstranten verschrieenen Staat" zu sein.