ICH, RUDOLF BAHRO

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Dieser Artikel ist in der MSZ 2-1980 erschienen.
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ICH, RUDOLF BAHRO

"Bin 35 Niederschlesien geboren, Isergebirge (die selbstverständlich für das heutige Polen!). 54-59 Philosophie studiert, habe Zeitungen gemacht (Forum), war ich stellvertretender Chefredakteur, wo ich 67 willentlich abstürzte. Auch ein paar Jahre Gewerkschaftsapparat (Gew. Wissenschaft), seit 67 Spezialistenarbeit und zuletzt mittlere Funktion in der Industrie plus - meine eigentliche Arbeit."

Ich bin "nicht etwa Asket", sondern so etwas wie das "personifizierte Prinzip Hoffnung" oder, wie es die eine von "meinen Menschen", Ursel Benneke, so schön sagt: "eine Kerze, die an zwei Enden abbrennt". Schon je verzehre ich mich für die "allgemeine Emanzipation des Menschen" und brenne darauf, "das Element der Utopie in die Politik zu bringen". Dabei bin ich kein kalter, berechnender Politiker, sondern mehr ein "Experte für Emotionales", und bescheiden stolz darauf, mit denen, "die nicht mit den Wölfen heulen", in einer geschichtlichen Linie zu stehen: z.B. mit Beethoven, dessen vertontes Schicksal früh an mein revolutionäres Herz rührte, so daß ich Ende der 60er Jahre herausfand und niederschrieb:

"In dem unerbitterlichen Rhythmus der Fünften Symphonie waltet, dem theoretisch-moralischen Rigorismus Fichtes parallel, etwas von dem französischen 'Despotismus der Freiheit'",

ich meine, etwas von Robespierre.

Meine historische Mission reifte in mir mit etwa 35 Jahren. "Den Ansatz dazu hatte ich Ende der 60er Jahre, den Entschluß zur Konfrontation brachte der 21. August 68. Seitdem ging ich dem Zusammenstoß bewußt entgegen". Mein Buch "Die Alternative" - ich schäme mich nicht zu bekennen, daß ich es als Kommunist schrieb - beendete ich 1977. Ich wollte kein Held sein, sondern stellte mir die rhetorische Frage:

"soll man das nun so laut aussprechen und soll man sogar in Kauf nehmen, jetzt irgendwelche Schützenhilfe, beispielsweise von Strauß oder so, also von der Reaktion in der Bundesrepublik, zu kriegen. Ich habe das mit in Rechnung gestellt, ich sah keine andere Möglichkeit."

Der Erfolg gab mir recht. "Mein Lied ging um die Welt - was wollte ich mehr". "Die Wirkung beruht auch darauf, daß es sichtlich ein 'Buch des Glaubens' ist". Natürlich kam mir sehr zugute, daß der "Überstaatsapparat", der Parteiapparat ohne "'geistliche'inspiratorische Kraft" mich, der ich das "Bedürfnis nach Totalerfassung habe", einsperrte. Ich blieb unbestechlich. "Ich habe vor Gericht und überhaupt keinen Zweifel daran gelassen, daß ich meinen Weg geradeaus fortsetzen werde". Meine Einzelhaft hatte auch ihr Gutes. Ich konnte "endlich mal total die Bibel" lesen und war überrascht, wie sehr die "Radikalität und Innovationsfähigkeit des Urchristentums" meiner Alternative im Innersten entspricht. Manchmal aber plagten mich doch schwere Gewissensbisse angesichts meiner willentlichen Initiative mittels des Westens. "Haben sie inhaltlich Position angedeutet? Betrachten sie mich als Kommunisten, mit dem man sich zeigen kann?" fragte ich mich in der Einsamkeit der Zelle. Wie froh war ich, daß ein Brief aus Bautzen in den SPIEGEL gelangen konnte und es mir so vergönnt war, noch einmal klar und deutlich zu sagen, daß ich Marxist bin, und zwar aus tiefster Überzeugung:

"Ich war und bin entschieden für das nichtkapitalistische Fundament der DDR, die ich keineswegs allein oder hauptsächlich durch die Brille meiner augenblicklichen Situation betrachte. Ich denke beispielsweise auch nicht in Kategorien der Feindschaft zur Sowjetunion. Was ich bezwecke, ist Auseinandersetzung auf dem Boden dieses Fundaments, das einen gründlich erneuerten politischen und vor allem ideellen Überbau braucht. Es braucht ihn auch deshalb, weil solche Einrichtung (wie 68 in Prag beabsichtigt) drüben die antikapitalistische Transformation erleichtern würde."

