DER GANZ NORMALE WAHNSINN

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Dieser Artikel ist in der MSZ 2-1987 erschienen.

DER GANZ NORMALE WAHNSINN

Die Randgruppe des Jahres

1986 war das "Jahr des Baumes", '85 bekanntlich das "Jahr der Frau", und heuer gibt's zwei Vorschläge, die sich aber mit Sicherheit unter einen Hut bringen lassen werden. Die Anregung aus Rom -

"Marienjahr verkündet

Vor mehr als 20000 Gläubigen in der Peterskirche in Rom hat Papst Johannes Paul II. aus Anlaß der Friedensmesse am Neujahrsmorgen das Jahr 1987 zum Marienjahr erklärt." (Süddeutsche Zeitung, 2.1.) -

verweist nämlich auf ein prominentes Obdachlosenschicksal, das am 24. Dezember des Jahres 1 v.Chr. zu einer folgenschweren Stallgeburt auf der damals noch römisch besetzten Westbank des Jordans geführt haben soll. Dazu paßt also die Verkündigung aus New York:

"UNO proklamiert 1987 zum 'Jahr der Obdachlosen'

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen (UNO), Peres de Cuellar, hat 1987 zum Internationalen Jahr der Obdachlosen proklamiert. Rund 20 Prozent der Weltbevölkerung verfügten nicht über eine menschenwürdige Unterkunft. Er appelliere daher an die Regierungen der Welt, dem Problem Priorität einzuräumen. Eine Gesellschaft werde weniger an den Standards gemessen, nach denen ihre reichsten Mitglieder lebten, sondern vielmehr an dem Lebensstandard, den sie ihren schwächsten Bürgern ermögliche." (Süddeutsche Zeitung, 2.1.)

Aus der Bundesrepublik kam dann prompt ein erschütternder Hinweis, was selbst in einer vergleichsweise "reichen Gesellschaft" den Obdachlosen an Lebensqualität entgeht und wie diesen "schwächsten Bürgern" doch noch zu ihrem Glück verholfen werden kann:

"Nichtseßhaften soll Teilnahme an der Wahl erleichtert werden

Nichtseßhafte können nur unter erheblichen Schwierigkeiten an der Bundestagswahl teilnehmen. Darauf hat die Bundesarbeitsgemeinschaft für Nichtseßhafte in Bielefeld aufmerksam gemacht. Zugleich appellierte sie an die Politiker, bestehende bürokratische Hemmnisse abzubauen und diesem Personenkreis den Zugang zur Wahl zu erleichtern.

Nichtseßhafte dürften nur in der Gemeinde wählen, in der sie am 35. Tag vor der Bundestagswahl übernachtet hätten, hieß es. An diesem Stichtag werden die Wählerverzeichnisse erstellt, in denen automatisch alle ortsansässigen Bürger erfaßt werden.

Nichtseßhafte könnten dann spätestens am 21. Tag vor dem Wahltermin bei dieser Gemeinde einen Wahlantrag stellen. Dies könne jedoch in der Praxis zu Schwierigkeiten führen, weil ein Nachweis für den damaligen Aufenthalt erbracht werden müsse." (Süddeutsche Zeitung, 12.1.)

In einer modernen Industriegesellschaft wird auch der menschliche Bodensatz noch menschenrechtlich betreut und bürgerrechtlich versorgt: Erstens heißen bei uns die Penner "Nichtseßhafte" und kriegen eine eigene "Arbeitsgemeinschaft". In der "arbeiten" mit Sicherheit nicht Stadtstreicher und Wermutbrüder, sondern studierte Damen und Herren, die sich aus dem Beschluß der Wirtschaft, bestimmte Leute nicht mehr anwenden zu wollen, einen Arbeitsplatz geschnitzt haben. Zweitens kümmern die sich darum, daß nicht womöglich noch ein Penner in den saukalten Januartagen erfriert, ohne daß man ihm vorher seine Briefwahlunterlagen unter die Brücke gebracht hat. Wenn es doch zu einem "tragischen" Absinken der Wahlbeteiligung in Pennerkreisen kommt -

"Stadtstreicher unter Pasinger Würmbrücke erfroren.

