EINE STERNSTUNDE DER "INTERNATIONALEN SOLIDARITÄT"

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Dieser Artikel ist in der MSZ 3-1983 erschienen.
Systematik: 

EINE STERNSTUNDE DER "INTERNATIONALEN SOLIDARITÄT"

Angesichts der offen vorgetragenen militärischen US-Offensive gegen Nicaragua und in Erwägung der aktiven Rolle des BRD-Imperialismus bei der gewaltsamen Durchsetzung von Freedom und Democracy beschloß die MARXISTISCHE GRUPPE (MG) am 7. Mai in Hamburg, Nürnberg und Stuttgart gegen den US-Krieg in Nicaragua zu demonstrieren. Wir gingen davon aus, daß die westdeutsche Friedensbewegung gegen Kriege auch dann ist, wenn sie nicht nur erst vorbereitet werden sondern bereits stattfinden, und diverse vorliegende Erklärungen zu Nicaragua aus Kreisen der Friedensbewegung, inklusive den Äußerungen von Bundestagsabgeordneten der GRÜNEN im Parlament, vermittelten den Eindruck, daß man auch von dieser Seite aktiv werden wollte.

Welch' ein Irrtum! Auf diverse Absagen mit fadenscheinigen Begründungen ("Terminschwierigkeiten", "müssen erst unsere Basis konsultieren" etc.) sei hier nicht weiter herumgeritten, nicht kommentarlos durchgehen lassen wollen wir jedoch nachfolgend abgedruckte Stellungnahme einer "Koordination der Hamburger Mittelamerika-Komitees", die im Lokalteil der "TAZ" vom 6. Mai unter der Rubrik "Störzeile" erschien

"Pseudolinke Nabelschau

Die Koordination der Hamburger Mittelamerika-Komitees hält es für wichtig zur Nicaragua-Demonstration der "Maixistischen Gruppe (MG) am 7. Mai öffentlich Stellung zu beziehen, wegen der großen Bedeutung der gegenwärtigen Angriffe auf Nicaiagua und weil wir von vielen Seiten nach unserer Haltung zu dieser Demonstration gefragt wurden.

Wir sehen in dieser Demonstration ein sektiererisches Manöver der MG. Sie will mit der US-Intervention in Nicaragua Werbung für sich machen. Daß die MG gar nicht mit anderen zusammen demonstrieren will, wird z.B. daran deutlich, daß sie die Mittelamerika-Komitees zum letzten Montag zu einer Besprechung über die Demo und den Aufruf eingeladen hat, der Aufruf jedoch schon ab dem vorausgegangenen Freitag bereits verteilt wurde. Weiterhin ist der Demo-Aufruf der MG mit einer ihrer typischen Anpissereien gegen die SPD und den DGB auf dem gleichen Flugblatt verbunden. Wie berechtigt auch immer eine Kritik an diesen Organisationen sein mag - eine gleichzeitige Mobilisierung gegen die US-Politik und gegen SPD und DGB heißt auf jeden Versuch zu verzichten, eine breitest mögliche Einheit gegen die Kriegspolitik der US-Regierung auf die Beine zu kriegen.

Der wahre Charakter der MG-Mobilisierung wird jedoch am besten daran deutlich, daß die MG in verschiedenen Stadtteilen systematisch Plakate überklebt hat, die für die Solidaritätsveranstaltung mit Mittelamerika am 8. Mai, 19.00 Uhr, in der Fabrik werben! Die MG-Demo stellt sich selbst gegen die Solidaritätsarbeit. Sie benutzt Krieg und Mord für die eigene Nabelschau.

Boykottieren wir diese Demo, um Sektierertum und Spaltung eine Absage zu erteilen und um größere und gemeinsame Aktionen gegen den USKrieg vorzubereiten!

Hamburg, den 4. Mai 1983"

Einmal abgesehen davon, daß uns nicht in den Kopf will, wieso eine Einladung zur Diskussion über Aufruf und Demonstration ein Beleg dafür sein soll, "daß die MG nicht mit anderen zusammen demonstrieren will", hätten wir gerne gewußt, was Euch an dem Aufruf zur Demonstration nicht paßt, außer, daß er schon am Freitag verteilt worden ist? Schreibt doch mal in der "TAZ" an Reagan, er soll den Vormarsch seiner Contras stoppen, weil ihr ihn für "ein sektiererisches Manöver" haltet!

Einmal abgesehen davon, daß im Aufruf weder die SPD noch DGB extra kritisiert worden sind, meint Ihr etwa nicht, man dürfte den Glotz "anpissen ", wenn ihm zum Völkermord in Nicaragua einfällt, "daß ganze Völker so dem Kommunismus in die Hände getrieben" würden? Seit ihr etwa für einen Anti-Kommunismus, aber bitte ohne Völkermord? Oder wollt Ihr nur lieber mit Antikommunisten demonstrieren als mit der MG?

Einmal abgesehen davon, daß Euch auch schon geschicktere kleine Unwahrheiten eingefallen sind als die mit den "überklebten Plakaten", ist es nicht in Wirklichkeit so, daß Ihr an Eure Argumentation gegen die Demonstration selbst nicht recht geglaubt habt und ihr deshalb mit einer Lüge auf die Beine helfen wollt? Oder, werte Mittelamerika-Komitees, ist es nicht vielleicht ganz einfach so, daß Euch der US-Krieg gegen Nicaragua auf einmal scheißegal ist, wenn ihr Eure exklusiven und solidarischen Nutzungsrechte in Sachen Imperialismus durch eine Demonstration gegen den Imperialismus, die bezeichnenderweise nicht Euch eingefallen ist, gefährdet seht?

Deshalb übergehen wir auch den Spruch von der "pseudolinken Nabelschau mit Krieg und Mord", wenn er von Leuten kommt, die als echte Linke dabei lieber zuschauen.