DER PAPST AUF DEN SPUREN VON CHRISTOPH COLUMBUS

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Dieser Artikel ist in der MSZ 11-1984 erschienen.

DER PAPST AUF DEN SPUREN VON CHRISTOPH COLUMBUS

"Unser Dank an die Katholische Kirche Spaniens für die Evangelisierung Südamerikas vor 500 Jahren." (Papst Johannes Paul II. in Saragossa)

Unser Glückwunsch!

Das wurde ja auch mal Zeit, daß Ihre Heiligkeit freudig des Ereignisses gedenken, das der gute Columbus erst möglich machte. 500 Jahre sind eine runde Sache, und mit welcher Gründlichkeit damals die Evangelisierung durchgeführt wurde alle Achtung! Daß Ihre Heiligkeit die ermüdenden Gewissensbisse endgültig abgelegt haben, weil Ihre Heiligkeit gegen jede Heuchelei sind, finden wir konsequent. Man kann doch nicht ewig den paar Unregelmäßigkeiten nachtrauem, die damals vorgekommen sind, sondern muß nach vorne schauen. Was hätte man denn machen sollen mit den blöden Wilden, die einfach nicht einsehen wollten, daß der Gott der Freiheit und der personalen Menschenwürde all ihre Vorstellungen überstieg? Sicher, daß die von spanischer Krone und Papst gesandten Engelmacher damals im großen und ganzen mehr Wilde in die Ewigkeit schickten als sie taufen konnten, könnte zweifeln lassen, ob denn immer die göttliche Rationalität eingehalten wurde. Und Leute, die nicht die Weite und Toleranz des Glaubens besitzen, könnten es für einen Widerspruch halten, daß die christlichen Soldaten und Missionare Menschen in den Himmel schickten, in den sie nach gültiger kirchlicher Lehre gar nicht reinkönnen: "...können jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott, durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie ab er nicht eintreten..." (II. Vaticanum). Schluß mit dem zersetzenden Gejammer! Da liegen Ihre Heiligkeit ganz richtig. Wo das "Salz der Erde" hinfällt, da... - nicht wahr. Letztlich gibt der Erfolg Ihrer Heiligkeit recht: über 90 Millionen Katholiken in Süd- und Mittelamerika. Ein Ketzer, der da noch den heiligen Zweck mit den Mitteln in den Schmutz ziehen will.

Unsere Hochachtung!

Alle Achtung vor der Methode, die der Vorgänger Ihrer Heiligkeit zusammen mit Spaniens Krone für die sachgerechte Behandlung der Wilden entwickelt hat. Wirklich der Weg, um aus Wilden Menschen zu machen, die "Konquistadorenproklamation":

"Gott der Herr hat dem Petrus und seinen Nachfolgern die Gewalt über alle Völker der Erde übertragen, so daß alle Menschen den Nachfolgern Petri gehorchen müssen. Nun hat einer dieser Päpste die neuentdeckten Inseln und Länder (Amerikas) mit allem, was es darauf gibt, den spanischen Königen zum Geschenk gemacht, so daß also ihre Majestäten Kraft jener Schenkung Könige und Herren dieser Inseln und des Festlandes sind. Ihr werdet nunmehr aufgefordert, die heilige Kirche als Herrin und Gebieterin der ganzen Welt anzuerkennen und dem spanischen Könige als eurem neuen Herrn zu huldigen. Andernfalls werden wir mit Gottes Hilfe gewaltsam gegen euch vorgehen und euch unter das Joch der Kirche und des Königs zwingen, wie es sich rebellischen Vasallen gegenüber gehört. Wir werden euch euer Eigentum nehmen und euch, eure Frauen und Kinder zu Sklaven machen. Zugleich erklären wir feierlich, daß nur ihr an dem Blut und an dem Unheil schuld seid, das dann über euch kommen wird."

