DIE DDR ALS ANWALT DER DEUTSCHEN NATION

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Dieser Artikel ist in der MSZ 4-1983 erschienen.
Systematik: 

DIE DDR ALS ANWALT DER DEUTSCHEN NATION

Die Arbeiterklasse hat das Recht auf eine ganze Nation:

"Als Arbeiter können wir uns niemals damit abfinden, daß unsere Klasse und unser Deutschland für alle Ewigkeit gespalten bleiben." (Manifest an das deutsche Volk, 1950),

während der Imperialismus an der Spaltung zugrunde gehen wird:

"Die reaktionäre, antinationale Politik der westdeutschen Imperialisten hat die historisch notwendige demokratische und sozialistische Entwicklung der ganzen deutschen Nation verhindert, so daß die deutsche Nation heute auf zwei unterschiedlichen Entwicklungsstufen des sozialen Lebens steht. Aber eine nationale Gemeinschaft, die sich in einer langen Entwicklung und in schweren Kämpfen gebildet hat, deren Elemente im Verlauf einer vielhundertjährigen Geschichte entstanden sind, kann nicht in wenigen Jahren durch eine künstliche Spaltung vernichtet werden. Im Gegenteil, die Spaltung führt dazu, daß sich alle nationalen Kräfte gegen die Imperialisten zum Kampf um die Wiederherstellung der nationalen Einheit auf einer neuen sozialen Grundlage zusammenschließen." (Parteiphilosoph Alfred Kosing)

Die Arbeiterregierung ist die einzige wirklich nationale Regierung:

"Die Regierung der DDR... vertritt als einzige deutsche Regierung konsequent die nationalen Interessen des deutschen Volkes." (Ulbricht, 1958) -

so daß jeder, der für ein ganzes Deutschland ist, alles für die halbe DDR tun muß:

"'Je erfolgreicher sich die DDR im friedlichen ökonomischen Wettbewerb mit dem monopolkapitalistischen Westdeutschland durchsetzt, um so anziehender wird der Sozialismus auf die Werktätigen in der Bundesrepublik wirken und um so mehr werden die Positionen des deutschen Imperialismus untergraben.' Nur auf diese Weise kann es in Westdeutschland zu einer solchen Veränderung des politischen Kräfteverhaltnisses kommen, daß die friedliebenden Kräfte das Übergewicht erlangen und in der Lage sein werden, die Kräfte des aggressiven Monopolkapitals und der Militaristen zu entmachten. Daher hängt das Schicksal der deutschen Nation tatsächlich in erster Linie von der weiteren Festigung und erfolgreichen Entwicklung der DDR ab. In diesem Zusammenhang wird klar, daß jede Leistung, welche zur Stärkung der DDR führt, eine nationale Tat ist." (Kosing)

Falls sich Westdeutschland immer noch wie dervereinigen will, muß die DDR auf ihren Bedingungen bestehen: Ohne Revolution oder so etwas ähnliches schiebt sich nichts.

"Eines ist sicher, Deutschland kann erst wieder erstehen, wenn sich Westdeutschland von der Bindung an die USA-Imperialisten und deren barbarische Globalstrategie befreit, wenn die Renazifizierung in Staat, Wirtschaft, Schule und Kultur beseitigt ist, wenn die Hitler-Generäle abgesetzt sind, wenn die Macht der nach imperialistischen Eroberungen strebenden Kräfte des Monopolkapitals gebrochen und die Abrüstung durchgeführt ist. Deutschland kann erst wiedererstehen, wenn die westdeutsche Arbeiterklasse im Bündnis mit der Bauernschaft, mit allen fortschrittlichen demokratischen Kräften, mit der Intelligenz, den Handwerkern und Gewerbetreibenden, die demokratische Umwandlung vollzogen hat." (Ulbricht, 1968)

Dann eben, Gott sei Dank, keine Einheit:

"Es gibt die Deutsche Demokratische Republik und die imperialistische BRD. In der DDR entwickelt sich die sozialistische Nation. Zwischen der sozialistischen Deutschen Demokratischen Republik und der imperialistischen BRD gibt es keine Einheit und kann es keine Einbeit geben." (Honecker, 1972)

Und als gestandene Staatsmacht muß man unbedingt die Frage nach Nationalität und Nation einer eigenen Lösung zuführen: Zwar ist nicht zu leugnen,

"daß die Bürger der DDR in ihrer überwiegenden Mehrheit ihrer Herkunft, ihrer Sprache, ihren Lebensgewohnheiten und ihren Traditionen - kurzum ihren ethnischen Eigenheiten, also ihrer Nationalität nach, Deutsche sind... Trotz sprachlicher und anderer ethnischer Gemeinsamkeiten, trotz gleicher Nationalität mit der Bevölkerung in der BRD befindet sich die sozialistische deutsche Nation in der DDR ihrem Inhalt nach gleichwohl in unüberbrückbarem Gegensatz zur früheren einheitlichen kapitalistischen Nation in der BRD. Denn das Wesen der sich in der DDR entwickelnden Nation wird bestimmt durch die sozialistische Gesellschaft... Hier formiert sich die sozialistische deutsche Nation, die sich von der kapitalistischen deutschen Nation in der BRD in allen entscheidenden, also den ökonomischen, sozialen, politischen und ideologischen Merkmalen grundlegend unterscheidet...

