DIE FIRMA KRUPP

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Dieser Artikel ist in der MSZ 2-1988 erschienen.
Systematik: 

DIE FIRMA KRUPP

Beschäftigungsorientiert seit eh und je:

"Es hat die Fabrik in den schlechtesten Jahren, wenn Alles darniederlag, dennoch die Arbeit fortgesetzt, auf Vorrat fabriziert oder zu Preisen mit Verlust geliefert, bloß zu dem Zwecke, die Leute zu ernähren und den Herd warmzuhalten." (Alfred Krupp, 1877)

An einer Stamm-Belegschaft interessiert:

"Ich zahle einen Groschen mehr, um sie sicher zu behalten..." (derselbe, 1844)

Unermüdlich für Mobilität, natürliche Fluktuation und Ersatzarbeitsplätze:

"Ich habe Kräfte gebraucht und solche engagiert, ich habe ihnen den geforderten Lohn gezahlt, meistens ihre Stellung verbessert und, nach gesetzlichen Bestimmungen, den Kontrakt verlängert oder sie entlassen... Im Laufe der Zeit haben mehr als 100.000 Mann solchen Wechsel auf meinen Werken durchgemacht... und anstatt eines jeden konnte in den meisten Fällen auch ein anderer hingestellt werden, denn die Arbeiter haben nicht das Verdienst der Erfindungen, und überall finden sich geschickte Arbeiter zum Ersatz." (derselbe)

"Mit einer Prämie in Höhe von zwei Wochenlöhnen sowie einer Freifahrkarte, natürlich nur für die einfache Fahrt, brachte man das Gros der 'werks- und ortsfremden Elemente', zu denen sich die eben noch so hochwillkommenen, im Osten des Reiches angeworbenen oder in den besetzten Gebieten zwangsrekrutierten Hilfskräfte plötzlich degradiert sahen, zur freiwilligen Abreise aus Essen und reduzierte so im Handumdrehen die Belegschaft der Gußstahlfabrik (von 147.000 im Krieg) auf rund dreiundvierzigtausend Stamm-'Kruppianer'." (Engelmann, Krupp, S. 375)

Aufgeschlossen für Gastarbeiter jeder Couleur:

"...hatte man während des Ersten Weltkriegee im besetzten Belgien Zivilisten gegen deren Willen dienstverpflichtet und sie unter anderem auch zu Tausenden nach Essen geschickt... 'Am nächsten Vormittag besprach ich auf meiner Reise diese Angelegenheit mit Herrn Duisberg (von IG Farben) und Herrn Krupp von Bohlen und Halbach, die ich gebeten hatte, mich im Zug zu begleiten. Sie hielten eine Erhöhung (der Produktion) des Kriegsgeräts aufgrund unserer Rohstofflage für durchaus möglich, wenn die Arbeiterfrage gelöst würde.' (Ludendorff)" (Engelmann, S. 370)

"1942... gab es 10.000 Slawen und etwa die gleiche Anzahl war von Krupp noch 'nachbestellt' worden... An den Außenmauern der Krupp-Werkstätten wurden Schilder angebracht mit dem Hinweis: 'Slawen sind Sklaven.'... Allein in Essen gab es 55 Arbeitslager von Krupp. Mit den Außenstellen in den Konzentrationslagern (u.a. in Auschwitz) hatte Krupp insgesamt an die 100.000 Sklavenarbeiter für sich eingespannt." (Engelmann, Wallraff, Ihr da oben - wir da unten, S. 31 ff.)

"...lediglich eine Vereinbarung in Briefform mit der SS, nach der uns das KL Arbeitskräfte zur Verfügung stellt, für die wir RM. 4,- je Tag für den Facharbeiter und RM. 3,- je Tag für den Hilfsarbeiter an die SS zu zahlen haben. Für die Verpflegung sind Unkosten nicht zu tragen, lediglich für die Bereitstellung von Getränken (Kaffee und Tee)." (Engelmann, S. 576)

Immer sozial engagiert: ...bei Ausbildungsplätzen...

"Mein Ziel ist, dem Staate viele treue Untertanen zu erziehen und der Fabrik Arbeiter eigener Race...." (Alfred Krupp, 1877)

...beim Leben, um zu arbeiten...

