HÖHERER UND EINFACHER BLÖDSINN 83

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Dieser Artikel ist in der MSZ 1-1984 erschienen.
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Kulturnotizen
HÖHERER UND EINFACHER BLÖDSINN 83

"Was bleibt uns außer der Kultur? Wir wünschen guten Appetit."

Schwer was los in der Kultur ist bekanntlich immer, wenn die Macht ihren Untertanen "schwere Zeiten" verordnet hat. Die "Goldenen Zwanziger Jahre" und auch die unmittelbare Nach-1945-Kriegszeit - da soll die Unterhaltung viel Niveau gehabt haben und der Geist unheimlich unterhaltsam gewesen sein. Das liegt daran, daß sich Intellektuelle von der Kunst mehr erwarten als bloßes Amüsement: Ohne ein wenig Engagement und ein paar Pfund Sinn unterhalten sie sich unter ihrem Niveau, das sie brauchen, um sich vom einfachen Volk abzugrenzen.

Wenn sie sich auch einmal den Luxus leisten, sich von der Macht abzugrenzen, liefern sie Dokumente des armseligen Bedürfnisses nach einer Gewalt, die sich mit ihrem Geist schmückt. So haben in Bonn seit der Wende birnenförmige Wesen das Sagen, die es der Intelligenz der Nation unnötig erschweren, die BRD mit Kopf und Herz als Chance und Heimat zu betrachten. Nicht was der Kanzler macht, sondern wie er daherredet, stößt auf die Kritik der Geister, weil die schlimmsten Sünden für sie immer noch Vergehen gegen die Kultur sind. Im historischen Rückblick stiften jedoch gerade Dokumente von Kulturschande Einheit zwischen dem Geist und der gerade amtierenden Macht.

Am 50. Jahrestag der Bücherverbrennung

vom 10. Mai 1933 stand zumindest eines fest: Einen derart für jeden Kulturmenschen unverzeihlichen faux pas leistet sich kein Regime mehr. Wenn Wilfried F. Schoeller in zwei Artikeln der "Süddeutschen Zeitung" fast schon bedauernd meinte: "Doch das Feuer auf dem Berliner Opernplatz ist aufgegangen in den imposanteren Bildern, die es vom Reichstagsbrand bis zu den lodernden deutschen Städten im 2. Weltkrieg gibt." - so war das zumindest untertrieben: Mag ja sein, daß die Millionen in den KZ-Gasöfen verbrannten Juden gerade noch auf mehr moralische Anteilnahme rechnen können - zumindest seit "Holocaust" -; aber ansonsten wurden die Feuerchen der NS-Kulturpolitik so ziemlich als das Gemeinste geführt, was den Nazis eingefallen ist. "Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen." Dieses Heine-Zitat wurde anläßlich des Gedenktages wieder bis zum Erbrechen angeführt, obwohl es gänzlich in die Irre führt: Erstens haben die Nazis ihre Kriege und Massenvemichtungen nicht deswegen durchgeführt, weil sie keinen Respekt vor Büchern hatten, und zweitens gibt es in der demokratischen Welt genügend Staaten, die Napalm-Bomben schmeißen und sich dabei auf jenes "kulturelle Erbe" berufen, das in den damals verbrannten Büchern enthalten ist; weswegen es drittens eine der erbärmlichsten Lobpreisungen der Demokratie ist, daß sie Bücher nicht verbrennt - sondern nur gegebenenfalls verbietet. Entsprechend dreist bis dämlich fielen dann auch die Politiker-Gedenkreden aus: Helmut Kohl, geistiger Führer in der BRD, entdeckte einen "geraden Weg von den Feuern des 10. Mai zu Terror, Vernichtung und Völkermord" und meinte damit natürlich nicht Nicaragua oder Vietnam, ebenso wie ihm bei "Abrechnung mit dem freien Geist" nicht das Berufsverbot oder der Paragr 89a einfiel. Und die "Tötung des modernen wissenschaftlichen Denkens" betreiben deutsche Professoren an demokratischen Universitäten nicht nur "symbolisch", sondern praktisch, von Berufs wegen und im öffentlichen Dienst. Der Kanzler verneigte sich ebenfalls rein symbolisch vor den Büchern von Karl Marx und Sigmund Freud, obwohl er jeden Gedanken dieser Autoren - soweit er üb erhaupt einen davon kennt -- bei anderer Gelegenheit als verfassungsfeindlich bzw. unsittlich aus jedem Schulbuch eliminieren möchte. Willy Brandts Bemerkung zum Jahrestag war allerdings originell: "Man könne aber, da Bücher nicht zuletzt aus Holz hergestellt würden, die Literatur vielleicht auch dadurch kaputtmachen, daß man den Wald zugrunde gehen lasse." (dpa vom 10.Mai). Soviel zum "geraden Weg" vom sauren Regen bis zum Schwachsinn...

