GOTTESDIENST UND MENSCHENAFFEN

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Dieser Artikel ist in der MSZ 1-1982 erschienen.
Systematik: 

GOTTESDIENST UND MENSCHENAFFEN

"Gericht erklärt Schöpfungsgesetz in Arkansas für verfassungswidrig. Little Rock (Reuter)

Ein Gericht in Little Rock im amerikanischen Bundesstaat Arkansas hat ein von ultrakonservativen Religionsgruppen durchgesetztes Schöpfungsgesetz für verfassungswidrig erklärt. In der Begründung hieß es, das Gesetz verstoße gegen das verfassungsrechtliche Verbot, religiöse Lehrmeinungen an staatlichen Schulen zu verbreiten. Mit dem Gesetz wollten die Gruppen erreichen, daß ihre Schöpfungsvorstellung, wonach ein übernatürliches Wesen das Leben auf der Erde vor 6000 Jahren geschaffen habe, gleichberechtigt neben der gelehrten Evolutionstheorie in den Schulen vermittelt würde. Das Urteil wird nach Ansicht von Beobachtern auf angestrebte ähnliche Gesetze in 16 anderen Bundesstaaten Auswirkung haben."

Nun genießen die Präsidenten von Johnson bis Reagan - aber nicht nur diese - auch in Arkansas wieder den Vorzug, Schulkindern ausschließlich als Ausgeburten von Altweltaffen (schmale Nasen und keinen oder keinen greiffähigen Schwanz) begreiflich gemacht zu werden. Godfather ist als die entscheidende Größe in der Evolution wieder aus dem Lehrplan geschmissen worden. Dies dürfte jedoch mit Sicherheit nicht das letzte Wort sein: Die Wissenschaftler des kalifornischen Instituts für Schöpfungsforschung halten nämlich daran fest, daß die Weltgeschichte vor ziemlich genau 6000 Jahren in einem ziemlich einmaligen Schöpfungsakt ins Rollen gebracht wurde. Der Beweis dafür ist ebenso einfach wie genial (tautologisch):

"Der Schöpfer ist sicherlich ein Gott, wenn er es schafft, das Universum aus dem Nichts zur Entstehung zu bringen."

Einig sind sich die Affenfraktion und die Godfather-Lobby allerdings darin, daß der Anfang aller Dinge einen Sinn haben muß. Kompromißfähig scheint hier der Vorschlag eines zur Genetik konvertierten Ex-Priesters, der aus der Verwandtschaft von menschlichen und äffischen Aminosäuren schloß, Gott könne durchaus das gemeinsame Dritte des gesamten Prozesses sein.