"Die Arbeiter sollen sich ordentlich kleiden, ordentlich wohnen, und sich ordentlich ernähren." (derselbe)

...bei Sozial-Kassen aller Art...

"Zunächst wird (für die Pensionskasse) ein Einschreibegeld in Höhe des anderthalbfachen Tagesarbeitsverdienstes erhoben, so daß durchschnittlich 6 Mark zu zahlen sind. Sodann werden an laufenden Beiträgen erhoben 2 1/2 Prozent des Arbeitsverdienstes... Der Rentenforderer muß mindestens zwanzig Jahre ununterbrochen in Diensten der Firma gestanden haben und seine vollständige Arbeitsunfähigkeit, von zwei Ärzten übereinstimmend attestiert, nachweisen... Wer 'überzählig' wird, sich nach Meinung eines 'wohlwollenden' Beamten unbotmäßig beträgt, politisch anrüchig wird, in Verdacht der Umstürzlerei gerät - und hinausfliegt, der ist aller Ansprüche auf die Wohlfahrtskasse verlustig." (Wilhelm Düwell 1901, Klassenbuch 2, S. 142 ff.)

Für Mitbestimmung und politische Mündigkeit:

"Höhere Politik treiben erfordert mehr freie Zeit und Einblick in die Verhältnisse, als dem Arbeiter verliehen ist. Ihr tut Eure Schuldigkeit, wenn Ihr durch Vertrauenspersonen empfohlene Leute erwählt. Ihr erreicht aber sicher nichts als Schaden, wenn Ihr eingreifen wollt in das Ruder der gesetzlichen Ordnung. Das Politisieren in der Kneipe ist nebenbei sehr teuer." (Alfred Krupp, 1877)

Selbstverständlich marktorientiert:

"Wir machen alles" (Krupp-Werbeslogan)

"Wir produzieren keine Waffen mehr" (Alfred Krupp, 1951)

Politisch neutral:

"Wir Kruppianer wollten nur ein System, das gut funktionierte und das uns Gelegenheit gab, ungestört zu arbeiten. Politik ist nicht unsere Sache... Wir Kruppianer sind keine Idealisten, sondern Realisten. Wir hatten den Eindruck, daß Hitler uns eine gesunde Entwicklung bescheren würde. Tatsächlich hat er das getan. Wenn man ein gutes Pferd kauft, muß man ein paar Mängel hinnehmen." (Alfred Krupp vor dem Nürnberger Gerichtshof)

Mit einer Spitzen-Belegschaft:

"Ich bin pensioniert, aber deswegen bin ich immer noch Kruppianer. Wir sind mit der Firma Krupp 100% verbunden, von den Eltern angefangen, da gibt es nichts anderes. Selbst die wenigen Kommunisten, die es bei Krupp gab, waren an erster Stelle Kruppianer, dann erst Kommunisten." (Engelmann, Wallraff, S. 22)

...entschieden gegen Mißmanagement und Arbeitsscheue...

"Wir kamen uns wie Leibeigene vor, die dem Nichtstuer Arndt sein ohnehin süßes Leben noch mit weiteren Millionen versüßten... Da fielen plötzlich Worte, die fast in Vergessenheit geraten sind, wie 'Enteignung'." (ebenda, S. 19)

...entschieden für gutes Management und Arbeitgeber...

"So war unser Chef, das Gesamtwohl geht ihm vor seinem eigenen Sohn... Er, der selbst Nichtraucher war, stellte uns eine Kiste Zigarren hin. Obwohl die meisten unten in der Halle noch geschmaucht hatten, wagte es jetzt keiner, die Zigarren anzurühren... versprach er uns, daß er es nicht dulden werde, daß der Konzern auseinandergerissen und entflochten werde. 'Ich verkaufe meine Leute nicht wie Stücke Vieh', so sagte er wörtlich, und dieses Versprechen uns gegenüber hat er ja auch gehalten." (ebenda, S. 22 ff.)

Ein modernes deutsches Großunternehmen:

Heutiger Aufsichtsrat: Vorsitzender Bertold Beitz; Stellvertreter Ernst Breit, DGB-Vorsitzender; ferner unter anderem: 11 weitere Gewerkschaftler und zwei Perser.