"Hunger in Afrika" - da capo?

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Dieser Artikel ist in der MSZ 12-1987 erschienen.
Systematik: 

"Hunger in Afrika" - da capo?

Die Aufführung war der große Erfolg im Sommer '85:

- Ein ehemaliger Filmschauspieler namens K. Böhm hatte als erster die Sache mit den hungrigen Negerkindern in Äthiopien im Fernsehen erzählt. Und über Nacht war der Mann nach Jahren der Vergessenheit wieder voll da.

- Ein englischer Rockmusiker namens B. Geldorf organisierte ein weltweites Freiluftkonzert fürs Fernsehen und konnte anschließend eine Solokarriere starten.

- Demokratische Politiker in allen Metropolen des Imperialismus legten einen "Tag für Afrika" ein, wobei Kanzler H. Kohl vor laufenden Kameras einen Hunderter in eine Sammelbüchse tat, den er sich hinterher von Stoltenberg als Spesen wieder rückvergüten ließ.

- Einer ergriffenen Öffentlichkeit wurde versichert, jetzt müßte erst einmal gespendet werden, über die Gründe fürs Verrecken müsse man sich später Gedanken machen.

In Afrika ging das Leben von 1985 bis 1987 seinen gewohnten Gang: - Das bebaubare Land war weiterhin zu wertvoll, um darauf Hirsebrei für nutzlose Bevölkerung, von der's eh zuviel gibt, anzupflanzen.

- Die Staaten dort dürfen im Westen jede Menge Schulden machen, wenn's dem Geschäft bei "uns" dienlich ist.

- Und "wir" haben auch in diesen zwei Jahren jede Menge Geschäft gemacht, wobei der Hunger die Dividenden nicht gedrückt hat. Im Gegenteil: Er ist ja schließlich unvermeidbare Grundlage für ein rentierliches Afrika.

- Richtig! Irgendwann dazwischen ist auch einmal Peter Maffay mit zwei Sack Getreide in Addis aufgetaucht. Oder war der in Afghanistan mit Knete für die Freiheitsterroristen?

Aber das fiele ja alles unter die Gründe, über die man sich später, nach der "Hilfe" unterhalten wollte. Jetzt kommt erst wieder eine neue, gewaltige Hungersnot in Äthiopien auf "uns" zu.

Die Neuaufführung "Hunger in Afrika" im Winter '87 wird allerdings nicht ganz der große Erfolg werden:

- Das haben Wiederholungen so an sich, daß die Einschaltquoten sinken.

- Mittlerweile plagen "uns" andere Sorgen als damals im Sommerloch: Barschel und der Börsenkrach, um nur zwei Beispiele zu nennen.

- Die Kunstschaffenden haben sich anderen Objekten ihrer PR, Abteilung Mildtätiges, angenommen (Aids!) und wollen sich ja immerzu künstlerisch erweitern.

So wird der Hunger n Afrika wohl auf die Abteilungen zurückgefahren, wo er eigentlich hingehört: In die kirchliche Weihnachtskollekte und die Neujahrsansprache des Bundespräsidenten. Und über die Gründe unterhalten wir uns wie immer später.