Wahrscheinlich erfroren ist ein 34jähriger Stadtstreicher in einer Mauernische unter der Würmbrücke am Hermann-Hesse-Weg in Pasing. Er hatte sich dort mit zwei anderen Obdachlosen eine Bleibe eingerichtet. Die beiden fanden den Toten dort am Samstag gegen 13 Uhr." (Süddeutsche Zeitung, 12.1.) -,

dann erfaßt der Sozialstaat das Opfer als Karteileiche und schenkt ihm noch eine wissenschaftlich einwandfreie Todesursache:

"Heute soll im Institut für Rechtsmedizin geklärt werden, woran genau der Mann gestorben ist. Die zwei Stadtstreicher erklärten der Polizei, der Mann sei lungenkrank und völlig entkräftet gewesen."

Miami Vice

"Nicaraguanischer Erzbischof in Miami beraubt

Der nicaraguanische Kardinal Miguel Obando y Bravo ist nach Mitteilung der Polizei in den USA Opfer eines Raubüberfalls geworden. Der Erzbischof von Managua habe sich in Miami in Florida im Haus eines Freundes aufgehalten, hieß es, weil er an einer religiösen Veranstaltung habe teilnehmen wollen. Eine Polizeisprecherin teilte mit, drei Männer seien in das Haus eingedrungen, hätten Obando y Bravo und sechs weitere Anwesende gefesselt und Dokumente des Geistlichen sowie Geld und Schmuck mitgehen lassen." (Süddeutsche Zeitung, 20.1.)

Manchmal passieren doch noch echte Zeichen und Wunder!

Vater Staat will Originalmütter

"Rita Süssmuth fordert Verbot der Leihmüttervermittlnng

Ein gesetzliches Verbot für die Vermittlung von Leihmüttern hat Bundesfamilienministerin Rita Süssmuth (CDU) gefordert. Ein entsprechender Referentenentwurf zur Ergänzung des Adoptionsvermittlungsgesetzes sei bereits von ihrem Ministerium an die zuständigen Bundes- und Landesressorts und die Verbände versandt worden, erklärte Frau Süssmuth in Bonn. Danach solle jede Form der Vermittlung von Ersatzmüttern verboten sein, auch wenn sie nicht gegen Entgelt erfolge. Besonders hart geahndet werden sollten gewerbliche Vermittlungsformen, bei denen Notlagen ausgenutzt würden." (Süddeutsche Zeitung, 5.1.)

Was paßt ihnen denn jetzt wieder nicht, den christlichen Samenspendern aus der Wende-Regierung für recht viele deutsche Kindlein. Erst befördern sie nach Kräften den Mutterschaftswahn und den heißen Wunsch nach was eigenem und wenn dann Leute die Sache so fanatisch betreiben, daß sie sich eine Gebär-Mutter mieten wollen, dann wil die C-Mannschaft ihr eigenes Prinzip nicht mehr kennen: Leistung soll sich lohnen!

Bewältigte Vergangenheit - überwältigte Gegenwart - gewaltige Zukunft

Anläßlich des 45.Jahrestags der Wannsee-Konferenz, auf der leitende Beamte und andere Experten aus dem Öffentlichen Dienst es Deutschen Reiches die technischen Details für die "Endlösung der Judenfrage" berieten, machte Kanzler Kohl wieder einmal von seiner "Gnade der späten Geburt" Gebrauch und erklärte:

"Wir wissen heute, daß dieser mörderischen Barbarei viele Millionen von Menschen zum Opfer gefallen sind."

Deshalb hat die Bonner Regierung den Überlebenden zum Jubiläum ein schönes Geschenk gemacht:

"Als Frucht des Bemühens, das Bewußtsein für die Dimension einer geschichtlicnen Last wachzuhalten, sieht Innenminister Friedrich Zimmermann (CSU) eine zweibändige Dokumentation, in der die Namen von 128000 jüdischen NS-Opfern festgehalten sind. Zimmermann übergab das Werk zum 4.Jahrestag der Wannsee-Konferenz in der Augsburger Synagoge an den Vorsitzenden des Direktoriums des Zentralrats der Juden in Deutschland, Werner Nachmann."

