Infelix Austria oder die patriotische Politökonomie eines beleidigten Austromarxisten

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Dieser Artikel ist in der MSZ 4-1988 erschienen.
Systematik: 

Infelix Austria oder die patriotische Politökonomie eines beleidigten Austromarxisten

... "so daß uns fast nichts bleibt als das felsige, unfruchtbare Gebirgsmassiv der Alpen und die Hauptstadt Wien, deren Existenzbasis durch den Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie zerstört ist. So wird Deutschösterreich zu einem wirtschaftlich schlechthin unmöglichen Gebilde. Die Zweimillionenstadt, deren Dasein auf ein Wirtschaftsgebiet von fünfzig Millionen Menschen gegründet war, kann in dem kleinen, unfruchtbaren Sechsmillionenstaat nicht bestehen, das arme Gebirgsland der Alpen kann die Riesenlast, die das Erbe der Großmachtpolitik eines Fünfzigmillionenreiches ist, nicht tragen. Auf uns selbst gestellt, lebensunfähig, können wir nur in einem größeren Verbande die Möglichkeit erlangen, uns allmählich wieder emporzuarbeiten. Darum erstreben wir den Zusammenschluß mit dem großen deutschen Mutterland, von dem uns vor einem halben Jahrhundert Preußens Streben nach der Vorherrschaft gewaltsam getrennt hat. Der Friedensentwurf, der uns in Saint-Germain vorgelegt wwde, widerlegt die traurige Illusion derer, die in der Absonderung von dem Deutschen Reiche das Heil suchten... Stärker denn je ist heute darum in unserem Volke die Überzeugung, daß es nur im Rahmen der großen Deutschen Republik eine erträgliche Zukunft finden kann... Die Welt wird nicht gesunden, solange irgendeinem Volke die wirtschaftlichen und die politischen Voraussetzungen selbständigen Daseins verweigert bleiben. Darum ist heute die Sache unseres deutschen Volkes, unseres großen Volkes drüben im Reiche und seines kleinen Zweiges hier, die Sache der ganzen Menschheit... Denn tief im Wesen der menschlichen Gesellschaft begründet ist die große Tatsache der Solidarität der Interessen aller Völker, die Tatsache, daß, wenn eines Volkes Lebensrecht vergewaltigt wird, schließlich alle Völker darum leiden und bluten müssen." (Otto Bauer, 1919)