HITLER UND KOHL - NOCH EIN UNTERSCHIED

Info
Dieser Artikel ist in der MSZ 12-1986 erschienen.

HITLER UND KOHL - NOCH EIN UNTERSCHIED

"Die Donau sei die Wasserstraße, die in das Herz des Kontinents hineinführe und deshalb in einem von uns geeinten Europa als deutscher Strom behandelt und beherrscht werden müsse...

Bei der Behandlung der Donau-Probleme müsse unsere Generation daher Sorge tragen, daß nicht alle auftretenden Rechtsfragen in den Friedensverträgen gelöst würden. Ein verantwortlicher Staatsführer müsse seinem Nachfolger eine ganze Schublade von Rechtsansprüchen mehr oder minder klarer Art hinterlassen, damit dieser sie gegebenenfalls als 'heilige' Ansprüche zur Fundierung der später einmal notwendigen Auseinandersetzungen heranziehen könne.

Auf den Einwurf Himmlers, daß auch der Alte Fritz seine Schlesischen Kriege mit nicht ganz klaren Erbansprüchen begonnen und daß Ludwig XIV. bei seiner Politik noch und noch mit 'überkommenen' Rechtstiteln gearbeitet habe, betonte Hitler, daß es für die Weisheit eines Staatsoberhauptes zeuge, wenn es derartige Titel seinem Nachfolger auf all den Gebieten hinterlasse, auf denen nach menschlichem Ermessen überhaupt jemals irgendwelche nationalen Probleme akut werden könnten...

Welche Mühe es koste, den Westen, den Norden, die Mitte und den Osten Europas zu einer großen Einheit zusammenzuschweißen, das gerate so schnell in Vergessenheit, daß man auch den Wert solcher Hilfsmittel - wie er sie geschildert habe - erst dann wieder zu schätzen wisse, wenn man brennend auf sie angewiesen sei." (Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier 1941-1942, veröffentlicht von Gerhard Ritter, Bonn 1951, S. 102/3)

Ein demokratischer deutscher Kanzler weiß, was er an seinem Erbe hat. Er läßt seine heiligen Titel nicht verkommen. Er bestreitet sein europäisches Einigungswerk nicht mit Wasserstraßen und "mehr oder minder klaren" Rechtsansprüchen. Er hat Rechtsansprüche auf das gesamte Staatsvolk eines anderen Staates:

"Ich denke nicht daran, die Staatsbürgerschaft der DDR anzuerkennen. Wir grenzen unsere Landsleute nicht aus. Das sind Deutsche mitten in Deutschland."

Er hat Rechte auf noch viel mehr:

"Moskau ist das Zentrum einer kommunistischen Diktatur. Dieses totalitäre System hält immerhin 17 Millionen unserer Landsleute in seiner Gewahrsamsmacht."

Er hat eine unabhängige Justiz, die mit einer zentralen Erfassungsstelle für Menschenrechtsverletzungen in der DDR jetzt schon das Material für spätere Nürnberger Prozesse sammelt. Die Vollstreckung seiner Rechtsansprüche sichert den Frieden, weshalb sich die BRD den Wiedervereinigungsanspruch ins Grundgesetz geschrieben und erst gar keinen Friedensvertrag geschlossen hat:

"Das Wiedervereinigungsgebot in der Präambel des Grundgesetzes steht nicht zur Disposition. Es steht zwar heute nicht auf der Tagesordnung; die Intelligenten und Geschichtskundigen wissen aber, daß es keinen wirklichen Frieden in Mitteleuropa gibt, wenn nicht eine Lösung der deutschen Frage möglich ist." (Kohl am 9. und 16. November)

Vorgebliche "Pannen" wie der Goebbels-Gorbatschow-Vergleich beflügeln den Kanzler, die Verbrechen des Ostblocks immer genauer "auf den Punkt" zu bringen.