KAKAO, ÖL UND SCHULDEN

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Dieser Artikel ist in der MSZ 5-1982 erschienen.
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Nigeria
KAKAO, ÖL UND SCHULDEN

Als Prototyp des "neureichen" "Entwicklungslandes mit Rohstoffquellen" mag Nigeria gelten, an dessen "Entwicklungspolitik" deutlich wird, warum eingenommenes Geld auch bei reichlichem Vorhandensein in einem Entwicklungsland nicht zu Kapital wird, keine reale Akkumulation in Gang setzt, als Kapital vielmehr noch in nigerianischen Händen nur für die Staaten fungiert, aus denen es herkommt, deren Kreditgeld es ist. Genau dies ist auch die sichere Grundlage, auf der der Imperialismus seinen gegenwärtigen Umgang mit den südlichen Regionen pflegt.

Nigeria war Kakaolieferant des Westens. Die reichlich erfahrene Abhängigkeit der Exporterlöse, d.h. der Mittel der dortigen Herrschaft, von den "unwägbaren" Konjunkturbedürfnissen westlicher Abnehmerländer lassen den Wunsch nach einer eigenen und sicheren Staatseinnahmenquelle in Gestalt einer "nationalen Industrie" entstehen. Mit Kakao war aber überhaupt nichts drin. Der Übergang zum Ölland schien jedoch das Ideal von der nationalen Entwicklung realisierbar werden zu lassen. Seit den 20er Jahren waren nigerianische Ölvorkommen bekannt, aber noch 1958 nur mit lächerlichen 260.000 to/Jahr ausgenützt. über "natürliche Reichtümer" zu verfügen, ist eben das eine; sie in klingende Münze umwandeln zu können, dafür braucht es in Ermangelung einer eigenen Reichtumsproduktion, die Rohstoffe verwertet und die stofflichen Mittel zu ihrer Förderung zur Verfügung stellt, schon westliche Interessenten, die derartige "Schätze" zu Gegenständen ihres Geschäfts erklären. Aber das ist dann eben ihres. Um 1970 wurde Nigeria von den Ölmultis im Rahmen ihrer weltweiten Erschließung rentabel ausbeutbarer Vorkommen entdeckt und zum - im Vergleich etwa zu Saudi Arabien allerdings zweitrangigen und zusätzlich liefernden - Ölexporteur gemacht. Der Kakaolieferant wurde mit einer neuen Einkommensquelle bedacht. Auch wenn die sprudelnden Öl-Dollars erstmal in Hafenanlagen, Pipelines usw. "investiert" werden mußten - nicht als nötige, dann aber lohnende Unkosten für eigene Geschäfte, sondern um den Abtransport des Öls sicherzustellen, also dem auswärtigen Interesse an den eigenen "Reichtümern" erstmal prinzipiell Genüge zu leisten - das Geld, dessen Fehlen einziges Hindernis auf dem Weg zum "Industrieland" zu sein schien - war nunmehr da.

Ein Binnenmarkt ohne Akkumulation

Weil sich ihr Programm einer "Industrialisierung" naturgemäß an einem Vergleich mit "Industrieländern" und der Feststellung dessen nährt, was einem gemessen an diesen zur Initiierung eines "selbsttragenden Wachstums" fehle, hielten nigerianische Politiker die stoffliche Grundlage einer großen Industrie für unverzichtbar und versprachen sich davon zugleich den Anstoß für nationale Akkumulation: Aufbau einer Stahlindustrie. Die gesamten Produktionsanlagen und dazu noch - in Ermangelung eigener für das Oxygen-Verfahren geeigneter Vorkommen - das gesamte Roherz mußten importiert werden.

