FREIE EIER AUS DER OSTERPRESSE

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Dieser Artikel ist in der MSZ 5-1984 erschienen.
Systematik: 

FREIE EIER AUS DER OSTERPRESSE

Für unsere zugereisten Brüder und Schwestem aus der DDR ein lebendiges Lehrstück in wahrer Demokratie:

ein demokratischer Konsens. Ganz ohne Befehl der Partei, malt Osterhasen!, malen alle Karikaturisten freiwillig Osterbasen.

scharfe demokratische Kritik. Hier dürfen Politiker als Osterhasen oder -eier gemalt werden!

ein unglaublicher Pluralismus. Für die Frankfurter Rundschau haut der englische Eierlöffel das EG-Ei kaputt, während für die Frankfurter Allgemeine die Thatcher das Huhn ist, das den Mitterrand-, Kohl- und anderen Osterhasen das Eierlegen verweigert. Die FR legt das CIA-Ei ins Mittelamerika-Nest, während die Süddeutsche Reagan seine Minen als Eier legen läßt. Ein goldiger Humor. In der FAZ kleben ein großer Kohl-Hase und ein kleiner Honecker-Hase gemeinsam am Dialog-Korb, während die SZ wieder einen großen Honecker einem dicken Strauß-Hasen um goldene Eier anbetteln läßt. Das ist Gedankenfreiheit!

Und erst einmal die Grünen: In der FR trinken sie grüne Eier, in der SZ entdecken sie langhaarig-schreiend Gift, und in der FAZ hocken sie langhaarig im Beutel des Matriarchats.

4. Und der Pluralismus geht noch weiter! Während für die FR der Genscher sehr lustige Probleme mit dem wackligen FDP-Ei auf seinem Kopf balanciert, erschlägt in der FAZ das 35-Stunden-Ei den flügelbehelmten Aufschwung. Sozialdemokratisch stinkt der FR das Steuerreform-Ei, lokalpatriotisch gefällt der SZ der Kronawitter-Osterhase, und weltpolitisch malt die FAZ das kaputte Weltei.

Ob die Brüder und Schwestern soviel Freiheit auf einmal verdauen?