In dem Maße, wie die entwickelte sozialistische Gesellschaft sich in der DDR weiter festigt und ihre soziale Qualität ausprägt, wie die sozialistische Lebensweise und Denkweise das Verhalten der Menschen bestimmt, beginnen sich auch bestimmte ethnische Eigenschaften zu wandeln. Es entstehen neue Sitten, Gebräuche und Lebensgewohnheiten, die der sozialistischen Lebensweise entsprechen; überlieferte Formen gewinnen einen neuen Inhalt und überlebte, nicht mehr zeitgemäße, dem Sozialismus widersprechende Gewohnheiten werden allmählich überwunden. Zugleich entstehen neue Traditionen mit sozialistischem Inhalt, die auch den internationalen Charakter des Sozialisnius und die wachsende Internationalisierung des gesellschaftlichen Lebens widerspiegeln.

Auf diese Weise gewinnt der Begriff 'deutsch' in der Realität der sich entwickelnden sozialistischen Nation einen reicheren und modifizierteren Inhalt, der sich anbahnende Veränderungen im eihnischen Bereich widerspiegelt." (Die DDR-Philosophen Kosing und Schmidt 1975)

Zuguterletzt bereichert das Schöpfertum der Massen auch noch die Geschichte um den sozialistischen Patriotismus:

"Das, was einige bürgerliche Ideologen als sogenanntes DDR-Bewußtsein bezeichnen, ist nichts anderes als das Nationalbewußtsein der Bürger unserer Deutschen Demokratischen Republik, das durch sozialistischen Patriotismus und proletarischen Internationalisnius gekennzeichnet ist. Es ist etwas Neues, in der Geschichte noch nie Dagewesenes..." (Schmidt 1978)

Die Gewalt dieser Definitionen endet aber leider an der innerdeutschen Grenze.

"Die Erklärung von BRD-Kanzler Kohl zum Bündnis mit den USA als dem angeblichen Kernpunkt deutscher Staatsraison offenbart die ganze Widersprüchlichkeit gegenwärtiger BRD-Politik. Es ist doch eine bare Selbstverständlichkeit, daß ein Kanzler der BRD auch nur für die BRD sprechen kann. Dies kann auch den Großdeutschen dort nicht entgangen sein. Das Deutsche Reich existiert nicht mehr. Die Geschichte nach 1945 hat zwei souveräne, voneinander unabhängige Staaten auf deutschem Boden entstehen lassen. Von dieser Realität geht die DDR - und hoffentlich mit der Zeit auch die BRD - aus." (Honecker zur Regierungserklärung von Kohl 1982)

Der Krieg um die deutsche Nation, ob sie als zwei oder unbedingt nur als eine geht, wird also - vorerst auf dieser Ebene - weitergeführt.

"Hier benutzte Honecker zum ersten Mal die Formel von den 'zwei Deutschlands', die nicht nur über unterschiedliche Gesellschaftssysteme verfügten, sondern auch verschiedenen Bündnissen angehörten. Bisher war, auch in der DDR, immer nur von den 'beiden deutschen Staaten' gesprochen worden. Es bleibt abzuwarten, ob die Formel von den 'zwei Deutschlands' nur schlechtes Deutsch ist oder nun in die amtliche Parteisprache eingeht und einen neuen politischen Akzent setzt." (FAZ, 11.10.)

"Barzel hat in den beiden Teilen Berlins erklärt, er wolle keine Polemik, weder innerhalb der Bundesrepublik, noch mit der SED. Er suche vielmehr Gespräche mit dem Ziel einer Erneuerung der Deutschlandpolitik. Barzel sprach von den 'beiden Staaten in Deutschland' und erinnerte daran, daß diese Formel in dem Zustimmungsgesetz zum Verkehrsvertrag mit der DDR enthalten sei; bisher war in der Regel immer von den 'beiden deutschen Staaten' gesprochen worden, und Erich Honecker hatte vor kurzem die Formel von den 'zwei Deutschlands' benutzt." (FAZ, 13.10.)