Während dies in kapitalistischen Ländern nicht das geringste Problem darstellt, weil und solange sich die importierten Rohstoffe oder Anlagen als Mittel eines Geschäfts erweisen, die getätigten Vorschüsse also vermehrt zurückfließen, sind es in Nigeria die unproduktiven Bedürfnisse der Herrschaft (von Hafenanlagen über Hauptstadt im Busch zu neuen Verwaltungsgebäuden usw.), die der heimischen Stahlindustrie ihren "Absatz" sichern. Als einziger Nachfrager steht der Staat mit seinem Haushalt für den Erfolg einer Industrie gerade, auf den er als seine Einkommensquelle setzen wollte. Dies ist eben das ganze Geheimnis des "zukunftträchtigen" nigerianischen Binnenmarktes, der dem Ideal einer späteren Produktivität der ganzen "industriellen Entwicklung" als Berufungsinstanz erscheint: Jeder Öldollar geht - sofern er nicht direkt in die Hände ausländischer Importeure übergeht - durch zahlreiche schwarze: von den Agenten der Herrschaft und ihren Lakaien bis hin zum letzten Schuhputzer, der aus dem Busch kam, weil für ihn angesichts einer völlig ruinierten Subsistenzwirtschaft die Hoffnung auf einen Brosamen vom Tisch der Herrschaft die einzige Überlebensalternative ist und für 8 Mill. Slumbewohner auch nichts als so eine Chance bleibt. Einkauf von Coca Cola, Lebensmittel, Autos, Maschinen usw. Dieser auf dem "Ölreichtum" der Herrschaft beruhende Markt unterscheidet sich nur in einem, aber dummerweise gerade darin von einem kapitalistischen: Zwar jagen sich manche Geschäftemacher gegenseitig ordentliche Handelsspannen ab, aber es ist keine einheimische Produktion, die in dieser Zirkulation ihren Mehrwert realisiert. Das machen die ausländischen Importeure. Daß an der bürgerlichen Theorie, der Gewinn entstamme der Zirkulation, dem bloß verteuerten Weiterverkauf der Waren, irgendetwas nicht stimmen kann (dann wäre Nigeria wirklich alle Probleme los!), merkt der dortige Staat schlicht an seinem Haushalt: Die Einnahmen aus dem Ölgeschäft wollen in den Import aller Gegenstände jener staatlich inszenierten und finanzierten Nachfrage "investiert" werden, ohne daß eine inländische Akkumulation diese Mittel in die Staatskasse überhaupt, geschweige denn, vermehrt zurückfließen ließe. Das nationale "Entwicklungsprogramm", sich auf Basis der Öl-Dollars, also des Angewiesenseins auf das westliche Interesse am eigenen Rohstoff, zur Sicherung der Herrschaftsmittel von eben jenem Interesse zu emanzipieren, eröffnet dem nigerianischen Staat eben zweierlei: weltweite Kreditwürdigkeit und die Notwendigkeit, sie zu nützen, sich zu verschulden, da sich der Finanzbedarf (was kostet eine Fabrik?) ganz anders ergibt als die ans Öl gebundenen Finanzierungsmöglichkeiten, - eben daraus, was der Weltmarkt als Größe des nötigen Vorschusses definiert hat.

Angebote ans Ausland

An Schwankungen des Ölpreises, an der Abnahme der Fördermengen oder eben einfach daran, daß aus seiner Handelsbilanz nichts Rechtes wird, bekommt der nigerianische Staat den Widerspruch zu spüren, den ihm seine Stellung zum Weltmarkt, in den er einbezogen ist, den er aber nicht zu seinem Mittel machen kann, da er nicht über kapitalistisch produzierte, konkurrenzfähige Waren, sondern nur über Öl verfügt, aufnötigt: Zur Devisenerzielung und -sicherung - das Kreditgeld, über das er verfügt, der Naira, blamiert sich vor der ganzen Welt, weil keine Akkumulation dahinter steht - müssen alle Öl-Dollars fest an ausländische Importeure versprochen werden, da eben kein einziges Bauvorhaben etc. durch eine inländische Firma abzuwickeln geht, und muß das Land selbst auf dieser Grundlage zugleich zur uneingeschränkten Anlagesphäre für das Kapital erklärt werden.