Herzlichen Glückwunsch! Jetzt kann der Zentralrat der Juden nachprüfen, ob noch welche fehlen. Volkszählexperte Zimmermann weiß auch schon welche:

"Auch die jüdischen Opfer aus Mitteldeutschland in die Dokumentation einzubeziehen, sei nicht möglich gewesen, weil die DDR entsprechende Unterlagen nicht zur Verfügung gestellt habe." Süddeutsche Zeitung, 21.1.)

Damit ist die "Vergangenheitsbewältigung" zwanglos bei der zu bewältigenden Gegenwart angelangt. Klartext spricht hierzu wieder einmal Franz Josef Strauß:

"Wer vorher, während oder danach zu Hitler nein gesagt hat, der muß auch mit gleicher Entschiedenheit nein sagen zum Kommunismus, weil er dieselbe kollektivistische, unfreiheitliche und gewaltsame Geisteshaltung vertritt." (FAZ, 15.1.)

Schade nur, daß viele derer, die damals "vorher" und "während" nein gesagt haben, "danach" überhaupt keinen Ton mehr sagen konnten. Das macht aber nichts: Immerhin können die vielen, denen erst hinterher einfiel, daß es mit Hitler nicht gut gehen könnte, heute mit Strauß eine Tradition des Faschismus fortsetzen: ein entschiedenes a zum Kampf gegen den Bolschewismus. So treten "die Deutschen aus dem Schatten des Dritten Reiches" heraus und werden ihrer eigenen Natur inne:

"Die Liebe zur Heimat, zum eigenen Land, zum eigenen Volk, ist eine dem Menschen n die Wiege gelegte Eigenschaft." (FAZ, ebenda)

Auf diese Weise kommt man vom politischen Kampf gegen "Nestbeschmutzung" zur Abtreibung mit nationater Indikation.

(K)ein Dissidentenschicksal

"Mit telefonischen Morddrohnngen wurde der 54jährige Pastor Konrad Lübbert aus Wedel (Kreis Pinneberg) belästigt, nachdem er bei einer Demonstration gegen Bundeskanzler Kohl aufgetreten war." (Süddeutsche Zeitung, 14.1.)

Aus Liebe zu Deutschland:

"DKP ruft zur Wahl der SPD und Grünen auf

Der DKP-Vorsitzende Mies hat die früheren Wähler der DKP dazu aufgerufen, ihre Zweitstimme bei der Bundestagswahl für SPD oder Grüne abzugeben. Damit leisteten die Kommunisten einen verantwortungsvollen Beitrag bei dem Versuch, die Bonner Regierung abzulösen, sagte Mies in Bonn. 'Wenn es nicht gelingen sollte, diese Rechtsregierung abzulösen, dann kann niemand uns Kommunisten vorwerfen, daß wir eine Mitschuld daran haben.'" (FAZ, 9.1.)

Hier fehlt es Herrn Mies an Konsequenz: Wenn er schon nicht mehr auf den Kommunismus setzen und dessen Unbeliebtheit bei den werktätigen Massen korrigieren will, dann darf er auch nicht SPD und Grüne mit einem Wahlaufruf kompromittieren.

Katholische Kirche für Tod-Sünde

"Bischöfe kritisieren Anti-Aids-Kampagne

Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz hat kritisch Stellung genommen zu der Anzeigenkampagne gegen die Verbreitung der Immunschwäche Aids. ...

'Der Geschlechtsverkehr mit unbekannten oder wechselnden Partnern ist menschenunwürdig', schreiben die Bischöfe. Die Aids-Gefahr werde eher durch geschlechtliches Verhalten vermieden, das sich 'an verbindlichen, sittlichen Maßstäben orientiert und die Menschenwürde respektiert'. Eheliche Treue und sexuelle Enthaltsamkeit seien geeignete Wege, um die Ausbreitung dieser Krankheit zu vermeiden." (FAZ, 28.1.)