Bot hier die deutsche Vergangenheit einen höchst willkommenen Anlaß, um das demokratisch geläuterte Verhältnis zum Geist in der Gegenwart rühmend hervorzuheben, so machte sich ein westdeutscher Stückeschreiber zu Jahresbeginn noch posthum unbeliebt, weil er Geist und Tat bewältigter Vergangenheit höchst lebendig im Hier und Heute auf die Bühne brachte.

Heinur Kipphardts "Bruder Eichmann"

soll ein Stück Zeitgeschichte höchst mißbräuchlich zu aktuellen Zeitbezügen verwendet haben. Statt nämlich - wie der Titel es suggeriert - einen verdienstvollen Beitrag für die Bewältigungsreihe "Nie wieder...!" abzuliefem, verdarb er den Interessenten am Genuß "menschlicher Abgründe" ihre verantwortungsbeflissene Erbauung: Sie mußten entdecken, daß Kipphardt sich bei seinem Anprangern staatlicher Gewalt eines unerlaubten moralischen Rigorismus bediente und die Qualität einer Gewalt im Faschismus auch an den Opfern von Demokratie und Imperialismus nach 1945 wiederzuentdecken vermeinte. Die Gleichsetzung von Israels Kriegsminster Sharon mit dem 'Unmenschen' Eichmann, der Judenvergasung mit den US-Massakern in Vietnam und andernorts, wurde hinsichtlich ihres künstlerischen Wertes für nachgerade entartet befunden, weil ein staatsgetreuer Genuß nur an einem Theater Erbauung findet, in dem Faschismus als die Perversion der sauberen Demokratie vorgestellt wird. Zu retten wäre das Kunstwerk allenfalls, wenn es - gemäß dem Vorschlag der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 24.1.83 - der Bekämpfung des Unmenschentums in Gestalt von 'Eichmann' richtige Zeitbezüge hergestellt hätte: "...in den politisch mißbrauchten Kliniken,... im Archipel Gulag,... in Afghanistan."

An einer zeitlosen Vergangenheit und darum an der moralischen Gegenwarts- und Zukunftsperspektive soll sich der Film von

Herbert Achternbusch "Das Gespenst"

in blasphemischer Weise vergangen haben. Nun macht die zotige Geschichte vom Christus, der vom Kreuz herab und dann mit der Äbtissin durchs Land steigt, keinesfalls den Zimmermann bange.

Weder er selbst noch die überwältigende Mehrheit deutscher Christenmenschen wird sich je im Leben einen Zelluloidstreifen des Herrn Achternbusch antun - es sei denn, er käme ins Gerede wegen "sexueller Freizügigkeit". Insofern ist es natürlich glatt gelogen, wenn der Minister behauptet, das "Gespenst" dürfe nicht aus öffentlichen Mitteln gefördert werden, weil der Film "gegen das religiöse Empfinden eines Großteils der deutschen Bevölkerung gerichtet sei." Die Wahrheit ist schlicht, daß die Regierung der Wende keinen Pfennig Geld ausgeben will für Kunst, die nicht erklärter- und für die Herren Kohl und Zimmermann auch einsichtigermaßen die hohen Ansprüche ans Hofnarrentum erfüllt: Das heißt entweder nur närrisch als moralisch einwandfreie Unterhaltung für die Truppe oder, wenn schon "anspruchsvoll", dann eindeutig hoffähig, d.h. mit allen Versfüßen auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Die Kulturpolitik verlangt ab sofort, daß die Kultur für die Politik da ist und zwar für die nach der Wende, die saubere Staatswerte und "positive" Gesinnung verlangt; und sie räumt mit dem sowohl künstlerischen als auch politischen Mißverständnis auf, es verhielte sich umgekehrt. Insofern ist auch die ganze Aufregung der Künstler - sie rufen laut "Zensur!" - sehr gekünstelt: Noch droht ihnen der Zimmermann nicht mit der Axt, sondern nur mit dem öffentlichen Geldbeutel. Aus ihm wird nur noch alimentiert, wer die öffentliche Sache fördert, also förderungswürdig ist. Das ist hart für Künstler, aber ihrerseits ganz schön blöd, die Härte des Staats ausgerechnet bei der Filmförderung zu entdecken.