An ausländisches Kapital ergeht das Angebot, nicht nur zu importieren, sondern im Lande selbst Produktionsstätten zu errichten. Hinweise auf die Billigkeit des nigerianischen Ausbeutungsmaterials interessieren westliche Anleger aber nur sehr bedingt:

"...Löhne und Gehälter wesentlich niedriger als in europäischen Ländern. Bei der Berechnung der Arbeitskosten ist jedoch die bedeutend geringere Produktivität des nigerianischen Arbeiters zu berücksichtigen." (IFO 27/80)

- aber die läßt sich dort, wo Absatzchancen und Gewinnsteigerung durch marktnahe Produktion als Argument zählen, noch allemal verbessern. Westliches Kapital ins Land zu holen, - dies wird von Nigeria wenn überhaupt, dann durch massive Abstriche an dem dabei verfolgten Zweck erreicht: durch Verzicht auf interessantere Formen der Gewinnbeteiligung:

"Förderungsmaßnahmen für ausländische Kapitalanleger:

Steuerbefreiung für Pionier-Industrien

beschleunigte Abschreibungen

Zollerleichterungen für den Import von Ausrüstungsgütern

Befreiung von der Körperschaftssteuer auf drei bis fünf Jahre."

usw.

Alles Zugeständnisse, die westlichen Industrieführern nie reichen:

"Amerongen stellte (gegenüber Präsident Shagari in Bonn) klar, daß sich die deutsche Industrie der Attraktivität des nigerianischen Marktes durchaus bewußt sei. Er würdigte das prinzipiell gute Investitionsklima, verwies aber auch auf die Schwierigkeiten, die bei der Abwicklung der Geschäfte auftreten: Zahlungsverzögerungen und Transferhemmnisse."

Shagari versprach Besserung. Das alte Devisenproblem -

"1979 wurde wieder ein großer Teil des Handelsbilanzüberschusses von einem kräftigen Dienstleistungsbilanzdefizit neutralisiert." (NFA 3/81 ) -,

das aus dem Rücktransfer der ausländischen Kapitalgewinne resultierte, wurde zwar kompensiert

"Anstieg der Kapitalimporte..."

aber nicht gelöst, weil vermehrte Investitionen in die "Zukunft Nigerias" nur wieder verstärkten Rücktransfer der Gewinne bedeuten.

Das - wie westliche Interessenten noch vor kurzem befanden - "äußerst rege Wirtschaftsleben" Nigerias ist das schiere Gegenteil einer Annäherung an das "Vorbild der westlichen Industrienationen": Völlig undenkbar etwa in der BRD, daß der Einstieg in die entsprechende Produktion allein deswegen für attraktiv und staatlicherseits für förderungswürdig befunden wird, weil viele Nylonhemden importiert werden. Das entscheidet sich ganz nach Maßgabe des Profits, und für ihn werden die entsprechenden Betriebe oder ganze Branchen hier still- und ins Ausland verlegt.

Der vom Standpunkt einer Importsubstitution her in Angriff genommene nigerianische "Industrieaufbau" erfolgt hingegen ganz nach diesem doppelten Kriterium; einerseits danach, welche Waren in besonderem Maße importiert, also zur Belastung der Devisenbilanz werden, und andererseits danach, ob eine inländische Produktion von diesem Zeug überhaupt möglich ist, - nicht, weil man nicht wüßte, wie es geht, sondern wegen des Widerspruchs, daß der Aufbau dieser Produktionen, der den Staatshaushalt entlastein soll, an diesem - als "Investor" und Nachfrager - seine Schranken hat. Die im Vergleich zu den westlichen Importeuren zugestandenermaßen unproduktiv arbeitenden Betriebe brauchen einen Schutz besonderer Art:

"Teilweise zurückgenommen wurde die 1980 erlassene Zollerhöhung bei Kunstharz von 10% auf 20%. Da die einheimische Industrie bisher lediglich in der Lage ist, flüssiges Kunstharz zu erzeugen, nicht aber Pulver und Granulat, wie es die weiterverarbeitende Kunststoffindustrie benötigt, wurde der Zollsatz gespalten. Bei flüssigem Kunstharz bleibt er auf 20%, bei Granulat und Pulver soll er auf 10% reduziert werden." (NfA 2/81)

Anders als in kapitalistischen Nationen, wo die gleichnamigen Maßnahmen einerseits dazu dienen, die Resultate eines internationalen Vergleichs der Produktivitäten entsprechend der staatlichen Vorliebe für bestimmte Branchen zu modifizieren, und deswegen dosiert werden, daß sie als Angebot, sich produktiv zu machen, handhabbar sind, - ganz im Unterschied dazu dienen die nigerianischen Schutzmaßnahmen zur Sicherstellung dessen, daß diese Produktionen stattfinden, also Devisen sparen; darin, und nicht in der Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt, für den diese Betriebe gar nicht produzieren, liegt deren Rentabilität für den nigerianischen Staat.

