DIE BELEIDIGTE UNSCHULD DER "SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG"

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Dieser Artikel ist in der MSZ 3-1988 erschienen.
Systematik: 

DIE BELEIDIGTE UNSCHULD DER "SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG"

Das "Neue Deutschland" beschreibt die Tätigkeit westdeutscher Journalisten in der ostdeutschen Protestszene folgendermaßen:

"Mit dem Ziel, eine DDR-innere Opposition zu schaffen, sind auch einige von den BRD-Geheimdiensten bestellte und bestallte Journalisten maßgeblich mit daran beteiligt, dafür geeignete Personen in unserem Land ausfindig zu machen, sie mit entsprechenden Mitteln zu unterstützen und auszurüsten... Es ist kein Zufall, wenn manche westliche Journalisten rechtieitig wissen, wo etwas passieren soll, und immer dann zur Stelle sind, wenn bestimmte Kräfte in der DDR irgendwelche Provokationen zu starten versuchen." (SZ, 4.2.)

Die "Süddeutsche" ist empört:

"Ein Regime hat es nötig, von seinen Schwierigkeiten abzulenken. Es braucht dazu einen Buhmann. Journalisten bieten sich überall in der Welt für diese Rolle an. Sie sind kritisch gegenüber den Regierenden..."

So überaus kritisch, daß sie sich glatt mit den erklärten Gegnern ihrer Obrigkeit anlegen. Und dafür lassen sie sich noch nicht einmat bezahlen, schon gar nicht geheim.

Im übrigen ist der "kritische Journalismus" der SZ so ehrlich, genau 4 Tage später zu Protokoll zu geben, daß er genau das tut, wofür ihn das "Neue Deutschland" angegriffen hat: Im Totschweigen von Kritik hierzutande geübt, spielt er den Verstärker und Übertreiber oppositioneller Umtriebe anderswo:

"Das Interesse westlicher Medien überzeichnet zwar die tatsächliche Bedeutung der Friedens-, Menschenrechts- und Umweltbewegung in der DDR, kündet aber wenigstens von ihrer Existenz und verschafft ihr auch intern einige Aufmerksamkeit und Wirkung."