DIE USA FÜR KENNER

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Dieser Artikel ist in der MSZ 11-1984 erschienen.
Systematik: 

DIE USA FÜR KENNER

American Way of Life,

Lebensart der US-Amerikaner. Gilt laut Verfassung von 1776 dem "Pursuit of Happiness" (deutsch: Verfolgung des Glücks). Anfangs hauptsächlich zu Pferd, später mit den Modellen von Ford und General Motors. Der klassische Weg "vom Tellerwäscher zum Millionär" ist seit Erfindung der Geschirrspülmaschine verschlossen. Junge Amerikaner fangen jetzt an als "Hacker" von Computersystemen und bringen es zum General Manager der Toyota-Niederlassung in Atlantic City, N.J. In den Sommermonaten findet der A.W.o.L. statt als

Bar-B-Q

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(deutsch: Picknick mit gebratenen Fleischstücken). Reminiszenz an den Restaurantmangel der Pionierzeit. Tadellose Stücke schieren Rindfleisches werden auf Holzkohle angebrannt. Dazu gibt es Coca Cola und Bier in Dosen. Den Winter über macht die amerikanische Hausfrau dafür Ketch-up ein. Teilnahme am B. ist Pflicht für alle Mitglieder der lower-, middle- und upper-middleclass. Nach dem Essen finden vorbereitende Gespräche statt für das

Big Business

(deutsch: große Geschäftigkeit). Erfolgreiche Anwendung eines Verfahrens, das der deutsche Wirtschaftsberater Karl Marx mit dem Gesetz G-G' entdeckt hat. (G = Dollars; G' = noch mehr Dollars). Zentrum des B.B. in den USA ist die Wallstreet in New York City, N.Y. Neuerdings auch bei uns bekanntgewordene Ableger in Dallas, Tex., und Denver, Co. Die Abgrenzung zu

Crime

(deutsch: Kriminal) regeln auch in USA einschlägige Gesetze. Mit zunehmender Größe von B.B. und C. sind die Übergänge jedoch fließend. In der C.-Branche werden vor allem Gastarbeiter und Auswanderer aus Sizilien beschäftigt (Wichtigste Firmen: Mafia und Cosa Nostra), die beim Durchschnittsamerikaner unbeliebt sind, weil sie Amerikanern Arbeitsplätze wegnehmen. Im Prinzip ist C. aber eine anerkannte Institution des öffentlichen Lebens in den USA, weil auch in diesem Bereich, trotz umstrittener Mittel, hauptsächlich der

Green Back

(deutsch: grüner Rücken), umgangssprachlich auch "Buck" (deutsch: Bock, Stutzer) genannt, zum Einsatz kommt. Offiziell "Dollar" (deutsch: Taler) bezeichnet, handelt es sich hier um ein Zahlungsmittel, das dem Amerikaner unbegrenzte Möglichkeiten eröffnet ("Land der unbegrenzten Möglichkeiten"). Er muß nur genügend davon besitzen. Damit der G.B. auch außerhalb der U.S.-Grenzen keine Grenzen vorfindet, gibt es die

Green Berets

(deutsch: grüne Baskenmützen), eine bewaffnete Jugendgruppe, die dank harter Ausbildung die Meinung der USA bezüglich der Organisation des öffentlichen Lebens in Staaten Lateinamerikas, Asiens und Afrikas vor Ort durchsetzen konnte. Von Feinden Amerikas werden die G.B. auch als Marineinfanterie oder als "Ledernacken" diffamiert. Feinfühlige Kulturkritiker namentlich in Westeuropa fühlen sich jedoch weitaus stärker durch einen anderen amerikanischen Exportartikel bedroht, den

Hamburger.

Es handelt sich hierbei um eine von James A. MacDonald (1884-1952) erfundene Uerpackungsart für gebratenes Rinderhackfleisch, deren Eßbarkeit Kunden einer Frikadellenbude in Pittsburgh, Pen. um die Jahrhundertwende entdeckten. Seitdem das Nationalgericht in den meisten Bundesstaaten der USA. Diente auch zur Versorgung der letzten

Indians, Red

(deutsch: rote Inder), die die große Flurbereinigung in der US-Landwirtschaft (1492 bis 1890) überlebt hatten. Vorübergehend vom Aussterben bedroht, fanden viele R.I. Arbeitsplätze in der Filmindustrie (vor allem in Hollywood, Cal.) und als Fremdenführer in sogenannten Reservationen. Durch den New Deal (deutsch: Neues Kartenausteilen) von Präsident Franklin D. Roosevelt (1852-1945) wurden die freilebenden R.I. unter Naturschutz gestellt und ihre Vorkommensgebiete in Nationalparks umgewandett (z.B. Yellowstone National Park, deutsch: Park der Gelbsteinindianer). Seit der geglückten Endtösung der R.I.-Frage steht nur noch ein Minderheitenproblem an. Der

Kommunism

ist eine der typischen -> "unamerican acitivities". Was diese Abteilung "red" anbelangt, plädiert ein Amerikaner für "rather dead". Das auswärtige Reservat dieses Menschenschlags hat Präsident Reagan in seiner berühmten Ansprache August '84 endgültig und sehr biblisch für ungesetzlich erklärt. Gemäß der Domino-Theorie ("Only a dead communist is a good communist") hört der K. zwangsläufig "mit einem großen Knall" auf. Geplant ist eine Reservation um Swerdlowsk, mit voller kultureller Autonomie. Dafür stellt sich der Durchschnittsamerikaner jede Menge

Missiles

(deutsch: Feuerwerkskörper mit Raketenantrieb) in den eigenen Garten. Das stärkt die Amerikaner in ihrem Glauben, in der

Religion

(sprich: Relidschn), die genaugenommen in dem Aberglauben besteht, ein Präsident namens "Gott" ("God's own country") hätte die Vereinigten Staaten gegründet und würde sie heute noch als Sponsor betreuen. Selbst die Jugend hält an diesem Schwachsinn äußerst staatstreu und missionsbeflissen fest, soweit sie sich nicht gerade mit

Sex and Drugs

(deutsch: Geschlechtsverkehr und Drogenwaren) unterhält. Das erste Gebiet wurde in den USA Anfang dieses Jahrhunderts bislang außenstehenden Kreisen, vor allem Kindern und Jugendlichen durch die Erfindung des "Petting" (deutsch: Fummeln) erschlossen. Der Drogenhandel ist seit der Aufhebung des Alkoholverbots (1929) eine Wachstumsbranche und wird als Steuerhinterziehung bestraft. Seine Einbeziehung in die Verbotsliste der

Unamerican Achvities

wurde jedoch vom Vorsitzenden des gleichnamigen Kongreßausschusses, Joseph McCarthy (1909-1957), selbst "Kokser", mit den berühmt gewordenen Worten abgelehnt: "Horse is american, communism ain't! " (Deutsch: Heroin ist amerikanisch, Kommunismus nicht!) Die letzte spektakuläre Entscheidung des House Committees on Unamerican Activities war die Einführung einer generellen Geschwindigkeitsbeschränkung in allen 50 Bundesstaaten auf 55 mph (= ca. 90 kmh) zur Erhaltung des

Wide Open Country

(deutsch: Weiter, offener Landstrich), nachdem es europäischen Touristen gelungen war, in 24 Stunden von Boston, Mass., nach Portland, Or., zu fahren.