Im Transit-Zug von Ost nach West - ich muß sagen, "ich habe immer Glück gehabt" - dachte ich bei mir, was ich schon 1966 zu Papier brachte: "Wer sich über Jahre hin entfremdet hat, kehrt nicht in einer Nacht zurück". Niemand kann mir vorhalten, ich hätte meine lautere Gesinnung geändert, da ich doch zunächst die Ausreise nicht wollte. Aber ist es nicht richtig, sich selbst nicht in den Vordergrund zu rücken, sondern sein Werk wirken zu lassen! "Ich wollte nicht im Wege sein beim Fortgang des Entwicklungsprozesses, den ich für den real existierenden Sozialismus entworfen hatte". Ich muß zugeben, ich wär überrascht, wie schnell ich mich an die neue Situation, jetzt im Westen zu sein, gewöhnte. In "einer Nacht" passiert doch mehr, als man sich so denkt. Im Zug bekannte ich der westdeutschen Öffentlichkeit sehr entschieden: "Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an, sie zu verändern". Dann der Blumenstrauß an der Grenze, hat mich tief bewegt. Beim SPIEGEL gefragt: "Was wollen Sie als Kommunist hier eigentlich machen?" wußte ich sofort, wie man da antworten muß; ich sagte:

"Ich bin der Überzeugung, daß das System nur evolutionär transformiert werden kann. Soweit sie den Kapitalismus betrifft, wird diese Evolution freilich revolutionären Charakter haben."

Ich fühlte mich gar nicht fremd "im anderen Teil unseres Vaterlandes". Es ist halt so, "wer den Mut hat, selbst mal das Visier zu öffnen, erntet ziemlich viel Vertrauen". Das tat ich ausgiebig, nahm mir extra vor, "nicht mit den Wölfen zu heulen" und meine ganze Popularität besonders unter den Linken dafür einzusetzen, ihre dogmatischen Einseitigkeiten und (noch) organisierten Zwecke aufzubrechen, um "Gemeinde zu stiften", Schnell merkte ich - Frucht meines gründlichen Bibelstudiums -, daß meine Mission und die der Grünen zusammen sehr gut geeignet sind, die letzten Reste des negativen und verbohrten Antikapitalismus bei den Linken zu liquidieren und in einen "verantwortungsvollen Humanismus" zu überführen, der sich bei der "ganzen übrigen Gesellschaft" sehen lassen kann. Mag es auch manchmal so scheinen - ich handle nicht für einen Auftraggeber, auch nicht für mich, sondern "setze meinen Weg geradeaus fort", Meine politische Methode ist folgende (ich schäme mich nicht, sie jedem mitzuteilen, obwohl es mich innere Überwindung gekostet hat, mich als Person ganz vor die Sache zu stellen):

1. Ich trete überall auf, wo Linke, Grüne Bunte und Alternative versammelt sind, auch bei den Jusos und dem Genossen Brandt war ich schon. Mir war nämlich bald klar, daß man mir überall geduldig zuhört, ja begeistert. Selbst "sektiererische Organisationen" - bis auf die DKP natürlich - möchten mich nicht missen. Das muß wohl damit zusammenhängen, daß die mit dem Realen Sozialismus ein unheimliches Problem haben und ich "als Kommunist" diesen kritisiere.

2. Ich pflege also als Marxist aufzutreten (deshalb bin ich auch nur ein "heimlicher Grüner"), sozusagen als einer der Linken, denen ich was vorrede, und meine Identität mit Marx herauszustreichen. Etwa so:

"Erinnern wir uns an das berühmte Wort von Marx, wonach der Sozialismus - er sagt Kommunismus - kein vorgefaßtes Wunschbild ist, das wir exerzieren wollen, sondern die wirkliche Bewegung, die den bestehenden Zustand aufhebt. Der bestehende Zustand, über den wir hinauskommen wollen, ist eben der kapitalistische. Was nun die wirkliche Bewegung betrifft, so sehen, wie mir scheint, manche Genossen, weil sie an einem alten Begriff hängen, den Wald vor lauter Bäumen nicht."

