FEIND HÖRT MIT! - FRAGT SICH BLOSS, WAS.

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Dieser Artikel ist in der MSZ 9-1985 erschienen.
Systematik: 

Spionage
FEIND HÖRT MIT! - FRAGT SICH BLOSS, WAS.

Kanzler Kohl ist empört. Mitten in seinen friedlichen Urlaub im Weinland Österreich hinein hat die DDR "Mißtrauen gesät". Statt wie anständige Deutsche in der "Bild-Zeitung" und im "Spiegel" nachzulesen, was die Bundesregierung vorhat und bei geheimen Sachen schamhaft wegzuschauen, hat sie in Bonner Ministerien, im Atombunker der Bundesregierung, sogar im Verfassungsschutz, Abteilung Spionageabwehr - unser Grundgesetz lassen wir uns nämlich nicht ausspionieren! -, und wer weiß wo sonst noch Spitzel und V-Leute eingeschleust. Nicht genug damit, daß sie unsere betont harmlosen Touristen am Fotografieren von Militäranlagen hindert, das Aushorchen bestraft und ihre Geheimsachen wegschließt: Sie tut glatt so, als hätten wir was zu verstecken, und will es auch noch rauskriegen!

Und wie bösartig sie dabei zu Werk geht. Sie nützt schamlos aus, daß ihre Typen fließend Deutsch sprechen und hierzulande gar nicht auffallen - wo wir doch die fortbestehende "Einheit der Nation" für uns gepachtet haben. Bei jeder menschlichen Schwäche setzt sie an: Vereinsamte Bonner Sekretärinnen betört sie mit gutgewachsenen Sachsen, trunksüchtige Verfassungsschützer stürzt sie durch Mißerfolge in geistige Verwirrung (so eine der regierungsamtlichen Ideologien zum Fall Tiedge), sofern nicht sogar ihre eigenen Leute die bundesdeutsche Spionageabwehr aufgebaut haben (dies die andere in Betracht gezogene Möglichkeit). Und dazwischen unser gutgläubiger Bundeskanzler, der sich auf gar niemanden mehr verlassen kann! Kommt der Genscher nicht auch von drüben? Sieht der Geißler nicht aus wie ein ostzonaler Schwimmtrainer?

Auf alle Fälle gehört jetzt alles gründlich durchleuchtet. Am besten gleich das ganze Volk - wozu haben wir denn den Verfassungsschutz. Und unsere Brüder und Schwestern gleich dazu - wofür bezahlen wir denn einen BND. Zwar hat unser Abschirmdienst es leider versäumt, so wie der KGB in Moskau jeden einreisenden Ostler mit einem garantiert nicht wahrnehmbaren Pulver zu bestreuen, das überall seine Spuren hinterläßt: Dann hätten wir jetzt wenigstens eine Republik voller unsichtbarer Spuren. Aber immerhin haben wir ja Datenschutzgesetze, die vielleicht irgendetwas verbieten, was unsere Geheimdienste tatsächlich noch nicht machen.

Blöd wäre es nur, wenn der CSU-Spranger, oder wer da in Bonn die Nachrichtendienste koordiniert, selber nicht ganz sauber wäre. Dann würden zwar Regierung, Behörden und Polizei alles wissen, was sie brauchen, um die Nation unter Kontrolle zu halten. Aber die drüben wüßten das. Was sie dauon hätten, ist zwar gar nicht absehbar. Aber das ist es ja gerade: Unabsehbarer Schaden ist der BRD entstanden. Nun ist sie doch eine "offene Gesellschaft", in der nichts verborgen bleibt - schon gar nicht vor den eigenen geheimen Staatsdienern -; aber dann bringen es die Falschen in Erfahrung, und man muß alles zudecken und geheim machen und bewahren mindestens vor den Bürgern. So ruiniert die DDR die Liberalität in unserem Land!

Ob am Ende alles eine Verschwörung ist?

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Zur Aufklärung über das staatliche Aufklärungsgewerbe siehe die Titelgeschichte der MSZ 3/84: "Geheimdienste in der BRD. Wozu braucht die Demokratie Spitzel und Spione?"