Ein System wird verklagt - und gesteht

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Dieser Artikel ist in der MSZ 12-1987 erschienen.
Systematik: 

Im Westen undenkbar:
Ein System wird verklagt - und gesteht

"Jugoslawische Gewerkschaft verklagt

Mehr als 200 jugoslawische Arbeiter haben in Belgrad den Gewerkschaftsbund des Landes erstmals in seiner Geschichte wegen Untätigkeit verklagt. Die Arbeiter fordern ihren Mitgliedsbeitrag aus den letzten zehn Jahren zurück, weil sich die Gewerkschaft nicht genügend für sie eingesetzt habe." (Süddeutsche Zeitung, 9.9.87)

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"Jugoslawischer Anwalt verklagt kommunistische Partei

Der jugoslawische Rechtsanwalt Tihomir Zivkovic hat die kommunistische Partei wegen Vertragsbruchs verklagt. Zivkovic begründete seine Klage wegen Vertragsbruchs damit, daß die Partei das Land in eine Krise geführt habe und ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen sei. Die Entrichtung der Mitgliedsbeiträge stelle einen Vertrag dar, den er mit der Partei eingegangen sei. Der Anwalt wurde mit den Worten zitiert: 'Ich will keine Organisation finanzieren, die ihre Verplichtungen gegenüber der Gesellschaft nicht erfüllt.' Das Verfahren wurde wie 'Student' berichtete, im Oktober vor einem Belgrader Gericht eröffnet, dann aber aus nicht näher beschriebenen rechtstechnischen Gründen unterbrochen." (Süddeutsche Zeitung, 29.11.86)

"Die letzte Sitzung des Zentralkomitees Ende Dezember war vom Eingeständnis geprägt, daß die Partei die Probleme nicht in den Griff bekommen könne. Stane Dolanc, der Slowenien im Präsidium vertritt, entgegnete freilich sogleich, es sei nicht möglich, der Öffentlichkeit zu sagen, 'daß wir unfähig sind'." (FAZ, 13.1.87)