So brachten es weder deutsche Filmschaffende noch hanseatische Werftarbeiter, geschweige denn hungemde Kinder im exotischen Ausland auf jene hohen Solidaritätsquoten, die selbst noch die bis dahin gültige Rekordmarke für den Großen Pandabären übertrumpften: Im Frühjahr des Jahres wurden vom Kanzler bis zum ABC-Schützen

Robbenbabies

für das erhaltenswerteste Kulturgut auf dem Globus befunden. Die "Tagesschau" meldete voll Stolz den Verzicht der deutschen Industrie auf den Import ihrer Felle und plazierte unmittelbar nach dem Bild einer putzigen Jungrobbe den Kopf des Bundesaußenministers nebst der Meldung, daß Genscher mit seiner "Haltung zur Einfuhr von Jungrobbenfellen" bei Brigitte Bardot einen Stich gemacht hat. Nun hat der Außenminister bekanntlich ein dickes Fell, so daß ihm Gefühlsduselei wahrlich nicht vorgeworfen werden kann: Folterungen in der Türkei, Massaker in Mittelamerika - kein Grund, auf Gemüse und Kaffee aus diesen Staaten zu verzichten, geschweige denn auf gute politische Beziehungen. Es geht ja nur um erwachsene Menschen, und die Schuldfrage ist keineswegs zu deren Gunsten entschieden. Aber Robbenbabies - das erschütterte selbst einen hartgesottenen Schreibtischtäter wie den Genscher so, daß er nicht davor zurückschreckte, eine diplomatische Verstimmung zwischen Bonn und Grönland bzw. Kanada zu riskieren, zumal er eines nicht befürchten mußte: einen weltweiten Boykott deutscher Waren, weil zu deren Wert nichts anderes verarbeitet worden ist, als das den Proleten über die Ohren gezogene Fell.

Einmal im Jahr aber heißt's 'Ohren aufgesperrt!', denn dann überträgt das Fernsehen den

Grand Prix Eurovision

für Schlager. 1983 gewann in München unter lebhaften Mißfallensäußerungen des deutschen Publikums Luxemburg mit einer "21-jährigen blonden" Kreissäge aus Paris und dem Lied "Wenn Leben ein Geschenk ist". Leider blieb ein Kuß von Franz Josef Strauß die einzige Strafe für die Siegerin. "Rund eine halbe Milliarde Menschen wohnte dem Ereignis am Bildschirm bei" (Kommentator Ado Schlier). Es besteht aller Anlaß zu dem Verdacht, daß zumindest der Nationalismus auf dem Gebiet des Schlagerwesens in Sieg und Niederlage auf seine Kosten gekommen ist.

Der gehobene Geschmack dürfte an diesem Abend seinen fernsehfreien Tag eingelegt und sich einem guten Buch zugewandt haben. So dominierte das ganze Jahr hindurch