Kein Wunder, daß Höffner und seine Kuttentruppe erhebliche Einwände gegen Frau Süssmuths Konjunkturspritze für die gummiverarbeitende Industrie vorzubringen haben: Da schickt Gott als Strafe einen unheilbaren Virus auf alle Anhänger "unnatürlicher" und außerehelicher Sexualität herunter, auf daß bei Todesstrafe beim "geschlechtlichen Verhalten" nur seine Regel gelte - und da wollen ihm ausgerechnet christliche Politiker mit einem Kondom in den Arm fallen...

Keine Tiere als Versuchskanichen!

"Tierschützer Protestieren gegen Labortests bei Sandoz

Der Bundesverband der Tierversuchsgegner hat gegen die Absicht des Baseler Chemiekonzems Sandoz protestiert, die langfristigen Folgen der von dem Unternehmen verursachten Rheinvergiftung in Tierversuchen zu testen. Dieses Vorhaben sei ein 'unglaublicher Skandal', da mögliche Vergiftungsauswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt in der betroffenen Umgebung direkt und erheblich aussagekräftiger festgestellt werden könnten, erklärte der Verbandsvorsitzende Ilja Weiss in Bonn." (Süddeutsche Zeitung, 5./6.1.)

Irgendwie hat der Mann recht: Versuche am lebenden Menschenmaterial unter realistischen Bedingungen bringen immer noch die zuverlässigsten Ergebnisse.

Sprengstoff-Preis für Großdeutschland?

"Bund der Vertriebenen für Nobelpreis vorgeschlagen

Eine Reihe von Abgeordneten der CDU/CSU hat in einem Schreiben an das Nobelpreiskomitee in Oslo den Bund der Vertriebenen für die Verleihung des Friedensnobelpreises vorgeschlagen. In dem von den Abgeordneten Eduard Lintner, Joachim Clemens, Claus Jäger, Hans Klein und Bernd Wilz initiierten Schreiben heißt es, der Vertriebenenbund trete 'unbeirrt' für die Verständigung mit den Völkern im Osten ein. Unterzeichnet ist der Brief von bisher 45 Unionsabgeordneten, darunter dem Vorsitzenden der Bundestagsfraktion, Alfred Dregger. Sie schließen sich damit einer Initiative von Abgeordneten des Europäischen Parlaments an. Die Anregung, den Vertriebenenbund mit Präsident Herbert Czaja an der Spitze für den Friedensnobelpreis vorzuschlagen, war von dem CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß gekommen." (Süddeutsche Zeitung, 20.1.)

Auf die Idee ist nicht einmal Goebbels gekommen: Vor Kriegsbeginn den Friedensnobelpreis für das Dritte Reich zu fordern, weil es zur Erfüllung seiner territorialen Ansprüche noch keinen Krieg angefangen hat! Und die Petenten nehmen es durchaus ernst, daß sie 1987 genauso auszusehen hat, die "Verständigung mit den Völkern im Osten": als deutsches Angebot, die Slawen in einem "Europa freier Völker" unter deutscher Führung als Putzer wieder anzustellen, nachdem ja bekanntlich der "Vertriebenen"-Präsident Czaja versprochen hat, ihnen allen "unrechtmäßig enteigneten deutschen Besitz an Grund und Boden sowie an Fabriken und Geschäften" wieder abzunehmen. Deshalb heißt auch das Motto des diesjährigen Schlesiertreffens: "Wir gestalten Schlesiens Zukunft!" Referent ist übrigens Franz Josef Strauß, der wahrscheinlich dabei für den Friedensnobelpreis '88 vorgeschlagen werden wird.

Aktuelles vom Sport

Allenthalben laufen die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele 1988 in Seoul auf Hochtouren: Die Deutsche Sporthilfe sammelt, die Athleten trainieren, die Zuschauer freuen sich jetzt schon auf spannende Spiele, das Fernsehen sichert sich die Übertragungsrechte und die Veranstalter sorgen für einen störungsfreien Ablauf:

"Fahndung nach 'Linksradikalen' in Südkorea verschärft - Das südkoreanische Polizeihauptquartier (NPH) hat die Suche nach als 'linksradikal' eingestuften Oppositionellen verschärft. Nach einem Bericht der Korea Times wurden die Polizeichefs landesweit angehalten, spätestens bis Ende Februar 220 Oppositionelle, darunter Studenten- und Arbeiterführer, zu verhaften. Sie waren untergetaucht, um der seit Ende letzten Jahres verstärkten Kampagne der Regierung gegen 'unsaubere, prokommunistische Elemente' zu entgehen. In einer Verlautbarung des Polizeihauptquartiers hieß es, im Interesse erfolgreicher Olympischer Spiele und des für 1988 vorgesehenen friedlichen Machtwechsels gelte es, alle jene dingfest zu machen, die das kommunistische Regime Nordkoreas unterstützten." (Süddeutsche Zeitung, 15.1.)

Hallo Sportsfreunde! Ihr leistet also auch noch einen Beitrag für den Übergang zur Demokratie in Südkorea. Gute Reise und viel Spaß.

"Einbruch in die Männergesellschaft" geglückt

"Hamburger Grüne erstmals in Kreditkomission gewählt.

... Die oppositionelle CDU wandte sich gegen die Wahl. ... Der CDU-Abgeordnete Ove Franz sagte, durch die 'Wirtschaftsfeindlichkeit' der GAL sei die für die Arbeit der Kommission erforderliche Vertraulichkeit nicht mehr gesichert. Investitionsbereite Unternehmen müßten jetzt damit rechnen, 'in der Öffentlichkeit angeschwärzt' zu werden. Die GAL protestierte in der Debatte gegen diesen 'unglaublichen Vorwurf'." (Süddeutsche Zeitung, 16.1.)

Der Protest geht in Ordnung: Frauen haben in 35000jähriger Unterdrückung das Schweigen gelernt. Zweitens sind sie in der peniblen entgeltlosen Zusammenhaltung des Haushaltsgeldes geübt. Und drittens heißt es zwar der Kredit, aber DIE Wirtschaft.

Die Berliner Mauer

ist das einzige öffentliche Gebäude in Westeuropa, das man mit Billigung hiesiger Behörden bemalen darf. Während sich hierzulande keine Parole in einem U-Bahn-Eingang oder an einer Universitätswand länger als 24 Stunden hält, sparen sich die Stellen in Berlin (Hauptstadt der DDR) das regelmäßige Übertünchen. Neulich allerdings haben sie einen Freiheitsmaler in flagranti ertappt, als sie "hinterrücks durch eine Geheimtür" (- so in etwa die Tonlage der Berichterstattung im Westfernsehen) von Osten durch die Mauer auf ihr eigenes Territorium vorgedrungen sind. Dabei haben sie zufälligerweise einen "alten Bekannten" - wie das in Polizeikreisen so heißt - geschnappt, der vom Westen schon einmal freigehauft worde war. Jetzt muß er wieder einsitzen. Ziemlich gemein, einen Freiheitssprayer nur deswegen zu verhnacken, weil er mutwillig ausländisches Hoheitsgebiet verletzt hat!

"Schmierschriften an Gymnasium

Drei Schüler gefaßt

Drei Schmierschrift-Urheber, Schüler des Pasinger Max-Planck-Gymnasiums, sind gefaßt worden. Die Missetäter im Alter von 17 bis 19 Jahren hatten bereits in der Neujahrsnacht an den Wänden der Lehranstalt angebracht: 'Wo Recht zum Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht, WAA'. Als sie jetzt erneut die Fassade des Gymnasiums mit Kernsprüchen versehen wollten, wurden sie von einer Polizeistreife gesichtet. Sie sind voll geständig." (Süddeutsche Zeitung, 11.1.).

Das ist der Unterschied: Bei uns wird heimlich gesprüht und öffentlich festgenommen, während es an der Grenze in Berlin umgekehrt ist. Und hier ist es zunächst nur Sachbeschädigung mit der dazugehörigen Schadenersatzklage wenn man Glück hat. Wenn nämlich auf besondere "kriminelle Energie" dahinter "erkannt" wird, folgt schon deswegen Bau, und wenn in dem Gekritzel auch noch ein politischer Inhalt ausgemacht werden kann, besteht begründeter Verdacht der Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung.