IMPERIALISTISCHE LERNPROZESSE

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Dieser Artikel ist in der MSZ 3-1980 erschienen.
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IMPERIALISTISCHE LERNPROZESSE

Es sind schon lange nicht mehr die Neger, über deren unzivilisierte Dummheit und Exotik man sich mokiert. Die genießen offiziell in jeder Hinsicht die Anerkennung, die sie verlangen. Heute sind es gewisse weiße Herrschaften in solchen Ländern, in denen der freie Umgang mit afrikanischen Souveränen und die Einsetzung von Schwarzen in den offiziellen Stand der Menschenwürde nur mühsam zustandekommt, die z.B. in der Rubrik 'Leute von heute' als Kuriosität gehandelt werden:

"Jerry Walker, weißer Polizist aus Zimbabwe, war angenehm überrascht darüber, daß in Ländern, in denen eine afrikanische Mehrheit herrscht, es sich so gut leben läßt. Der Gesetzeshüter hatte mit seiner Frau einen Urlaub an Kenias Küste gebucht, um zu sehen, 'wie es in ein paar Jahren bei uns aussehen wird'. Walker, der aus Salisbury stammt, sieht inzwischen seine sozialpolitische Expedition als gelungen an. 'Die Menschen, die Hotels und das Essen sind super.' Es funktioniere 'tatsächlich alles'." (Süddeutsche Zeitung)

So dumm kann aber auch nur ein weißer eingeborener Ordnungshüter aus dem ehemaligen Rhodesien sein, daß er erst per Augenschein begreifen lernt, was die imperialistischen Nationen bezüglich der Tauglichkeit schwarzer Herrschaft schon lange wissen: Daß es sich für diverse Weiße unter ihr und vor allem mit ihr 'so gut leben läßt'. Die Südafrikaner, die ihre Neger auch nicht mehr bloß in Ghettos halten wie die Affen im Zoo, sondern für die anverwandten und unbrauchbaren Schwarzen ganze autonome Hungerterritorien im eigenen Staat aufgemacht haben, sind bei diesem Lernprozeß zumindest in einer Beziehung schon entschieden weiter fortgeschritten:

"Der Generalsekretär der konservativen weißen Bergarbeiter-Gewerkschaft MWU von Südafrika, Arrie Paulus, muß sich vor einem Gericht in Johannesburg für die Beleidigung aller schwarzen Südafrikaner verantworten. Paulus wird vorgeworfen, im Juni 1979 in der New York Times alle Schwarzen des Landes mit 'Pavianen' verglichen zu haben. Dadurch sei die Würde von über 17 Millionen Schwarzen verletzt worden. Es ist das erste Mal in der Rechtsgeschichte Südafrikas, daß als Klageführer die gesamte schwarze Bevölkerung genannt wird. Im zweiten Punkt der Anklage wird Paulus zur Last gelegt, Schwarze als 'Kaffern' bezeichnet zu haben. Dieser Ausdruck ist in Südafrika bereits mehrfach als Beleidigung mit einer hohen Geldstrafe geahndet worden.".

Als mehr oder weniger rechtlose Staatsbürger zweiter Klasse, Lohnsklaven und lästigen Ballast behandeln, kasernieren, kaputtschuften lassen oder auf unfruchtbare Landstriche vertreiben und verrecken lassen darf man sie schon, die Schwarzen; keinesfalls aber durch rassistische Beleidigungein ihre unverletzliche Würde antasten. Es sagt eben schon alles, wenn eine gesamte Bevölkerung mit bestimmter Hautfarbe vor Gericht klagen kann. Sowohl was die Würde wie was ihren Nutzen angeht.