Michael Endes "Unendliche Geschichte"

die Bestseller-Hitparaden. Das Erfolgs"geheimnis" dieses "visionären Seelenlandschafts"-Malers ("Spiegel"), mit dem er sowohl die bewährten Moraltriefel von Böll bis Zahrnt, die literarischen Newcomer in Sachen Erfolgsmoral von Buchheim bis Palmer Lilli, als auch die Akkordarbeiter der Kolportage von Burk bis Simmel vorübergehend auf die Plätze verwies, ist eine ausgesprochen endliche Geschichte: Ende gibt seine Erfindungen gleich als Märchen aus, und ihre "Modernität" sowie die Moral der Geschichtchen muß er nicht extra noch am Ende hinschreiben: Sie tropft honigsüß zwischen allen Zeilen seiner endlosen Werke. Da gibt es ein Land "Phantasien", in dem der kleine, dicke Widerling von Held auf eine Herrscherin stößt, die "niemals Macht ausübt. Es ist, als wäre sie nicht da, und doch ist sie in allem". Sie sorgt dafür, daß einer selbst im Reich der Phantasie erst recht nicht "tun" kann, "wozu er Lust hat". So kehrt der Ausreißer auf S. 416 in die "Realität" zurück mit der nun keineswegs phantasievollen Begründung, daß "er der sein wollte, der er war". Doch nicht ohne Lernerfolg, indem der hoffnungsvolle Knabe "in der Alltäglichkeit plötzlich Wunder und Geheimnisse entdeckt". Also auch jenen Stoff, aus dem die Träume sind, die sich für Simmel zwischen zwei Buchdeckeln in klingende Tantiemen verwandeln. Nur entdeckt bei Ende nicht ein Jimmy die Demokratie am Ende des Regenbogens, sondem ein finsterer Wolf (nicht der mit den kleinen Schweinchen, sondern einer für Jebildete!) knurrt: "Verdrängte Phantasie wird zu Lügen, mit Hilfe derer man Macht über die Menschen hat" sowie "Geschäfte gemacht, Kriege entfesselt, Weltreiche begründet " werden. Nur gut, daß in unserem Realisten sich jeder seine Phanta schmecken lassen darf.

Hielt die feinsinnige Kritik die Schmöker des Ende, deren Unterhaltungswert in etwa dem Gagreichtum einer germanistischen Zulassungsarbeit gleichkommt, größtenteils für Produkte einer "fast schon verloren geglaubten Fabulierkunst" und verkannte den Autor als "Emigranten aus der Wirklichkeit", so stürzte sich der gesammelte Spürsinn in Sachen Ideologie auf

Carlos Sauras Film "Carmen"

Mitten im Disco Fever wird plötzlich getanzt, trotz der Erfindung des Synthesizers spielt Paco de Lucia Gitarre und die Hauptdarstellerin sieht nicht nur scharf aus, der Regisseur inszeniert das auch noch! Daß sowas so manchem Zuschauer einfach gefällt, kann unmöglich der Fall sein, weswegen es "Carmen" bis zu einer "Spiegel"Titelgeschichte brachte - natürlich nicht der Film. Wer im Kino etwa gar zur Musik mit den Fingern schnippt oder nicht die Augen zumacht, wenn Laura del Sol im Schweißhemd auftritt, der kann sich keinesfalls auf "die tänzerischen Qualitäten" des Films "zurückziehen". Helmut Karasek hat ihn beim "Protest gegen die Latzhosen-Kultur" ertappt, beim "Aufstand gegen die Verödung der Sexualität" etc., während die Gegenpartei, vertreten durch Gisela Elsner, gleichfalls im "Spiegel" dem alten Macho auf die Wichspfoten hauen durfte und im Namen aller "Geschlechtsgenossinnen" eine Flamenco-Ballerina gnadenlos als "Synonym für Unberechenbarkeit, Irrationalität und Triebhaftigkeit" entlarvte. In dcr Kulturszene, wo man sich vorsätzlich blind stellt gegen alle wirklichen Gründe, haben die kleinsten Ursachen prinzipiell die größten Wirkungen! Dies schließt nicht aus, daß sich Künstler aufführen wie die Politiker im richtigen Leben und in Fragen der Macht mindestens ebenso intrigant verfahren, wie die wirklichen Inhaber derselben. So im Falle des

