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Dieser Artikel ist in der MSZ 2-1980 erschienen.
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Für die westdeutsche Linke ist die Lage ernst und gerade deswegen vorwiegend heiter: Großer Ratschlag, Großes Palaver und Sozialistische Konferenz heißen die Veranstaltungen, auf denen erörtert wird, was sie für die Welt halten: Die eigenen Interpretationen ihres Scheiterns. Bezeichnenderweise haben die diversen Gruppierungen, die früher als "Systemveränderer" beschimpft wurden, plötzlich eine schon lange nicht mehr dagewesene Publizität erreicht, seit sie systematisch und am liebsten öffentlich nur noch darüber befinden, wie sie sich verändern können, sollen, müssen. Auf der anderen Seite dokumentiert die Wahldebatte und der Zulauf der Grünen aus dem linken Lager, daß die 'Außerparlamentarische Opposition' von einst sich endgültig von dem letzten Rest des Mißverständnisses reinwäscht, bei ihr habe es sich um Gegner des Parlamentarismus gehandelt: sie wollen innerparlamentarisch-verantwortlich opponieren gegen einen Kanzler Strauß, und die 'Avantgarde' wunschdenkt über eine Koalition mit der SPD und Helmut Schmidt zur Rettung der Nation.

Eine Bewegung, der gegen "rechts" und einheitsstiftend Rockmusik einfällt, besitzt die Qualität folkloristischen Zierrats zum öffentlichen Leben der Republik und greift dankbar jeden faschistischen Spruch aus den Reihen der Christdemokraten auf, um sich damit noch einen Hauch von Oppositionellem zu bestätigen.

Die MSZ hat sich zu einer ausführlichen Analyse über den Fortschritt des westdeutschen Sozialismus entschlossen, um diejenigen aus der 'Bewegung', die mit dem Abschied von der Linken noch Probleme haben, mit Argumenten bekannt zu machen, die gegen die Rede von einer "Krise des Marxismus", mit der die Palaver-Marxisten ihre Kritik am Marxismus diesem ankreiden, ins Feld zu führen sind.

Wem an dem linken Palaver nicht aufgefallen ist, daß hier von Antikapitalismus nicht mehr die Rede sein kann, der könnte zumindest merken, womit sich die linke Szene auf ihren sozialistischen Konferenzen nicht befaßt: dem wirklichen Treiben der Politiker. Während sie die deutsche Demokratie vor dem 'Sicherheitsrisiko' Strauß retten wollen, schließen sich Schmidt, Strauß und Co. zu einer 'Krisenkoalition' zusammen, damit keiner sagen kann, die Solidarität bei den Kriegsvorbereitungen hätte unter dem kleinlichen Parteienstreit gelitten. Die deutschen Macher lassen sich von den USA bereitwillig zur Erfüllung ihrer Bündnisverpflichtungen anhalten, beklagen die 'Ohnmacht' der deutschen Politik und teilen gleichzeitig dem Volk, das die solidarische Macht auszubaden hat, übereinstimmend mit, daß hinter der Sicherheit der westlichen Welt jedes Wenn und Aber zurückzustehen hat. Dabei meinen sie nicht die Bedenken des kleinen Mannes, sondern die nationale Kalkulation, welche Geschäfte gegenwärtig den Vorrang haben. Mit 'Unvermeidlichkeiten' wird der Wahlkampf bestritten und der Wähler mit der Versicherung gewonnen, daß er sich unter Schmidt und Strauß gleichermaßen auf sie einzustellen hat. Was ansteht, brauchten wir deshalb nicht zu prognostizieren. Wir haben es in 5 Lektionen über Solidarität mit dem Großen Bruder zusammengefaßt.

P.S.: Im 11. Jahrgang ändert die MSZ nicht nur ihr Format, sondern auch den Verkaufspreis. Die neue Konzeption, die der Leser bemerken wird, hat mehr als eine Verdoppelung des Umfangs dieser Marxistischen Studentenzeitung erfordert. Unseren Abonnenten, soweit sie bis zum 28. April gezeichnet haben, schenken wir den Differenzbetrag für den Rest des laufenden Jahres, was nicht bedeutet, daß wir uns bei finanzieller Unterstützung der MSZ zieren werden. Verwiesen sei noch auf die Rubrik "Korrespondenz", in deren Rahmen sich die Redaktion der Kritik an ihren Argumenten stellt.

MSZ-Redaktion, Postfach 401940, 8000 München 40