Die Sache ist ganz einfach: Erst einmal das berühmte Wort von Marx; dann - ich kenne ja die Art und Weise, wie Linke hier denken - richte ich das Prinzip ihres Denkens gegen sie selbst. Ich verwandle - man mag es mir nachsehen, ist es doch für einen guten Zweck, "die allgemeine Emanzipation des Menschen" - die Marxsche Kritik an dem Idealismus, der Welt den Kommunismus als ihr Ideal vorzustellen, in den Realismus der blanken Fakten, so daß herauskommt, daß das, was sich da gerade bewegt, sehr sozialistisch ist. Ich meine natürlich die Grünen.

3. Daß Marx heute veraltet ist, fällt mir nicht schwer, plausibel zu machen (den jungen Marx benutze ich selbstverständlich häufig, mich in ihm wiederzufinden). Ich sage einfach, daß heute das Kapital nicht mehr der Grund allen Übels ist:

"Die Auseinandersetzung von Lohnarbeit und Kapital wird nicht der Mobilisieruiigsansatz der Bewegung sein" (kommt gut an, weil die Linken bei den Arbeitern kaum Erfolge haben), "weil die kapitalistische Ausbeutung als solche hier nicht mehr die maßgebliche existentielle Herausforderuug ist, auf die die Menschen antworten müssen."

Ich drehe das so, daß ich unter Zuhilfenahme eines Vergleichs mit dem alten Rom eine Weltenwende an die Wand male. "Wir befinden uns in einer strategischen Situation, an einer wirklichen Wegscheide der Geschichte". Das leuchtet doch jedem ein, daß angesichts dieser "Weltveränderung" der Gegensatz von Lohnarbeit und Kapital überholt ist.

4. Überhaupt setze ich stark auf den "Weltanschauungscharakter" der neuen Bewegung, und das läßt ja auch die Linken nicht unberührt. Ich versuche, eine "allgemeine Krise der Menschheit" ins Bewußtsein zu bringen. Da schiebe ich die "im säkularisierten Sinne religiöse Substanz" ein, weil es einleuchtend ist, daß in einer Katastrophenzeit nur noch das 'Metanoeite', "radikale Umkehrbewegung" -

"Buße tun, als die Abwendung von gewohntem Verhalten, um beizeiten dazu in der Lage zu sein, sich einer anderen Weltwirklichkeit zu öffnen" -

Rettung verspricht, Mit meinem Schillerkragen nimmt mir das fast jeder ab. Sonst schlage ich noch mit reaktionärer Gesinnung zu, indem ich angesichts der von mir selbst erfundenen These: "So kann es nicht weitergehen!" das konservative Argument des Bewahrens als notwendig hinstelle. Nur deshalb habe ich den sizilianischen Aristokraten Lampedusa zitiert: "Alles radikal umwälzen, damit alles so bleibt, wie es ist!". Und ich habe hinzugefügt, um bei den linken Adressaten nicht allzu pfäffisch zu wirken:

"Wir können uns darauf verlassen, und auch andere Leute schließen es gewiß nicht aus, daß bei einer radikalen Umwälzung wohl doch nicht alles ganz so bleiben wird, wie es ist."

Manchmal befriedigt es mich schon, welche Dialektik mir zuweilen gelingt.

5. Das gäiigige Ideal von der Einheit aller linken Kräfte habe ich konstruktiv fortentwickelt durch das moralische Dogma, daß jeder jeden braucht, und zwar jeder jeden. Selbstverständlich mit dem Zugeständnis an die Linken, daß sie in dieser 'Arbeitsteilung' ihren extra Part bekommen. Ich spreche also:

"Die Sozialisten brauchen die Grünen, weil die Sicherung des Überlebens die Bedingung dafür ist, daß ihre alten Ziele erreichbar bleiben." Doch wirklich logisch, nicht wahr? "Die Sozialisten werden grbraucht von den Grünen, weil das Überleben nur gesichert werden kann, wenn der Antriebsmechanismus der Monopolkonkurrenz" (dieses Wort ist eine Neuschöpfung von mir; ich spiele hier mit einer scheinbaren Absurdität) "außer Betrieb gesetzt wird."