VDS-Vorsitzenden Bernt Engelmann

Westdeutsche Schriftsteller, namentlich die aus der DDR rübergemachten, fühlten sich von ihrem Verbandspräsidenten nicht mehr würdig "repräsentiert", so G. Grass, S. Kirsch, S. Lenz u.a. in einem "Offenen Brief". Ausgerechnet dem führenden "Unterschriftsteller" (Titanic) der Nation wird vorgeworfen, manchmal an Stellen nicht seinen Namen druntergesetzt zu haben, wo man bei Dichters ein "klares Wort" zu östlicher Unfreiheit gerne vernommen hätte. Das Maß voll machte Engelmann seinen Gegnern, als er neulich anfragte, wieso ausgerechnet Manes Sperber den Friedenspreis wegen seines Plädoyers für eine eigenständige, komplette europäische Erst- und Zweitschlagsatomgarnitur bekam. Sowas nennen freie Poeten eine "Verletzung der Solidarität unter schreibenden Kollegen". Durch die ultimative Forderung nach Engelmanns Rücktritt, garniert mit dem schönen Vergleich, er führe sich auf wie sein Kollege in der DDR (S. Kirsch in den ARD-Tagesthemen), soll sie wieder hergestellt werden.

Nicht zum Rücktritt aufgefordert hat die schreibende Zunft selbstverständlich den Deutschen Bundestag wegen seines klaren Worts zur Raketenstationierung. Die Kulturarbeiter mögen sich zwar einbilden, sie dichteten mittlerweile schwerpunktmäßig gegen den "drohenden Menschheitsholocaust", über seine Beschwörung und die Bebilderung ihrer höchst sensiblen Betroffenheit sind sie allerdings der Natur ihrer und der verhandelten Sache gemäß nicht hinausgekommen. Den höchsten Stich machten hierbei allerdings bislang nicht die Schöngeister deutscher Nation, sondern ein kommerzielles Fernsehunternehmen in USA.

"Der Tag danach"

ein action-Film im Auftrag der ABC, versammelte Ende November 73 Mio. Amerikaner vor den Bildschirm. "Sichtlich erschüttert" durch die farbigen Bilder von einem Atomschlag gegen Kansas City gingen die US-Bürger am Tag danach wieder ihren mehr oder weniger normalen Tätigkeiten des Arbeitens, Hungerns, Zeitungsschreibens oder Regierens nach. Kein Wunder: Der Spielfilm bebildert mit der Vorstellungskraft und der Technik seiner Macher, was man sich immer schon so in etwa vorgestellt hat, wie es sein wird, wenn es wirklich kracht. Die "Schlußfolgerungen" aus dem Streifen folgten konsequent den politischen Einstellungen der Betrachter: Die US-Friedensbewegung sah sich in ihrem Glauben bestätigt, Atomwaffen seien eine unkontrollierbare Gefahr, und sprach mit dem Appell an die Politiker, die Finger von solch' gefährlichen Dingem zu lassen, diese wieder einmal von jeder bösen Absicht frei. Die Staatsmänner sahen sich durch die Holocaust-Szenen voll gerechtfertigt. Außenminister Shultz: "Wir sollten uns um unseren Präsidenten scharen und weiter versuchen, die Zahl der Atomwaffen zu reduzieren. Natürlich müssen wir auch die Russen überreden, das Gleiche zu tun." Wofür wir natürlich ein paar mehr Atomwaffen brauchen, um unseren Überredungskünsten Nachdruck zu verleihen... Daß ABC ausdrücklich "davor gewarnt hat, Kinder unter 12 Jahren zuschauen zu lassen", dürfte dem Film bei seinem Kinostart in der BRD einen Erfolg auch beim breiten Publikum bescheren.

Dort waren Abenteuerfilme "nach Tatsachen" immer schon besonders beliebt. Weswegen im übrigen auch der Unterhaltungswert von Übertragungen aus dem Bundestag, wo 'die Tage vorher' tatsächlich beschlossen werden, vergleichsweise gering ist.

Scharfe Konkurrenz macht dem Streifen allerdings hier und drüben der 3. Teil von George Lucas' Weltraumkriegsfilm

"Die Rückkehr der Jedi-Ritter"

Ein Film, der zeigt, wie es dereinst gelingen wird, mit neuen Technologien konventioneller Art (taktische Steinschleuder!), die atomare Schwelle entscheidend anzuheben.