Die Lebensmittellage beurteilen westliche Beobachter wie folgt:

"Nigeria, das früher Nahrungsmittel, z.B. Erdnußöl exportierte, wurde zum Nahrungsmittelimporteur."

So sehr der Öldollarzufluß gleichbedeutend war mit dem staatlichen Desinteresse an, d.h. der relativen Vernachlässigung von bisherigen Einnahmequellen (Versteppung von Plantagen), so wenig stimmt der obige Vergleich, weil heute keineswegs Erdnußöl eingeführt wird, - für wen auch. Exportiert wurde noch nie der Überschuß einer irgendeine inländische Nachfrage befriedigenden Landwirtschaft, sondern Produkte, die - völlig getrennt von den Subsistenzbedürfnissen und -mitteln der Massen - nur für den Export angebaut worden waren. Umgekehrt: Importiert wurden und werden Nahrungsmittel, die und insofern sie von den Agenten, Lakaien der Herrschaft samt den ausländischen Wirtschaftsattaches bezahlt, aber nicht inländisch produziert werden können. Bier, Reis, Fleisch etc. gelangen überhaupt nicht in die Dörfer, und in den Städten sind sie Gegenstand enormer Geschäfte, werden immer teurer. Was den nigerianischen Staat daran stört, ist nicht die zunehmende Not der Slum- und Dorfbewohner, sondern der durch ihren Import verursachte Devisenabfluß. Deswegen ist die "Grüne Revolution", die als "Wiederherstellung der Subsistenzwirtschaft", so daß man endlich von ihr leben kann, verkauft wird, ganz im Gegenteil eine Kompensation der Nahrungsmittelimporte durch entsprechende Exportsteigerungen:

"Wiederaufbau von ca. 80.000 ha Kakaoplantagen"

- das freut den Neger, wenn er Kakaobohnen kaut, oder wie westliche Beobachter vermelden:

"Interesse (an der Grünen Revolution) zeigen lediglich einige Bereiche der Agroindustrie. An den Kleinbauern geht sie vorbei."

Da wollte sie auch gar nicht hin!

Das Ausland nutzt die Angebote

Da die Maßnahmen zur Importsubstitution zum schieren Gegenteil des damit verfolgten Zwecks einer Deviseneinsparung führen, der Aufbau und die Aufrechterhaltung der inländischen Produktionen steigende Importausgaben nötig machen, die sich ihrerseits nicht - wie in westlichen Ländern - durch die Erstellung von auf dem Weltmarkt konkurrenzfähigen Waren bezahlt machen, sondern den Haushalt schädigen, mit dem die Produkte zu unproduktiven Zwecken nachgefragt werden, finden sie dann ihr Ende, wenn die Kreditwürdigkeit des Landes von außen für beendet erklärt werden wird -, nach Kriterien die mit seiner "Entwicklung" nichts, mit dem durch die imperialistischen Staaten auf gemachten Verhältnis zwischen ihrem eigenen Nationalkredit und Nigerias schwinden den Öleinnahmen alles zu tun haben.

So entdeckt Nigeria inzwischen seine "Reichtums-", d.h. Devisenquellen in "drastiscken Einfuhrrestriktionen", zunächst auf dem Sektor der Nahrungsmittelimporte, die von der Regierung als "Luxusgüter" erklärt werden.

Der gewaltig ansteigende Schmuggel mit diesen und anderen Gütern treibt die Preise hoch ("Lagos ist die teuerste Hauptstadt" - in der die meisten Leute mit dem wenigen Geld leben!) und macht zu seiner Bekämpfung - sofern der Staat nicht selbst daran partizipiert - weitere Ausgaben nötig. Zunehmend Restriktionen bezüglich der Einfuhr von Produktionsmitteln, was bewirkt, daß

"in vielen Unternehmen die Produktion zurückgeschraubt werden muß, weil Vorprodukte und Ersatzteile nicht ins Land kommen." (NfA 2/81)