Als Mensch wie Du und Ich bin ich auf die Seele gekommen, um die Christen (und fast alle anderen) auch mit in die Bewegung des "ganzen Menschen" einzusammeln, weiß ich doch, daß fast jeder (Linke) irgendwo glaubt, "daß das Bedürfnis nach irgendeiner Art religiöser Transzendenz eine menschennatürliche, innerweltliche Angelegenheit ist, eine psychische Realität". Ich trage das wieder so vor, daß jeder meint, ohne die Christen ginge nichts - und umgekehrt der Vollständigkeit halber: "Die Sozialisten werden gebraucht von den Christen.... Wir Sozialisten brauchen die Christen." In der Regel fasse ich das dann zusammen und achte darauf, daß mein sehr links klingendes Hauptwort dabei vorkommt:

"Kurzum - wir müssen versuchen, all das in einer Bewegung -zusammenzuführen, was in die Richtung unseres Zieles strebt, diese Zivilisation und die Weltzivilisation überhaupt zu retten sowie die allgemeine Emanzipation des Menschen - Mann und Frau" (wie schnell lernt man doch, welche Pappenheimer/innen man vor sich hat) "- voranzubringen."

Natürlich achte ich auch darauf, den noch nicht ganz vergeistlichten linken Vorstellungen ihre Identität zu lassen, und ich meine, daß eine poetische Metapher da viel beeindruckender ist, als das "Prinzip Einheit in der Vielfalt, Vielfalt in der Einheit" einfach hingesagt:

"In der Perspektive werden wir einer der Ströme sein, die in der Bewegung zusammenfließen, und die Wasser werden sich an den Quellen nach wie vor unterscheiden, auf die Zielsetzungen hin zusehends vermischen, ohne daß man sich eine unterschiedslose, tote Identität auch nur wünschen sollte."

6. "Nun habe ich in der Tat die Liquidation von Organisationen vorgeschlagen", aber doch nicht auf die billige antikommunistische Tour. So offensichtlich geht's wirklich nicht. Ich habe mir da mehrere beweiskräftig klingende gedankliche Schritte ausgedacht in dem offenen Brief "An die Bunten und Alternativen, an den KB und die KPD" und darin das "Wir" schon mal durch ein schärferes "Ihr" ersetzt. Das zänkische Hin und Her auf dem Parteitag der Grünen mit den linken Bunten mußte ich einfach ausnutzen. Zuerst ließ ich einen dringenden Appell an die Menschheit los -

"Nehmen wir eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, jedenfalls eine alles übergreifende Mitverantwortung für uns in Anspruch oder nicht?" -,

ist es mir doch nicht verborgen geblieben, wie sehr diese letzten Antikapitalisten für die Gesellschaft verantwortlich sein möchten. Ich führte dann an ihren linken Nerv, indem ich ihnen nachwies, daß ihr "unsolidarisches Verhalten" in der Grünen Bewegung gerade das hervorbringt, was sie den Grünen vorwerfen, Antikommunismus (ob die Grünen Antikommunisten sind, ist für mich eh keine Frage, schließlich bin ich ein "heimlicher Grüner"):

"gesamtpolitisch verantwortungslos...

Ihr habt ein Lehrbeispiel dafür geliefert, Ihr, nicht die anderen, wie man Antikommunismus, die Berührungsangst, den Waschzwang" (manchmal ist ein sanfter Schlag unter die Gürtellinie recht wirksam) "schürt, indem Ihr den Kongreß die vollen zwei Tage lang mit nichts als den Status- und Existenzproblemen Eurer Gruppen beschäftigt und belastet habt."