Ihre Heiligkeit tun recht daran, diese Verfahren als historisch bedingte Erscheinungen anzusehen und zum "Festhalten an der Geschichte des Glaubens" aufzufordern. Damals wußte man eben noch nicht, daß man Wilden auch noch ganz anders kommen kann, um sie in einen neuen Glauben einzuseifen. Überhaupt, wenn man den Kern, die Evangelisierung, im Auge behält, bekommen die Dinge damals einen ganz anderen Sinn, als man vordergründig denkt. Das letzte vatikanische Konzil hat dazu ja Tröstliches vermeldet:

"Da der Herr, dem er glaubt, ein leichen des Widerspruchs ist, muß der Neubekehrte oft Bruch und Trennung erleben, aber auch Freuden, die Gott nicht nach Maß austeilt."

Richtig ist auch, daß Ihre Heiligkeit den Umstand, daß die Kirche damals Neger nicht einmal dieses sauberen Missionierungsverfahrens für würdig befand, sondern wie Kühe von Afrika nach Lateinamerika schiffte, nicht mehr so ernst nimmt. Schließlich sind die Jumbos und Wambos in Süd- und Mittelamerika heute auch ganze katholische Kinder Gottes.

Unsere Hochachtung gilt aber vor allem der Art und Weise, wie Ihre Heiligkeit die mittelalterlichen Methoden konstruktiv weiterentwickelt haben. Heute sind die Wilden in Lateinamerika alle katholisch, zivilisiert, ohne Eigentum und haben neben dem göttlichen auch den weltlichen Herrn. Ihre Heiligkeit können, ohne an der Spitze einer spanischen Soldateska Land und Leute heimsuchen zu müssen, dem von Gott eingesetzten Gorilla die Segnungen der Kirche zuteilwerden lassen, die Massen auf den Himmel verweisen - jetzt kennen sie das Ding ja - und ihnen Gewaltlosigkeit sowie Ehrfurcht vor der Obrigkeit predigen. Das Ergebnis ist nicht viel anders als im 16. Jahrhundert: Ihre Heiligkeit können sich auf die weltlichen Gewalthaber verlassen und umgekehrt. Und schon krepieren die Massen oder überleben das Elend, bis sie etwas später bei Gott sind. Wichtig und erfreulich ist höchstens der eine Unterschied: Die Sache läuft heute viel geschmierter, und der erreichte Effekt macht es nicht mehr notwendig, daß Jesuiten beim Beibringen der Frohen Botschaft ständig Blut aus den Kuttenärmeln läuft. Ihre Heiligkeit können es sich sogar erlauben, vor "Neokolonialismus" zu warnen.

Neidlose Bewunderung

müssen wir Ihrer Heiligkeit dafür zollen, daß sie den Trick der spanischen Christen vor 500 Jahren auch heute noch beherrschen. Wir meinen, was in jedem Geschichtsbuch berichtet wird:

"Daß die Konquistadoren mit einer Handvoll Soldaten das mächtige Reich erobern und vernichten können, hat seinen Grund darin, daß die Azteken in ihnen Götter sehen, deren Ankunft nach alten überlieferungen verheißen ist." (Ploetz)

Die Verheißung hat sich dann ja auch erfüllt, und geradezu bewundernswert, wie sich diese Sage immer wiederholt, wenn Ihre Heiligkeit in Brasilien oder in Santo Doimingo an Land gehen. Kaum haben Ihre Heiligkeit den in den 500 Jahren voll durchevangelisierten Boden den schuldigen Kuß verpaßt, erscheinen Hunderttausende und huldigen und preisen. Nichts mehr vom kleinmütigen Zaudern der Wilden, die damals immer noch ihre Zweifel hegten, ob es auch die Verheißenen wären einfach weil sie der Imperialismus und seine geistlichen Vertreter in Rom noch nicht zivilisiert (= evangelisiert) hatten.

"Das Volk an Land stand stumm und zag, da sagt Kolumbus: "Guten Tag, ist hier vielleicht Amerika?" Da riefen alle Wilden: "Ja!"