Die Aufkündigung staatlicher Projekte (Baustopp für die Hauptstadt im Busch etc.) bedeutet nicht nur Abstriche an den Bedürfnissen der Herrschaft (wobei fast nur noch der Militärbereich, - aber der mit Hilfe des Westens auf jeden Fall - "geschont" bleibt) sondern ist ganz unmittelbar das Ende von immer mehr, über die staatliche Nachfrage und anders subventionierten Betrieben. Dies ist die konsequente Durchführung eines "Entwicklungsprogramms", das zur Emanzipation von den Diktaten des Weltmarkts auf ihn angewiesen bleibt, ohne ihn in Ermangelung konkurrenzfähiger, kapitalistisch produzierter Waren als Mittel zur Reichtumsschaffung benützen zu können; konsequent auch, daß Nigeria auf das westliche Interesse an konjunkturgerecht gelieferten Rohstoffen, auf Öl, das die immer bleibende Basis seiner Kreditwürdigkeit war und ist, zurückgeworfen wird:

"Die geschilderte Entwicklung wird in den 80e Jahren zu Zahlungsbilanzschwierigkeiten führen, denen Nigeria jedoch dank seiner geringen Auslandsverschuldung und seiner internationalen Kreditwürdigkeit mit einer höheren Verschuldung im Ausland begegnen kann." (IFO 27/80)

Bei derartigen "Prognosen " handelt es sich aber eher um das "Angebot", auch noch den letzten Öltropfen in den Dienst der westlichen Bankinteressen zu stellen, als um die Benennung einer Quelle, die Nigeria immerhin sichere Einnahmen garantieren würde, - inzwischen ganz praktisch erwiesen: In der Natur dieser Quelle liegt es nämlich begraben, daß ein Staat wie Nigeria, der trotz oder gerade auch durch sein "Industrialisierungsprogramm" von den Öldollars, also von den Geschäftsinteressen der Ölmultis abhängig geblieben ist, deren Beschluß,

"Nigeria durch einen Einfuhrstop zur Senkung des derzeitigen OPEC-Preises von 34% pro Barrel zu zwingen",

nichts entgegenzusetzen hat, als diesem Verlangen - im Interesse seiner Einnahmen und unter dem zusätzlichen Druck seiner Verschuldung rechtzugeben:

"Nigeria hat... den Beschlüssen zur Verteidigung des Preises folgend, seine Produktion um die Hälfte gesenkt. Allerdings kam es dennoch (!) zu Spekulationen auf eine nigerianische Preissenkung, da das Land gegenwärtig besonders auf seine Öleinkünfte angewiesen ist." (Frankfurter Rundschau, 29.3.82)

Die letztendlichen Resultate dieses "Industrialisierungsprogramms" sind entsprechend verteilt:

Für den Westen die Erinnerung an erquickliche Außenhandelsgeschäfte, billiges Öl und Rückkehr der Öldollars durch langfrïstig "geplanten" Schuldendienst, alles in allem ein "verläßlicher Partner in Schwarzafrika"; für den nigerianischen Staat Fabriken, die unnütz herumstehen und nur noch Zinsen kosten und den Verlust der Freiheit, die Einnahmen nach eigenem Gutdünken, wenn schon auf jeden Fall auf den Weg nach Norden zu schicken: Jeder Dollar ist als Schuldentilgung und Zinszahlung und der gesamte Haushalt dem ökonomischen und politischen Interesse des Westens gemäß festzulegen. Und für diesen Zweck richtet sich die staatliche Gewalt inzwischen konsequent gegen das, was sie als ihre Ökonomie eingerichtet hat:

"Nigeria droht mit Gewalt"

"Die nigerianische Regierung will ab sofort alle Schiffe versenken lassen, die an privaten Anlegestellen entladen wollen. Mit dieser Drohung will Nigeria verhindern, daß die in dieser Woche verhängte Importbeschränkungen unterlaufen werden. Danach ist es ab sofort untersagt, Personen- und Lastwagen einzuführen. Weiter verboten ist die Einfuhr uon Batterien, tiefgefrorenen Hähnchen und Spielautomaten. Für eine Reihe von Gütern wie Mehl und Zement werden nur noch spezielle Einfuhrgenehmigungen erteilt...

Einen 'ungeheuerlichen Bürokratismus' sehen die Afrika-Exporteure... auf sich zukommen. Noch mehr beunruhigt sind aber die Händler über die Verbindlichkeiten Nigerias über 9,4 Milliarden DM..." (Frankfurter Allgemeine, 24.4.82)