Noch etwas solidarischen Stalinismusvorwurf, weil mir bekannt ist, daß diese Vereine selbst das Problem haben - "Die meisten von Euch leiden an der Gruppe, in der Gruppe. Ihr unterdrückt Euch selbst in diesen Organisationen, die damit entschieden des Teufels sind" -, und dann mit brennender Sorge ihre Bedeutung oder Erfolglosigkeit ins Spiel gebracht (ich habe doch nicht übersehen, daß die Linken ziemlich scharf auf die Teilnahme bei den Grünen sind):

  • "Ihr werdet, draußen bleibend, weniger gesellschaftlichen Einfluß haben als die Jusos in der hundertprozentigen SPD..."
  • "Praktisch stellt Ihr natürlich gar keine positive Gefahr der 'Unterwanderung' für - die Grünen dar."
  • "So könnt Ihr Eure Kräfte nicht einmal mehr länger konservieren - Ihr macht Euch bloß selbst kaputt."

Das sitzt, aber man darf diesen Punkt nicht überstrapazieren. Deshalb wähle ich gern den vereinnahmenden Ausklang und schrieb deshalb:

  • "Eure Chance bei den Grünen und mit den Grünen kann verloren sein."
  • "Wenn Ihr sie verpaßt, wird das Euer politischer Tod sein. Wenn Ihr Eure Larve abwerft, werdet Ihr leben."
  • "Ihr werdet gebraucht, und Ihr mußtet mit."

Ich muß sagen, der Erfolg hat dem "Motiv meiner Haltung" recht gegeben. Selbst abgedruckt haben sie meinen Brief. Das Angebot der taz für eine regelmäßige Kolumne "Jetzt heul' ich!" mußte ich aus Terminschwierigkeiten leider ablehnen.

Ich möchte mich nicht wiederholen, aber ich finde doch, daß ich meinen Weg (gut) fortgesetzt habe. Immerhin steht eine "Sozialistische Konferenz" an, die ich in die Wege geleitet habe. Meine Sammlungsbewegung gegen die letzten oppositionellen Elemente in der BRD hat sich bewährt. Die werden doch diskutieren, was ich vorlege:

"Ökologischer Humanismus, der die Tradition der Aufklärung bewahrt, ist ein brauchbarer Bezeichnungsvorschlag. Er schließt" (entschuldigt die Wiederholung) "die Forderung nach allgemeiner Emanzipation des Menschen - Mann und Frau - ein."

Wie ich das gemacht habe, die schöne Erfindung eines natürlichen Gleichgewichts der Natur mit dem allzeit Menschlichen zusammenzubringen, ökologischer Humanismus, ich gestehe, daß ich mir da gefalle. Und auf noch etwas bin ich ein bißchen stolz, auf die einmalige Schöpfung der Phrase "mögliches Ausscheiden im Sinne eines Umsteigens", die ich den Linken auf meiner Sozialistischen Konferenz vorsetzen werde. In ihr hat mein Charakter Buchstaben bekommen. - Ich bin trotzdem kein Sponti, nur ein "heimlicher Grüner"; kein Jesuit, sondern ein "Kulturrevolutionär"; "trotz allem ein Kommunist", der "alle guten Geister" mobilisiert. Ich, Rudolf Bahro, bin 35 im Isergebirge geboren, war 25 Jahre Mitglied der SED. Seit 21. August 1968 bewußt dem Zusammenstoß entgegen. "Im anderen Teil unseres Vaterlandes", das Kommunisten wie ich auch gegen Marx haben, sagte mir mein "überschüssiges Bewußtsein" schnell, "daß ich im richtigen Moment kam". Und weil ich nicht mit den Wölfen heule, trage ich weiterhin Schillerkragen.

P.S. Alle Zitate sind von mir, Rudolf Bahro:

R. Bahro, "Ich werde neue Wege gehen, Ffm. 1977

ders., Rede auf dem Offenbacher Kongreß, 3./4.11.1979

ders., Brief an die Alternativen und Bunten, an den KB und die KPD, in: "Rote Fahne" Nr. 2/80

ders., Stellungnahme zur Sozialistischen Konferenz in: "Frankfurter Rundschau" vom 8./9.4.80

ders., "Die nicht mit den Wölfen heulen", Ffm. 1980

ders., Abteilgespräch im Interzonenzug, in: "Schöne Welt", ed. DB, Stuttgart 1979

Ich glaube nämlich an den "reflektierten Menschen". Dieser Ausdruck stammt ebenfalls von mir.