Die Wilden waren sehr erschreckt und schrien all: "Wir sind entdeckt!"... Gloria, Viktoria, widdewiddewitt jucheirassa..." (Deutsches Liedgut)

Ihrer Heiligkeit, dem segensreichen Wirken Ihrer Kirche ist es zu verdanken, daß heute die zivilisierten Wilden Südamerikas wissen, daß man Abtreibung nicht mit Missionierung verwechseln darf und Vergewaltigung nicht mit Evangelisierung.

Unser Dank

dem glückbringenden Wirken der Kirche seiner Heiligkeit. Was wäre Lateinamerika ohne Columbus und die nachfolgende gründliche Bekehrung zum Christentum? Es wäre Hunger und Elend ohne Gott, Mord und Totschlag ohne die kirchlichen Tröstungen, Abtreibung ohne schlechtes Gewissen, Geschlechtsverkehr ohne "Kulturübertragung". Es wäre Imperialismus ohne den christlichen Segen. Mit einem Wort: Sterilisation! Dank Ihrer Heiligkeit, daß die Bewegung Ihrer Heiligkeit in Vergangenheit und Gegenwart dafür sorgt, daß nichts sinnlos ist, was dem Menschen widerfährt. Schon gar nicht die Evangelisierung von Wilden mit dem Schwert. War dies doch der Beginn einer glücklichen Zukunft. Sie wurden Mensch.

"In der Dominikanischen Republik hatte der Papst an Vorfeiern zum 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas teilgenommen, der 1992 begangen wird. In einem Rückblick auf die Geschichte der Eroberung der Neuen Welt verteidigte er in Santo Domingo laut dpa die Kirche gegen 'schwarze Legenden', die sich nur auf die Aspekte der Gewalt konzentriert hätten. Ideologische Interessen hätten die Kirche auch nur negativ darstellen wollen. Die Kirche verkenne zwar nicht die gegenseitige Abhängigkeit zwischen 'Kreuz und Schwert' in der ersten Kolonisationsphase, sie wolle aber auch nicht verkennen, daß die Ausbreitung des Christentums den neuen Völkern christlichen Glauben gebracht habe." (Süddeutsche Zeitung)

Opium fürs Volk?

Der italienische Mafia-Bankier Michele Sindona hat unter anderem in Verbindung mit einer vatikaneigenen Bank Gelder aus dem Heroin-Handel "gewaschen". Die USA wollen den bei ihnen Einsitzenden jetzt an die italienische Polizei zum "Singen" ausleihen. Sindona hat angekündigt, daß er mit noch "sensationelleren Enthüllungen" aufzuwarten gedenkt, z.B. wie der Stoff für die "Sicilian Connection" nach Italien kommt. Gerüchten zufolge wird Sindona "allerhöchste Stellen" belasten.

Vielleicht bringt das endlich Aufklärung über den wahren Grund der ständigen Auslandsreisen des Papstes. Es kann doch unmöglich allein die "pastorale" Sehnsucht Johannes Paul II. sein, die ihn ständig mit weiter Kutte (!), hoher Bischofsmütze (!) und Bischofsstab (!) vornehmlich in heiße und feuchte (!) Tropenländer treibt. Der Mann hat einen Diplomatenpaß und wird an keiner Grenze kontrolliert. Er überfliegt sie ohnehin mit einem Riesenflugzeug! Wenn man noch dazu bedenkt, daß Papua-Neuguinea eines der exzellentesten Anbaugebiete ist und Wojtyla jetzt schon zum zweiten Mal in Santo Domingo (mittelamerikanische Drehscheibe des Heroinhandels!) gewesen ist, dann betrachtet man auch die ständige Bodenküsserei des Kirchenmannes in neuem Licht. (Die Reinheit des Stoffes erkennt man nur am Geschmack!)

Die Religion sei das Opium des Volkes, meinte schon der alte Rauschgiftexperte Karl Marx. Und jetzt auch noch eine "Vatican Connection"?