KLARSTELLUNGEN ZU POLEN

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Dieser Artikel ist in der MSZ 5-1980 erschienen.
Systematik: 

KLARSTELLUNGEN ZU POLEN

Mitten in unseren zivilisierten Zeiten entdecken Arbeiter den Streik, richten fast ihren Staat zugrunde und erhalten hierzulande eine Sympathieerklärung nach der anderen. Das hindert ihre Gönner aber keineswegs, der Herrschaft, gegen die sie angetreten sind, mit Krediten unter die Arme zu greifen - denn die Propaganda gegen die politische Herrschaft, für die der angebliche polnische Freiheitswille herhalten muß, verträgt sich bestens mit der geschäftlichen Ausnützung ihrer planwirtschaftlichen Ökonomie.

Daß es den polnischen Arbeitern ausgerechnet ums Fleisch geht, das in den Westen verschoben wird, paßt da nicht ins Bild - oder nur als Beweis für eine der lächerlichen Unfähigkeiten ihres "Systems", ganz so als ob die Ausschließung der Arbeiter von dem, was sie zum Leben brauchen, nicht auch eine Geschäftsbedingung des Kapitals wäre.

Falsche Freunde haben die polnischen Arbeiter genug, neben der westlichen Öffentlichkeit, die hiesigen Linken, die lauter Siege feiern, gegen Bürokratie für Autonomie, gegen Fremdbestimmung für spontane Basisaktivität, und zu allem Überfluß auch noch ihre eigenen Pfaffen und Dissidenten, Ihre Gegner sind nicht nur die "wirklichen Freunde Polens" in Moskau, sondern ebenso die westlichen Interessenten des Polengeschäfts, und als Unterstützung für ihren Kampf sind Ideale, wie Vaterland und Glaube, von zweifelhaftem Nutzen. Zum Streik, zu seiner politischen Auswertung und zu den Aussichten und Absichten der beteiligten Parteien das Nötige in der MSZ.


RECHTSEXTREMISMUS UND DEMOKRATIE

Die Öffentlichkeit stand keineswegs "fassungslos" vor den Opfern des faschistischen Attentats, sondern zog ihre Konsequenzen: Die Bürger riefen nach schonungsloser Strafe; die Politiker erklärten den Staat zum Opfer und demonstrierten noch vor Ort ihre Fähigkeit und ihren Willen, sie zu 'bewahren'. So taugen die Leichen als Argument für die ordentliche Staatsgewalt, deren angebliches Fehlen die Faschisten gewalttätig werden ließ. Die demokratische 'Bewältigung' des Attentats hat den praktischen Beweis geliefert, daß der Gehorsam des deutschen Volkes und das blinde Vertrauen in seine Machthaber Vergleiche nicht zu scheuen brauchen. Deswegen . war der Anschlag auch nicht das Werk von Verrückten, sondern von Einzelgängern.

DIE BEHANDLUNG DES VERRÜCKTEN BÜRGERS

Den Antipsychiatern ist aufgefallen, daß mit den Verrückten brutal umgegangen wird; nicht aber, daß dieser Umgang mit dem guten Gewissen einer demokratischen Theorie gepflegt wird, die alle Argumente für die Gewalt liefert. Deswegen haben sie auch die Psychiatrie nicht richtig kritisiert, sondern sie aus lauter schlechtem Gewissen kritisch erneuert: "Die Patienten sagen: 'Na schön. Ihr habt uns davon überzeugt, daß wir nicht verrückt sind, so wie man uns früher beibrachte, daß wir Ausgeschlossene, Ausgestoßene sind... Was sind wir denn nun eigentlich?'", berichtet Basaglia. Der Beantwortung der Frage, was sie nun wirklich sind und was sich für sie geändert hat, widmet die MSZ eine Artikelfolge.